Grassland NP – Dinosaur PP – Writing-on-Stone PP – Waterton-Lakes NP

Vom 28. Juni – 13. Juli 2022

Obwohl wir in den vergangenen 16 Tage nicht so viele Kilometer gefahren sind, haben wir extrem viel erlebt. Kein Wunder ist der nachfolgende Beitrag wieder einmal ziemlich lange geworden.

Diesel und AdBlue in Kanada

Eigentlich hätten wir noch vor der Einfahrt in den Grassland Nationalpark unseren Dieseltank auffüllen sollen, gab es doch noch ein paar gute Tankstellen davor. Doch der Tank war ja noch knapp halbvoll, also mehr als 300 km Reichweite, das sollte doch reichen. Und nach dem Park gibt es bestimmt wieder Tankstellen…

Doch bei der ersten Tankstelle am Parkausgang in Val Marie steht wie so oft «Cardlock», d.h. man kann nur mit einer speziellen Mitgliederkarte bezahlen. Das ist etwa so, als könnte man in der Schweiz an den Migros-Tankstellen nur mit der Cumulus-Karte bezahlen oder an den Coop-Tankstellen nur mit der Supercard…
Die zweite Tankstelle, die wir etwa 50 km später anfahren wird gerade repariert und die darauffolgende ist wieder mit Cardlock angeschrieben. Die Tankuhr steht in der Zwischenzeit etwas über 1/8, noch etwa 130 km Reichweite.
Gut, in weiteren 50 km kommt ein Ort mit drei Tankstellen, dort müsste mindestens eine offen sein, hoffen wir. Als wir dort ankommen: Die erste Tankstelle sieht ziemlich vergammelt aus, die zweite ist wieder mit Cardlock angeschrieben und die dritte ist mit einem Bauzaun umgeben, also geschlossen. Nun wird guter Rat langsam teuer und wir müssen wohl oder übel an der «Gammel-Tankstelle» etwas tanken. Die Tankstelle ist bedient und der Tankwart ziemlich alt und schwerhörig, aber gut gelaunt, scheinbar vor vielen Jahren aus Italien ausgewandert. Er testet meine Zahlen-Sprachkenntnisse auf deutsch, französisch, italienisch und spanisch, bei norwegisch muss ich dann passen… Wir tanken 30 Liter und hoffen, der Diesel ist sauber.
Am nächsten Tag kommen wir bei einer bedienten CO-OP Tankstelle an und können wieder volltanken und mit Kreditkarte bezahlen. Und erhalten an der Kasse noch ein paar Tipps für die Weiterreise: «Geht unbedingt in den Writing-on-Stone Park, der gefällt mir extrem gut.»

Mit AdBlue, das hier DEF heisst (Diesel Exhaust Fluid), sieht es ähnlich aus: Wir sehen zwar insbesondere bei den CO-OP Tankstellen immer wieder DEF-Säulen, aber immer mit dem Cardlock-Symbol angeschrieben. Obwohl es daneben meist einen Laden gibt, kann man DEF/AdBlue von der Säule nicht bar bezahlen sondern nur direkt an der Säule mit dieser speziellen Karte. Am Schluss kaufen wir dann einen 10 Liter Kanister mit AdBlue im Laden, wo halt der Literpreis einiges höher ist als wenn man direkt an der Säule tanken könnte.
(wie immer: Bild anklicken, damit es grösser und schärfer wird)

Sanddünen in Saskatchewan und erste Luftaufnahmen

Auf einer Landkarte von einer Tourist-Info entdecken wir, dass es ohne allzu grossen Umweg noch Sanddünen zu besichtigen gäbe. Auf der Fahrt dorthin fällt uns aber zuerst ein ausgetrockneter Tümpel mit ganz weissem Boden auf, wohl die Mineralien und Salze des verdunsteten Wassers.
Da es nur schwach windet, will ich endlich unsere Drohne zu ihrem ersten Einsatz hier in Kanada in die Luft bringen. Da sie über 250 Gramm wiegt, musste ich im Voraus eine Prüfung für den Erwerb der kanadische Drohnenpilotenlizenz absolvieren und danach noch das Special Flight Operations Certificate (SFOC) erwerben. Dies habe ich alles im März und April noch von der Schweiz aus erledigt, d.h. die Prüfungen und Anträge machte ich ganz papierlos online, auch die Zertifikate und Ausweise erhielt ich auf elektronischem Weg. Hat man eine Drohne von unter 250 Gramm, wie z.Bsp. die DJI Mini 1, 2 oder 3 Pro, so sind diese Dokumente (zur Zeit – 2022) nicht notwendig.
Wir parken am Strassenrand einer Nebenstrasse, es hat kaum Verkehr. Nach ein paar notwendigen Einstellungen klappt die Verbindung zwischen Sender, Smartphone und der Drohne, Sperrgebiete gibt es hier keine und das Fluggerät hebt ab. Der ausgetrocknete Tümpel ist überraschend gross und ich probiere verschiedene Positionen und Einstellungen, genial der Blick von oben.

