Arizona – Kakteen und Sternenhimmel

10. November – 2. Dezember 2022

Flagge von Arizona

Schon seit Jahren träumen Bettina und ich, die kalte Jahreszeit einmal im Südwesten der USA, insbesondere Arizona, zu verbringen. Nicht nur wegen den angenehmen Temperaturen und vielen Sonnentagen, sondern auch weil hier der Himmel so dunkel sein soll. Nun können wir diesen Traum in die Tat umsetzen.

Der amerikanische Bundesstaat Arizona hat eine Fläche von knapp 300’000 km2 und etwas mehr als 7 Millionen Einwohner, d.h. ist fast so gross wie Polen oder Deutschland, hat aber weniger Einwohner als die kleine Schweiz. Da sollten wir ab und zu ein Plätzchen für uns alleine finden.

Geocache

Wir stehen etwas nordwestlich der Stadt Tucson. Bettina installiert sich eine App um Geo-Caches in der Umgebung zu lokalisieren, auf deutsch auch als GPS-Schnitzeljagd oder GPS-Schatzsuche bezeichnet. Der Schatz ist jeweils in einem in der Grösse variierenden wasserdichten Behälter eingepackt, manchmal unter Steinblöcken versteckt, manchmal hängt er auch fast unsichtbar an einem Baum. Es handelt sich dabei um einen Tausch, d.h. man nimmt sich ein Objekt (Schatz) aus dem Behälter heraus und gibt wieder etwas hinein…
Auf jeden Fall entdecken wir, dass es ganz in der Nähe von unserem Übernachtungsplatz zwei solche Verstecke gibt, die wir nun suchen gehen.
(wie immer: auf Bild klicken, damit es im richtigen Format und in hoher Qualität erscheint)

Gemäss Wikipedia gibt es heute weltweit über 3 Millionen Verstecke mit Geocaches, allein in den USA soll es rund 1 Million geben, in der Schweiz aber auch schon über 38’000, nicht schlecht.

Günstiger Diesel

Nach einigen Tagen ausplempern im sonnigen Wetter von Arizona machen wir uns am Samstag auf den Weg zum Saguaro National Park. Davor gehen wir noch einkaufen und tanken an einer Tankstelle Diesel sowie Wasser. Entweder sind die Dieselpreise in den letzten Tagen so stark gefallen oder hier ist es wirklich sehr günstig: Wir bezahlen für die Gallone klar unter fünf Dollar, für den Liter umgerechnet CHF 1.27, so wenig wie noch nie auf dieser Reise.

Saguaro National Park und Sabino Canyon

Eines der grossen Highlights für uns in Arizona sind die riesigen Saguaro-Kakteen. Wir fahren zuerst das Visitor-Center im westlichen Teil des Saguaro National Parks an und fragen nach Tageswanderungen und wo man gut Tiere sehen kann. Das Visitor-Center ist nicht sehr gross, aber wir bekommen eine Beratung bezüglich Wanderungen, man empfiehlt uns auch noch den Sabino Canyon zu besuchen, etwas nördlich von hier. Auch kaufen wir ein Büchlein über Arizona mit schönen Auto-Routen und dazugehörigen Wanderungen (Arizona’s Scenic Roads & Hikes von Roger Naylor).
Beim Visitor-Center gibt es auch eine Wasserabfüllstelle für Trinkwasser, wo wir unsere 6 Wasserkanister mit wertigem Trinkwasser (gratis) auffüllen können.

Danach unternehmen wir kurze Wanderungen um das Visitor-Center und fahren eine erste Auto-Route im Park ab, wo wir viele wunderschöne, riesige Saguaro-Kakteen sehen. Im Visitor-Center lernten wir übrigens, dass die seitlichen Äste als Arme bezeichnet werden und Saguaros mit mehreren Armen meist über 150 Jahre alt sind.

Wir sehen auch einige abgestorbene oder sogar tote Exemplare und entdecken, dass der Stamm unter der grünen Rinde ein Holz ist.

