Am Fuss der spanischen Pyrenäen

Felsen von Riglos

Vom Naturpark Bardenas Reales fuhren wir weiter den Pyrenäen entlang Richtung Ostsüdost. Unser nächstes Ziel hiess Riglos, wo es eindrückliche freistehende, rote Felsen gibt und auch wieder Geier. Die Gegend wird vorallem als Paradies für Kletterer beworben, aber auch zur Beobachtung der hier brütenden Geier, wobei die diesjährige Brutsaison natürlich bereits beendet ist.

Wir brauchten noch frisches Brot, doch in den kleinen Ortschaften entlang unserer Route herrschte von 14 – 18:00 Uhr Siesta, alle Läden geschlossen. So gab es zum Z’Vieri nur Brotersatz in Form von Blévita, hm. Ebenfalls mussten wir noch den Frischwassertank auffüllen sowie den Grauwassertank leeren. Während ersteres in den letzten Tagen nie ein Problem war, es gab überall Wasserstellen, ist das korrekte Entsorgen vom Grauwasser nicht ganz einfach. Wir fuhren deshalb in eine Self-Service Waschanlage und leerten dort unsere 80 Liter Abwasch- und Duschwasser in den grossen Ablauf hinein.
Danach ging es hinauf nach Riglos, wo die Gemeinde für die Camper zwei Gratisstellplätze zur Verfügung stellt, aber auch klar definiert, wo wir Camper nicht stehen resp. übernachten dürfen. An unserem Stellplatz über der Gemeinde gab es sogar frisches Quellwasser, so dass wir all unsere leeren Mineralflaschen damit füllten. Es schmeckte bestens. Wir kamen am Freitagabend an und waren die dritten auf dem Stellplatz, der sich aber bis um 23 Uhr komplett füllte, alles jüngere Kletterinnen und Kletterer. Wir waren mit unserem 6.19m langen Bimobil EX366 für einmal die grössten, die meisten sonst hatten umgebaute VW- oder Renault-Transporter, wenige auch Fiat-Ducato Kastenwagen. Den übrigen normalen Campern («Weissware») schien die Anfahrt zu steil zu sein und sie parkten auf dem tiefer liegenden Stellplatz.
Am Abend ging die Sonne rot leuchtend im Westen unter, eine fantastische Szenerie.
(wie immer: Bild anklicken, damit es grösser und schärfer wird)

Frisches Brot und Kletterer

Am nächsten Tag wollten wir eine Wanderung zu diesen Kletterfelsen und darum herum unternehmen. Den Track dazu fanden wir wieder auf der Webseite/App von Wikiloc, das ich ja bereits im letzten Beitrag beschrieb. Der Track liess sich problemlos ins Locus Map (Android) resp. Pocket Earth (iOS) importieren. Doch vor dem Losmarschieren wollten wir noch frisches Brot kaufen, hatten wir doch gestern Abend hier in Riglos noch einen Laden entdeckt, er war allerdings geschlossen und es fanden sich keine Öffnungszeiten. Wir gingen davon aus, dass er bei diesen vielen Leuten am Samstagmorgen offen sei, doch zu unserer Enttäuschung war er geschlossen. Es war also ein Fehler, dass wir nicht noch selbst Brot gebacken hatten, falsch gepokert. So fuhren wir ins 13km entfernte Ayerbe runter und kauften dort genügend Brot für die nächsten Tage.
Es war eindrücklich zu sehen, wie die Kletterinnen und Kletterer mit ihren feinen Kletterfinken an diesen mehrere hundert Meter hohen senkrechten oder sogar überhängenden Felswänden herumkletterten. Natürlich versuchte ich es auch, kam aber nicht sehr weit. Es muss an den Schuhen gelegen haben…