Danach fahren wir zur zweitgrössten Sanddüne Kanadas, die hier in der Provinz Saskatchewan liegt (die grösste übrigens auch, aber dorthin gibt es leider keine Strasse). Das Great Sandhills Ecological Reserve hat zwar eine Fläche von 1’900 km2, d.h. fast so gross wie der Kanton St. Gallen, aber die einzelnen Sanddünen sind dann ziemlich überschaubar… Für uns Schweizer sind die verschiedenen Sandhaufen eindrücklich, Franzosen werden wahrscheinlich lachen, wenn sie diese mit ihren in der Region Bordeaux am Atlantik vergleichen. Je nach Blickwinkel sehen die Dünen riesig oder winzig aus, sehr interessant.
Da es kein Drohnen-Verbot gibt mache ich ein paar Luftaufnahmen.

Lange Züge

Als wir einmal an einem Bahnübergang stehen, beginne ich beim x-ten Güterwagen zu zählen und komme auf 145 Stück, plus 3 Lokomotiven. Jeder Wagen misst schätzungsweise 20 Meter, so hat dieser Güterzug eine Länge von rund drei Kilometer, wau. Ein andermal auf einem kleinen Dorf-Campingplatz am Rande einer Ortschaft kommt wieder ein Güterzug angefahren. Ich schnappe mir die Drohne und fliege über den Zug. Leider besteht dieser «nur» aus 75 Wagons plus Lokomotiven, immer noch 1.5 km.
Im Internet lese ich, dass die Strecken Kanadas so gebaut sind, dass bis zu 4.2 km lange Güterzüge möglich sind, meist wird aber nur bis 3 km gefahren. Neben Containern, wo immer zwei übereinander transportiert werden, sehen wir sie vorallem mit Öl, Getreide und Erzen beladen.

Übrigens: In der Schweiz will die RhB (Rhätische Bahn) zu ihrem 175-jährigen Bestehen im Oktober dieses Jahres (2022) den Weltrekord bezüglich Länge eines Personenzuges brechen und einen 1910 Meter langen Personenzug fahren lassen. Er wird aus 100 Wagons mit 25 Lokomotiven bestehen, alles neue Züge von Stadler Rail aus der Schweiz. Wir drücken schon mal die Daumen.

Badlands

Auf unserer Weiterfahrt kommen wir am Fluss South Saskatchewan River vorbei. Es führt eine schöne türkisfarbene Stahlbrücke darüber und auf der anderen Flussseite gibt es schöne Felsformation, wir sind am Beginn der Badlands. Die Fotos vom Boden begeistern mich irgendwie nicht so richtig, deshalb versuche ich auch hier den Blick von oben, und auch hier: Wau.

Uns interessieren im Moment weniger die den Alpen gleichenden Rocky Mountains, sondern Landschaften, die es bei uns in der Schweiz nicht gibt. Am spektakulärsten waren dies bis jetzt die Steppen der Provinzen Manitoba und Saskatchewan sowie die gerade besuchten Sanddünen. Jetzt kommen noch die Badlands dazu, in Wikipedia als Ödland übersetzt. Dieses Gebiet ist nach dem Abschmelzen der mehrere Kilometer dicken Eiskappe nach der letzten Eiszeit vor ca. 10’000 Jahren entstanden. Die dabei neu entstandenen Gletscher-Flüsse haben sich in die flache Prärie eingeschnitten und durch Erosion wurden dann die unterschiedlich harten Schichten des neuen Flusstals abgebaut. Auf diese Weise entstanden in unseren Augen ganz spektakuläre Landschaften, wie man sie teilweise auch in Spanien in der Region Tabernas sieht, aber nicht in dieser Grössenordnung.