Neben Kakteen sehen wir an einem Ort auch einige Felszeichnungen, die noch recht gut erhalten sind:

Wir übernachten am Rande des National Parkes neben einem Flugplatz für Ultraleicht-Flieger und stehen am nächsten Morgen rechtzeitig auf, wollen wir doch eine etwas längere Wanderung unternehmen. Die Temperaturen sollen auf rund 25°C steigen, deshalb nehmen wir genügend Getränke mit. Auf dem Parkplatz beim Startpunkt unserer Wanderung stehen bereits mehrere Fahrzeuge.

Die Wanderung auf den 1414 Meter hohen Wassen-Peak ist wunderschön, wir haben perfektes Wetter. Und uns begegnen neben vielen sehr freundlichen amerikanischen Wanderern auch viel Natur: So steht plötzlich eine Wüstenschildkröte auf dem Weg und etwas später huscht eine Sonora-Halsbandeidechse über den Weg, dann immer wieder Miniatur-Ausgaben davon.

Zu unserer Überraschung sehen wir hier und auch später im Sabino Canyon mehrere Saguaros mit blühenden Blumen, obwohl diese Gewächse eigentlich erst vom April an und hauptsächlich in der Nacht blühen sollten – ob das «queere» Kakteen sind? Weiter begegnen uns noch Rehe und am Schluss zwei wunderschöne Vögel. Wau, was für ein genialer Tag.

Im Sabino Canyon entdecken wir zwei Tage später nicht viel neues, ausser dass hier die Saguaros bis auf über 1’100 müM hoch wachsen. Warum dieses Tal ein Canyon (Schlucht) sein soll, ist für uns nicht klar, da müsste in der Schweiz jedes zweite Bergtal so bezeichnet werden. Für uns ist dies ein normales, schmales V-Tal.

Aber die Wanderung ist schön, zuerst fahren wir mit einem Shuttle bis nach hinten und marschieren dann entlang der Bergflanke wieder ins Tal runter. Wir sehen dabei einmal mehr viele Heugümper resp. «Heuflieger».

Pima Air & Space Museum

Nach so viel Natur brauchen wir wieder etwas Technik. In der Sonora-Wüste von Arizona gibt es mehrere Flughäfen, die vorallem als Abstellplatz für nicht (mehr) benötigte Flugzeuge dienen. Vorallem in der Corona-Zeit wurden ja viele Passagier-Flieger nicht benötigt und deshalb hier eingemottet. In Tucson gibt es auch einen Flugplatz, auf dem ausgemusterte Militärflugzeuge stehen, die Davis-Monthan Air Force Base. Von aussen sehen wir vorallem viele ausrangierte Transportflugzeuge, primär viermotorige Lockheed Hercules C-130. Diese sehen wir aber auch in der Luft, zusammen mit Fairchild A-10, von den Piloten Warzenschwein genannt, aber auch als Panzerknacker bezeichnet, weil dies das primäre Ziel dieser Flugzeuge ist.

Leider kann man all diese Flugplätze im Moment nicht besichtigen. Gleich neben der Davis-Monthan Air Force Base gibt es aber das Pima Air und Space Museum, auf dem ebenfalls viele ehemalige Militärflugzeuge zu sehen sind. Wir kaufen uns gleich einen zwei-Tages Eintritt, den zweiten Tag kann man innerhalb von 6 Monaten beziehen, also nicht sofort am nächsten Tag.

Auf dem grossen Parkplatz sind wir das einzige Fahrzeug und frühstücken zuerst. Plötzlich sehen wir, dass der Verkehr auf dem nebenan liegenden Highway gestoppt wird und ein neues Ausstellungsstück über die Strasse gezogen wird, direkt an Jupi vorbei – manchmal hat man Glück.

Im Museum sind wir überrascht, wie gut die Flugzeuge in Schuss gehalten werden, da glänzt alles auf Hochglanz. Vom ersten Motor-Flugzeug der Gebrüder Wright bis zum schnellsten Jet, der SR-71, ist in den Hallen ein breites Spektrum zu sehen. Draussen sieht man dann den Fliegern die starke Sonnenstrahlung schon an.
Dort entdecken wir unter den vielen Exponaten auch zwei Flugzeuge mit Schweizer Kennzeichen: Ein Hunter der Schweizer Luftwaffe sowie eine Transportflugzeug der ehemaligen Balair, welche dieses im Auftrag des Roten Kreuzes flog.