Unterwegs, Zwischenverpflegung direkt ab Pflanze

Der Wanderweg war an diesem sonnigen Samstagmorgen mit sehr vielen Leuten befüllt, scheinbar ist dies eine sehr beliebte Route. Erst als wir weiter oben den Abzweiger für die grössere Rundwanderung nahmen, waren wir fast alleine unterwegs. Immer wieder hatte es Brombeersträuche mit reifen Früchten und mit der Zeit hatten wir es raus, welche uns am besten schmeckten: Die Beeren mit den grössten kleinen Einzelbeeren. Aus Wikipedia erfahren wir allerdings, dass die Brombeere botanisch gesehen gar keine Beere ist sondern eine Sammelsteinfrucht, d.h. eine Ansammlung von kleinsten Steinfrüchten, denn jede dieser Mini-Einzelbeeren hat den gleichen Aufbau wie z.Bsp. eine Kirsche, d.h. dünne Haut, Fruchtfleisch und ein Steinchen… Auf jeden Fall pflückten wir mehrere Handvoll von diesen uns mundenden Früchten.
Was wir auch mehrmals sahen waren Stauden mit reifen Hagenbuttenfrüchten, die aber auch ein paar undefinierbare rot-orange-gelbe Knäuel hatten. Keine Ahnung, was für ein Schmarotzer sich hier zu schaffen macht, aber optisch sah es sehr schön aus.

Wo sind die Geier?

Geier sahen wir zwar viele, aber nicht wirklich in Fotodistanz. Wegen den vielen Leuten und wohl auch der guten Thermik sahen wir sie nirgends wirklich nahe auf einem Felsen sitzen und auf Aufwind warten. In einer Felswand mit vielen weissen Flecken konnten wir einen Unterstand entdecken, wo sie immer mal wieder hinflogen. Am interessantesten war es, als gegen Abend einige Hängegleiter in der Nähe der Wand flogen und plötzlich von überall Geier wegflogen. Wir schätzten, dass wohl gegen 200 Stück in der Luft kreisten, was sehr eindrücklich aussah.

Wanderung mit Schlucht und Stausee

Am Sonntag unternahmen wir nochmals eine Wanderung, diesmal rund 18km lang. Wieder ist der GPX-Track aus Wikiloc zusammen mit der Navigations-App auf dem Smartphone sehr hilfreich, finden wir doch in dem Gewirr von Wegen immer den richtigen. In der App Locus Map können wir auch jederzeit das Höhenprofil anschauen (nur Bezahl-Version). Wir starteten am Morgen etwas früher, die Geier waren aber trotzdem alle bereits wieder in der Luft. Der erste Teil des Aufstieges dieser Wanderung ist gleich wie gestern, doch um diese Uhrzeit waren erst wenige Leute unterwegs und auf dem zweiten Teil trafen wir sogar gar niemanden an. Die Route war wunderschön, diesmal mit ganz andern Bergen sowie mehr Bäumen, grüner alles. Immer mal ging es durch Pflanzen-Tunnels, d.h. Pflanzen rundherum. An einem Ort muss wohl vor einigen Jahren ein Waldbrand gewesen sein, sahen wir doch mehrere abgestorbene Bäume.
Einer der Höhepunkte war die Durchwanderung der schmalen Schlucht «Foz de Escalate» über eine hohe Steinbrücke, wobei am besten sieht es aus aus Vogelperspektive aus, d.h. hier kam unsere Drohne wieder zum Einsatz. Danach liefen wir einem Stausee entlang und waren erstaunt, wieviel Wasser da einfach «unverstromt» rausgelassen wird. Der See dient wohl hauptsächlich als Wasserspeicher für die Landwirtschaft. Eine Druckwasserleitung sahen wir dann doch noch, sie führt durch den Berg, bevor sie runter in ein Kraftwerk gelangt.

Jupi darf wieder Offroad

Aus unserem Büchlein «Pisten-Truck Spanien Offroadstrecken» vom MDMOT-Verlag wollten wir heute eine oder zwei einfache Routen abfahren. Zu unserer Überraschung war aber die erste Route sehr ausgewaschen und an dieser Stelle auch recht steil, so dass wir das volle Register unseres Bimobil EX366 resp. des Mercedes Sprinters zogen: Luftdruck reduzieren, 4×4 aktivieren sowie Getriebeuntersetzung einlegen. Damit kamen wir problemlos diese Steigung hoch. Später fehlte dann der im Track eingezeichnete Abzweiger und es ging nochmals einige hundert Meter durch mit hohem Gras zugewachsene und ausgelaugte Feldwege. Da schlug doch unser Offroad-Herz wieder höher. Am Schluss gab es eine Stärkung bei einer alten Brunnenanlage, die gemäss unserem Büchlein schon zu Römerzeiten errichtet worden war.

Leider ist für die nächsten paar Tage Regen angesagt, so dass das Befahren von weiteren Offroadstrecken in dieser spannenden Region etwas warten muss. Heute Morgen ging ich z.Bsp. eine Runde die Pyrenäen hoch joggen und entdeckte dabei wieder eine spannenden Route…

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