Provinz Alberta

Mit über 661’000 km2 ist die Provinz Alberta etwas grösser als Frankreich, hat aber nur einen zwanzigstel so viele Einwohner, d.h. rund 4 Millionen und selbst die nur 41’000 km2 kleine Schweiz hat mehr als doppelt so viele Einwohner wie diese kanadische Provinz. Wir haben immer noch die gleiche Uhrzeit wie in der Provinz Saskatchewan, also -8 Stunden zur Schweiz und müssen die Uhren bei diesem Provinzübertritt nicht verstellen.

Bei Alberta denke ich zuerst an hohe, verschneite Berge und Heliskiing, tatsächlich ist aber ein grosser Teil der Landschaft Prärie und wie in Saskatchewan gibt es hier wieder kilometerlange Felder, wir sehen vorallem Weizen und Raps. Und was aus unserer Sicht neben der Grösse auch noch speziell ist: Wir bewegen uns auf Höhen zwischen 750 und 1’200müM, also ähnlich wie in der Schweiz der Jura, aber dort wird kaum Getreide oder Raps angebaut, da gibt es fast nur Viehwirtschaft.

Weiter sehen wir hier wieder unzählige Erdöl-Förderpumpen und auch viele Gasförderstellen, bei diesen schauen jeweils nur ein paar Röhren nach oben. Während hier neben den meisten Erdölpumpen Öltanks stehen, die regelmässig von Tanklastwagen geleert werden, scheinen die Gasfelder mit Leitungen verbunden zu sein, denn überall sieht man Warnschilder vor unterirdischen Gas-Pipelines.

Auch hier entdecken wir während unserer Fahrt immer wieder wilde Tiere, vorallem wieder Antilopen und die den Rehen ähnelnden Deers, einmal läuft gerade ein Kojote über die Strasse, schaut, hält immer wieder und schaut Jupi an. Ob er ihm gefällt?
Einmal versperrt uns eine Herde Kühe die Weiterfahrt…

Da wir uns hauptsächlich auf Nebenstrassen bewegen, sehen wir immer wieder gelbe Schilder mit der Bezeichnung Texas-Gate. Was dieses Tor nach Texas wohl bedeutet?

Dinosaurier Provinz-Park

Mitten in den Badlands wurden schon von den Ureinwohnern Nordamerikas (First Nations) uralte versteinerte Knochen gefunden. Sie gingen davon aus, dass es sich um die direkten Vorfahren der riesigen Bison-Herden handelte und deshalb wurden diese Relikte spirituell verwendet und verehrt. Als im 19. Jahrhundert europäische Geologen dieses Gebiet auf das Vorhandensein von Öl untersuchten und dabei unzählige dieser versteinerten Knochen und Skelette entdeckten war ihnen rasch klar, dass es sich um versteinerte Dinosaurier handeln musste. Es entstand bald ein regelrechtes Rennen der europäischen Museen, wer die grössten und vollständigsten Skelette dieser Spezies ausstellen konnte. An keinem Ort der Erde wurden auf so einer kleinen Fläche so viele versteinerte Knochen und Skelette von Dinosaurier gefunden, hier meist um die 75 Millionen Jahre alt. Und viele warten noch auf die Ausgrabung.

Heute liegt hier der Dinosaurier Provinz-Park und natürlich ist alles geschützt, man darf ohne Bewilligung keine Knochen oder Steine hinaustragen. Diese Landschaft mit den teils pyramidenförmigen Bergen, oft mit einem Hut aus hartem, eisenhaltigen Gestein versehen, fasziniert uns sehr und wir verbringen drei Tage darin. In einem Bereich darf man sich frei bewegen, also auch auf die Berge kraxeln, sonst nur auf definierten Wanderwegen. Der grösste Teil des Parks ist aber für die Öffentlichkeit gesperrt und nur im Rahmen von Führungen begehbar. Hier wird noch aktiv geforscht und ausgegraben.
Der Park ist auch ein Dark-Sky Preserve, d.h. hier wird wieder die Dunkelheit geschützt. Leider ist aber in den beiden Nächten der Himmel nicht klar, so können wir hier keine Nachtaufnahmen machen. Dafür hat es aber ziemlich Mücken, der Spray ist Pflicht, ausser es windet gerade.