Besuch vom Mount Lemmon Observatorium

In der Region um Tucson gibt es mehrere Berge, auf denen bekannte Observatorien stehen: Kitt Peak, Mount Hopkins, Mount Graham, Mount Lemmon. Wegen Corona oder Waldbränden bietet derzeit nur dasjenige auf dem Mount Lemmon Anlässe für Besucher an, was wir uns natürlich nicht entgehen lassen und deshalb einen Abend auf dem fast 3’000 Meter über Meer stehenden Observatorium buchen. Der Anlass beginnt zwei Stunden vor Sonnenuntergang mit einer Einführung, Videos sowie einem Snack und dauert bis drei Stunden nach Sonnenuntergang. Schon die Fahrt auf den Berg ist wunderschön und gefällt uns sehr. Interessant ist, dass es erst ab einer Höhe von etwa 2’000 Meter Bäume gibt, davor wachsen «nur» Saguaro-Kakteen und es hat viele freistehende Felsblöcke mit interessanten Formen.

Obwohl wir einen gewöhnlichen Mittwoch haben, ist der Anlass voll gebucht, mit über 25 Personen doch recht viele Leute, die jeweils durch das Teleskop gucken wollen. Aber vielleicht hat es auch so viele Leute, weil all die andern Observatorien aktuell für Besucher geschlossen sind. Es gibt zwei Führer, so läuft auch in den «Pausen» immer etwas. Wir finden es äusserst interessant, Theorie und Praxis.
Etwas enttäuscht sind wir allerdings von der Dunkelheit des Sternenhimmels: Mit Tucson im Süden hat man einen riesigen Lichtkegel vor Augen, der suboptimal ist und am Sternenhimmel liegen nun mal die meisten interessanten Objekte Richtung Süden. Aber dies ist Kritik auf hohem Niveau, denn für diesen Anlass ist es längstens dunkel genug.

Nach Ende der Besuchervorführung stehen die Teleskope nicht arbeitslos herum, sondern können gemietet und aus der Ferne gesteuert werden. Eine Nacht kostet je nach Mondphase $100 – $400.–. Viele Amateur-Astronomen aus der ganzen Welt nutzen das Angebot, um mit diesen Geräten Fotos zu schiessen.
Die professionellen Observatorien auf dem Berg gehören verschiedenen Universitäten der USA und Südkoreas, aber auch der NASA. Mit ihren Catalina-Teleskopen sucht die NASA hier nach Objekten, die mit der Erde kollidieren und für uns gefährlich werden könnten. Auch diese Observatorien werden über das Internet bedient, d.h. auf dem Berg hat es kaum Personal während der Nacht.

Dünne Luft für Jupi
Nach der Vorführung übernachten wir auf fast 3’000müM, in dieser Höhe haben wir noch nie in Jupi eine Nacht verbracht. Am nächsten Morgen ist es recht frisch und Jupi hat einige Mühe in die Gänge zu kommen, der kalte Motor stirbt beim Wegfahren immer wieder ab. Wir müssen ihn erst etwas warmlaufen lassen, dann läuft er problemlos, wie wir es uns gewohnt sind.

Die Suche nach dunklem Nachthimmel

Unser Ziel ist es natürlich, mit unserer eigenen Ausrüstung Astrofotos vom Himmel zu machen. Dazu fahren wir verschiedene dunkle Plätze an, welche wir mit Hilfe der Seite www.lightpollutionmap.info suchen, die uns Gebiete mit keiner oder geringer Lichtverschmutzung anzeigt. Oft hat es aber auch an solchen Orten irgendwo eine grössere Ortschaft und damit einen Lichtkegel am Himmel.

Mount Hopkins

Unser erstes Ziel liegt am Fuss des Mount Hopkins Observatorium, das im Süden von Tucson liegt. Der Lichtkegel der Grossstadt im Norden stört uns nicht und im Osten liegt der Mount Hopkins, auf welchem ein grosses viereckiges Observatorium thront, zu welchem die Strasse aber gesperrt ist. Doch auch am Fusse des Berges entdecken wir mehrere Observatorien und erfahren, dass mit diesen Gamma-Strahlen gemessen werden, die bei Explosionen von Sternen entstehen, sogenannten Supernovas.