Unser Höhepunkt ist eine dreistündige Führung, die wir mit der jungen Rangerin Emma im gesperrten Gebiet unternehmen können. Sie erklärt, wie die Dinosaurier hier im Flusssand gelebt haben und gestorben sein könnten, dann rasch vom Sand zugedeckt wurden und sich die Hohlräume der Knochen langsam mit Mineralien füllten und so das Skelett versteinerte. Vom ursprünglichen Knochen sei praktisch nichts mehr vorhanden. Der die Knochen umschliessende Sand wurde dabei zu Sandstein gepresst und so konnte der ganze Versteinerungsprozess über die Jahrmillionen geschützt werden, welch ein Glück für uns heute. Die letzte Eiszeit endete hier vor rund 10’000 Jahren und es entstanden neue Flüsse. Diese sowie auch Regen und Luft verursachen nun eine Erosion am Sandstein, welche die Knochen und Skelette langsam wieder an die Oberfläche bringen. An mehreren Orten sehen wir Knochenteile aus dem Sandstein ragen, irgendwie surreal. Diese Teile wurden noch nicht ausgegraben oder man ist gerade daran, einmalig dieser Einblick.
Merci Emma für die geniale Führung, ein Höhepunkt unserer bisherigen Nordamerikareise.

Brot und die vielen Verstecke in Jupi

Bis und mit Manitoba haben wir eigentlich meistens in irgend einem Geschäft gutes Brot gefunden, seit Saskatchewan war es aber unmöglich, Brot mit einer harten Kruste zu kaufen. Es gibt nur noch das superweiche Toastbrot, das mit zwei Fingern auf null Millimeter zusammendrückbar ist und beim Bestreichen mit Butter gleich auseinander fällt oder ein Loch kriegt. Aber wir haben ja einen eigenen Backofen in Jupi: Meist brauchen wir ihn für Ofentortillas, Wähen, Gratins, Aufläufe und dergleichen, jetzt erstmals in Kanada auch für Brot. Dunkles Vollkorn-Mehl haben wir schon gekauft, Hefe noch aus der Schweiz mitgenommen, eigentlich mitgeschmuggelt, denn gemäss Reederei durften wir ja keine Lebensmittel mitverschiffen… Nur: Wo haben wir die Hefe versteckt? Es dauert mehrere Tage bis uns das Versteck wieder einfällt, wir ganz Jupi durchsuchen und sie dann endlich im Alkoven, eingewickelt in der vakuumverpackten Winter-Bettwäsche wieder finden…
Dazwischen haben wir unsere ersten zwei Brote mit kanadischer Hefe gebacken, auch damit klappte es problemlos.

Writing-on-Stone Provinz Park

Diesen nur etwa 18 km2 grosse Park besuchen wir auf Empfehlung einer Verkäuferin in Saskatchewan, die von diesem Ort schwärmte. «Die Landschaft dort ist einmalig», erzählte sie.

Der Park liegt in der Nähe der US-Grenze, mitten in der Prärie und wird von Fluss Milk River durchschnitten. Der Name Milch-Fluss stammt von der Farbe, die aussieht wie milchverdünnter Tee, also hellbraun. Diese Farbe rührt daher, dass er sich tief in die aus Sandstein bestehende Prärie eingeschnitten hat und dabei wieder ein Badland (Ödland) hinterlassen hat, mit vielen kleinen Pfeilern und obendrauf Deckeln.

Uns fasziniert vorallem die Landschaft und wir versuchen, die Pfeiler auch in der Nacht vor der Milchstrasse aufzunehmen. Wir suchten uns dazu am Tage mehrere Positionen aus, markierten diese in unserer LocusApp und steuerten sie dann in der Nacht wieder an, was nicht ganz einfach war. Wir waren auf jeden Fall mehrere Stunden unterwegs für die schlussendlich zwei Bilder…
Bei den grünen Schleiern handelt es sich um sog. Airglow, das ist ein Himmelsleuchten welches die ähnlichen Grundlagen wie das weiter nördlich sichtbare Polarlicht hat und nur bei ganz dunklem Himmel sichtbar ist, genial, das sehen wir zum ersten Mal in unserem Leben.
Schön war, als einmal ganz in der Nähe ein Kojote heulte.

Trotz öder Landschaft hören wir hier überall Singvögel und bei genauerem Hinschauen können wir sie auch entdecken. Die roten Beeren ziehen viele Drosseln an, doch es hat auch wieder die kleinen gelben Goldwaldsänger und Bettina erwischt einen Zedern-Seidenschwanz, als dieser gerade eine Spinne fängt.

Und das ganz spezielle ist, dass hier die Ureinwohner, die Blackfoot-Indianer und ihre Vorfahren, Felszeichnungen eingeritzt haben, deshalb auch der Name Writing-on-Stone, d.h. auf Stein schreiben. Allerdings darf man diese maximal 3’000 Jahre alten Ritzereien nicht mit den 20’000 Jahre alten Höhlenmalereien in Frankreich vergleichen. Die Künstler in Frankreich erstellten in den Höhlen mehrfarbige Kunstwerke, die vor der Witterung geschützt noch in einem guten Zustand sind während es sich hier um einfache Ritzereien handelt, die ständig dem Wetter ausgesetzt waren und sind. Die First Nations wollen aber nicht, dass man diese Werke hier irgendwie vor den Umwelteinflüssen schützt, sie sollen vergehen, wenn die Natur es so will. Die meisten gut sichtbaren Werke sind «nur» einige hundert Jahre alt und es gibt auch viele Ritzereien von den europäischen Einwanderern. Alles was vor 1957 geritzt wurde (Gründungsjahr des Provinzparkes), gilt als schützenswert, alles danach sind Verschandelungen, so erklärte es uns eine Rangerin auf einer Führung durch die Ritzereien.

Felsige Berge

Wir verlassen den Park nach drei spannenden Tagen. Bereits im Writing-On-Stone Provinz-Park konnten wir bei gutem Wetter ganz schwach höhere Berge im Westen sehen, jetzt auf der Weiterfahrt Richtung Westen werden sie immer klarer und höher: Vor uns liegen die Rocky Mountains, auch so ein Sehnsuchtsziel in Nordamerika. Je nach Definition ist dieses Faltengebirge zwischen 3 und 5’000 km lang, reicht vom Süden der USA über Kanada und je nach Definition bis nach Alaska oder nicht ganz.
Weder der höchste Gipfel Nordamerikas (Denali/Mt McKinley 6190m) noch der höchste Gipfel Kanadas (Mt Logan 5’959m) gehören aber zu den Rocky Mountains. Der höchste Berg der Rockies ist der 4401 m hohe Mount Elbert in Colorado/USA. Die Alpen sind mit 1’200 km zwar einiges kürzer als die Rockies, die 15 höchsten Gipfel der Alpen sind aber allesamt höher als der Mount Elbert. Vom Alter her sind beide Gebirgszüge etwa gleich jung, d.h. 30 – 40 Millionen Jahre…

Wir haben jetzt Hochsaison und sehr viele Leute aus dem In- und Ausland sind im Südwesten Kanadas unterwegs. Um die Rocky Mountains etwas zu erkunden wählen wir deshalb einen Ort, der gemäss unserem Reiseführer noch nicht so überlaufen ist.

Waterton Lakes National Park

Dieser 525 km2 grosse Nationalpark in der kanadischen Provinz Alberta ist die nördliche Fortsetzung des Glacier Nationalparks der USA. Wir sind unsicher, ob wir einen Platz auf dem Campingplatz in Waterton-City im Park kriegen werden, wild campen ist hier in der Region natürlich überall verboten. Aus Erfahrung wissen wir in der Zwischenzeit, dass am Morgen die Chancen für einen Platz am besten sind und sind deshalb bereits kurz nach 9 Uhr vor Ort. Bei der Rezeption teilt uns die freundliche junge Frau mit, dass ev. ein Platz frei wird, wir aber bis 11 Uhr warten müssten. Ok, wir scheinen die ersten Anwärter auf diesen Platz zu sein. Ich frage noch, um welchen Platz es sich handelt und gehe nachschauen, während Bettina bei der Anmeldung bleibt, damit wir weiterhin die ersten bleiben. Jupi, der Platz ist bereits leer und ich teile das der Rezeptionistin mit. Sie meint, sie müsse trotzdem bis 11 Uhr warten… Ich gehe dann in unseren Jupi und bereite das Frühstück vor, während Bettina bei der Anmeldung wartet. Überraschend schnell kommt sie aber zurück und erzählt, dass wir einen Platz hätten, ein anderer sei frei geworden. Wau, manchmal muss man einfach Glück haben (und etwas beharrlich sein)…

Zu unserer Überraschung hat es hier sehr viele Wohnmobile, vorallem Kastenwagen vom Typ Fiat Ducato resp. hier als Dodge RAM verkauft. Aber wir sehen auch einige Mercedes Sprinter und Ford-Transit Kastenwagen sowie natürlich eine Menge der riesigen Miet-Wohnmobile sowie noch ein paar Unikate.