In der Nähe finden wir auf BLM-Land einen guten und einsamen Platz. Und gemäss Bettina gibt es hier auch verschiedene Geochaches, die wir natürlich suchen und einige davon auch finden. Als wir dann aber bei einer Suche auf eine Klapperschlange treffen, vergeht uns die Lust daran etwas…

Klapperschlange statt Geocache…

Wir fahren nach Patagonien

Willkommens-Schild am Strassenrand

Und dann fahren wir nach Patagonien. Klar, das liegt in Südamerika, doch von so vielen bekannten Orten der Welt gibt es eine Ortschaft gleichen namens in den USA, wie New Bern, New Berlin, New Paris, New York etc. Wir fahren deshalb die Ortschaft Patagonia in Arizona an, die auf der östlichen Seite des Mount Hopkins liegt.

Hier ist es niederschlagsreicher und damit grüner, viele Vögel soll es hier zu sehen geben. Allerdings mehr im Frühling und Herbst, doch auch jetzt entdecken wir einige Kolibris. Diese winzigen und schnellen Vögel zu fotografieren ist nicht ganz einfach, vorallem, wenn man sie im Fluge erwischen will.

Doch das Highlight erleben wir am nächsten Morgen, als ein Kolibri das aus einer Leitung spritzenden Wasser aufsucht. Mehrmals gelingt es mir, den fliegenden Vogel scharf abzulichten. Man muss wahrscheinlich zwei Mal hinschauen, bis man ihn entdeckt, aber mit Klick auf das Bild wird es ja grösser:

Doch neben Rotkardinalen und Kolibris haben wir noch einige andere Tiere in der Umgebung entdeckt, vorallem sehr aktive Eichhörnchen, aber auch Rehe und sogar ein Wildschwein lief uns über den Weg:

Nähe Tombstone

Rund 30 km nordöstlich von Tombstone finden wir einen grossen Flecken mit BLM-Land am Rande eines kleinen, namenlosen Gebirges, wo einmal mehr ganz offiziell freies Campieren erlaubt ist. Hier verbringen wir mehrere Tage, unternehmen Spaziergänge und haben dabei interessante Gespräche mit den Nachbarn. Zwei unserer Nachbarn sind mit einem Wohnwagen XXL hier, wo gleich auch noch ihre Pferde Platz haben.

Wir befinden uns auf rund 1’400 müM und am Tag steigen die Temperaturen oft bis zur 20°C – Marke, in der Nacht fallen sie aber meist unter den Gefrierpunkt. Wir befinden uns am Rande der Sonora-Wüste, bei diesem klaren Wetter kühlt es im Winter in der Nacht massiv ab. Auch ist die Luft sehr trocken, wir müssen unsere Lippen dauernd mit Lippenpomade eincremen, sonst werden sie richtig weiss und spröde.

An diesem klaren und trockenen Wetter, zusammen mit dem dunklen Nachtimmel erfreuen wir uns aber zur dunklen Tageszeit, denn der Nachthimmel ist dann voller Sterne. Schon ein paar Mal haben wir den Sternenhimmel mit etwas Vordergrund fotografiert, doch das gewisse Etwas fehlte immer. Hier haben wir die Idee für ein Sternenbild mit Bettina und einer Taschenlampe als Vordergrund, ob das möglich ist?
Die Kamera steht für alle Aufnahmen immer am gleichen Ort, immer mit dem gleichen Objektiv. Die Aufnahmen für den Vordergrund mache ich am Anfang der Dämmerung, dasjenige mit Bettina am Ende dieser und diejenigen für den Sternenhimmel in der Nacht. So entstehen rund 30 Bilder, die ich am nächsten Tag mit verschiedenen Programmen verrechne und zu einem Bild zusammen führe. Damit die hellen Sterne vom Orion so schön leuchten, verwende ich einen Weichzeichner-Filter vor dem Objektiv.