Wir haben diesen Nationalpark nicht nur ausgewählt, weil er nicht so überlaufen sein soll, sondern auch weil 2017 hier ein grosser Waldbrand nach einem Blitzschlag je nach Quelle 40 – 70% des ganzen Baumbestandes zerstörte. In unserem Reiseführer wurde deshalb eher skeptisch darüber geschrieben, doch wir wollten sehen, wie weit die Natur fünf Jahre danach ist. Wir finden es interessant, die abgebrannten Bäume anzuschauen, riesige Flächen. Manchmal sind die Bäume noch ganz schwarz und verkohlt und manchmal sind sie ganz weiss, weil die Rinde abgefallen ist, sehen auf den ersten Blick fast wie Birken aus. Einige wenige Male sehen wir auch nur noch die Rinde stehen und der innere Teil des Baumes fehlt.

Kommt ihr aus Frankreich?

Hier im Westen Kanadas kommt man rasch mit den Leuten ins Gespräch. Wir werden immer wieder angesprochen, man zeigt auf Jupi und fragt uns, ob wir aus Frankreich kommen. Wir fragen: «Warum Frankreich?» «Weil auf eurem Nummernschild FR steht», lautet dann immer die Antwort. Nun, ganz Europa, vom Westen bis Osten, also Irland, Grossbritannien bis Russland und vom Norden bis Süden, also Island, Norwegen bis Italien und Malta haben auf dem Nummernschild die Kürzel ihres Landes drauf, nur die Schweiz weicht in Europa von dieser Regel ab. Da hier in Kanada alle Fahrzeuge vorne nur Fantasie-Schilder haben, überlegen wir uns gerade, ob wir ein neues vorderes Nummernschild kreieren sollten…

Bär 10

Es soll auch Schwarz- und Grizzly-Bären im Park haben und die Mitnahme eines Bärensprays auf Wanderungen wird dringend empfohlen. Mit einem solchen Spray muss man sich übrigens nicht wie mit einen Mückenspray selber einsprühen, sondern man verwendet ihn beim Angriff eines Bären als Verteidigungs-Waffe und sprüht ihm damit in die Augen, also wie bei einem Pfeffer-Spray, wo man auf den Angreifer oder die Angreiferin sprüht. Wir kaufen uns im Supermarkt so ein Ding und erhalten auch eine kurze Einführung, man soll unter anderem nicht gegen den Wind sprühen…

Neben kurzen Spaziergängen von einigen Kilometern unternehmen wir zwei je etwa 19 km lange Tageswanderungen. Die erste Tages-Wanderung ist der Carthew-Aldersan Trail. Wir nehmen dazu den 7:30 Uhr Shuttle-Bus, der uns an den Startpunkt fährt und wandern dann in etwa 6 Stunden die knapp 19km zu unserem Zeltplatz zurück. Am Startpunkt wird noch vor Bären gewarnt, neben uns wandern nur noch zwei jüngere deutsche Frauen um diese Zeit los. Es hat noch ein junges kanadisches Pärchen im Bus, doch die wollen den ganzen Weg rennen (Trailrunning). Bettina posiert vor dem Start noch vor einem roten Bären für ein Foto, dann wandern wir mit den beiden deutschen Ladies los.

Bereits nach 400 m rufe ich: «Stopp, da vorne ist ein Bär.» Ein brauner Schwarzbär steht auf dem Weg, ist am Gras fressen und hat uns scheinbar noch gar nicht gesehen. Erst jetzt schaut er zu uns, kommt etwas auf uns zu, frisst aber bald wieder Gras. Wir gehen etwas rückwärts und machen, wie empfohlen, Lärm und reden auf den Bären ein – und fotografieren natürlich was das Zeugs hält, obwohl es sehr dunkel ist. Der Bär bleibt auf dem Wanderweg und frisst sich gemächlich nach vorn, wir langsam und in sicherem Abstand hinten nach. Nach etwa einer Viertelstunden springt er dann in den Wald und war nicht mehr gesehen. Uff, unser Puls ist dabei schon etwas nach oben gegangen, aber die Situation war eigentlich zu jedem Zeitpunkt unkritisch. Auf den Fotos entdecken wir dann, dass er am Ohr eine Markierung trug, wir sahen die 10.

Wir gehen weiter und machen Lärm, d.h. klatschen in die Hände und reden laut, so dass der Bär uns hören kann und nicht plötzlich in uns hinein läuft. «Dank» dem abgebrannten Wald haben wir eine gute Sicht, sehen zwischen den kahlen Stämmen hindurch auf die andere Talseite. Am Boden blühen teilweise Blumen und es hat viel Gras. Neue Bäume sehen wir erst selten, gemäss der Shuttle-Busfahrerin geht es 50 – 80 Jahre, bis der Wald vollständig ersetzt ist. «Dafür hat es jetzt viel mehr Blumen als sonst, insbesondere dieses Jahr gibt es viel mehr Bärengras, wahrscheinlich weil die Sonne jetzt besser an den Boden kommt», erzählt sie uns. In Wikipedia lesen wir noch, dass das Bärengras oft die erste blühende Blume nach einem Waldbrand ist, da ein wichtiger Teil der Wurzel die Hitze überlebt.

Wie erwartet gleicht die Landschaft schon etwas den Alpen, aber diese felsigen Berge (Rocky Mountain) gefallen uns. Für den Juli hat es noch erstaunlich viel Schnee und wir müssen beim Aufstieg auf knapp 2’500 müM mehrere Schneefelder überqueren, auch beim Abstieg hat es mehrmals Schneefelder, zwar kürzer aber dafür steiler. Aber es geht und ist nicht gefährlich, man braucht keine Steigeisen oder so.

Zwei Tage später starten wir zur zweiten Wanderung, dem Crypt-Lake Trail. Mit diesem wird viel Werbung gemacht, er soll auf einer Wertung der Zeitschrift National Geographic zu den Top 20 der «abenteuerlichen Wanderungen» gehören. Ich muss allerdings mehrere Stunden suchen, bis ich im Internet diese Liste finde, die zudem auch nicht mehr aktuell zu sein scheint…

Die Wanderung ist abwechslungsreich, so muss man zuerst mit dem Boot über den See an den Startpunkt fahren. Die ersten Kilometer führen allerdings durch Wald, diesmal aber grün und nicht abgebrannt, deshalb sieht man auch nicht so viel. Nach etwa 7.5 km gibt es dann eine Art Klettersteig sowie einen kaum mehr als ein Meter hohen Tunnel. Aber die Juroren von National Geographic müssten mal in die Schweiz kommen, dort gibt es unserer Meinung nach schönere Klettersteige, z.Bsp. in Kandersteg…

Mondscheinfotografie

Und zum z’Nacht wird wie so oft auf den Park-Campingplätzen der Grill angeworfen. In der Nacht stehen wir wieder einmal auf, um ein paar Nachtbilder zu machen. Da der Mond fast voll ist, gibt es Mondscheinfotografie, d.h. der Mond beleuchtet die Landschaft.

Bison

Auch hier zogen früher Millionen von Bisons durch. Doch die europäischen Einwanderer dezimierten diese Tiere mit ihren Schusswaffen gnadenlos. Ironie des Schicksals: Man brauchte am Anfang vorallem das Phosphor der Bison-Knochen für die Herstellung von Schiesspulver. Am Anfang des 20. Jh. lebten nur noch etwa 6’000 Tiere, die Ureinwohner, hier die Blackfoot-Indianer, waren des Hauptbestandteils ihres Lebens beraubt. Dank verschiedenen Aufzuchtprogrammen gibt es heute wieder rund 200’000 Bisons in Nordamerika, auch hier im Park leben 8 Stück.

Defekte und Problemlösungen an Jupi

In einem früheren Beitrag habe ich bereits erwähnt, dass die Magnete an den Aussendeckeln des Stromanschlusses sowie der Gasklappe durchgerostet sind und nicht mehr halten. Bettina hat nun neue Magnete angeklebt und diese so mit Leim abgedeckt, dass sie vor Regen geschützt sind. Weiter gab die Lampe im Bad den Geist auf. Leider haben wir bis jetzt keinen Ersatz für diese 12V-Röhrenlampe von Philips gefunden, deshalb haben wir eine batteriebetriebene LED-Lampe mit Klett daneben montiert.

Unsere Route

Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».

Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/

Das könnte Dich auch interessieren...

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.