Hier das Resultat:

Geronimo

Auf dem Weg zu einem noch dunkleren und genialeren Ort, machen wir in der Nähe von Fort Bowie für eine Nacht Rast. In diesem Gebiet hausten im 19. Jahrhundert ein Teil der Apache-Indianer, die Chiricahua-Apaches und bekriegten sich mit den neu hinzugezogenen weissen Siedlern, die deshalb das Fort bauten. Der berühmteste Anführer dieser Gruppe war Geronimo, der sich als letzter im September 1886 ergab, was gleichzeitig das Ende der Indianer-Kriege in den USA bedeutete.
Bei der Jagd der US Navy-Seals auf Osama Bin Laden war das Code-Wort Geronimo übrigens das Zeichen, dass die Operation erfolgreich war…

Auf dem Friedhof in der Nähe des Forts sind die gefallenen Indianer, die von Indianern getöteten Weissen und die Soldaten in unterschiedlichen Ecken begraben.

Chiricahua National Monument

In unserem Reiseführer steht nur wenig, dafür sehr positives über dieses Gebiet: «Wunderschöne Landschaft mit spektakulären Steintürmen, aber sehr abgelegen.» Auf unserer Lichtverschmutzungskarte sehen wir, dass es hier maximal dunkel sein muss. Links und rechts von diesem Gebirge gibt es keine grösseren Ortschaften, zum Einkaufen muss man ziemlich weit fahren. Wir besuchen und erwandern das Gebiet an zwei Tagen und fotografieren auch während der Nacht. Es ist absolut genial, aus unserer Sicht ein Geheimtipp.

Hier zuerst die Bilder von den Tageswanderungen: Die vielen Steinsäulen haben oft zuoberst einen grossen Felsblock, von dem man das Gefühl hat, er stürze gleich ab. Je nach Sonneneinstrahlung und Tageszeit erscheinen die Felsen grau mit gelben Flechten oder manchmal auch rötlich. Die Erosion hat an diesem Ort wirklich spektakuläres erschaffen.
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Schon lange träumen wir davon Sternenbilder vor spektakulären Naturwundern zu machen. Jetzt sind wir an so einem Ort, es ist dazu noch absolut dunkel und auch das Wetter stimmt, d.h. keine Wolken. Deshalb suchen wir uns am ersten Tag eine gute Stelle aus, wo wir die Sternbilder Stier, Fuhrmann und Orion beim Aufgang über den Felstürmen fotografieren können. Es ist gar nicht so einfach sich vorzustellen, wieviel in der Nacht davon noch zu sehen ist. Aber wer nichts wagt, gewinnt nichts. Wir finden einen guten Ort knapp anderthalb Kilometer vom Parkplatz entfernt.

Nach einem frühen Nachtessen packen wir unsere mehrere Kilogramm schwere Astro- und Fotoausrüstung in den grossen Rucksack, marschieren gegen 16:30 Uhr los und bauen vor Ort alles auf. Damit das Stativ mit der wertvollen Ausrüstung nicht plötzlich von einer Windböe umgeworfen werden kann, fixieren wir es mit einem Seil in der Mitte an einigen grossen Steinplatten.
Während der Dämmerung um 17 Uhr fotografiere ich den Vordergrund, dann ab Beginn der vollen Dunkelheit um ca. 18:30 Uhr ein Sternbild nach dem andern, das über den Horizont steigt. In den Pausen schauen wir uns die vielen Sterne an und hören uns das am Nachmittag aufgenommene «Echo der Zeit» an, die 45-Minütigen ausführlichen Abendnachrichten vom Schweizer Radio.
Es ist extrem dunkel hier, noch selten haben wir den kleinen Wagen so gut gesehen, auch sonst gehen eigentlich alle Sterne runter bis an den Horizont. Lichtkegel von Ortschaften sehen wir keine.

Kurz nach 22 Uhr sind wir fertig, packen alles wieder zusammen und wandern bei absoluter Dunkelheit wieder zu Jupi zurück. Was für ein Erlebnis.
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Arizona Sky Village

Wenn wir in der App iOverlander nach interessanten Übernachtungsplätzen stöbern und in den Kommentaren dazu steht, dass die Anfahrt nicht so einfach sei, hohe Bodenfreiheit oder sogar 4×4 notwendig sei, werden wir hellhörig. Könnte das etwas für Jupi sein? Auf diese Weise entdecken wir die Natur-Passstrasse «Pinary Canyon Road», die über den Pass namens «Onion-Saddle» auf rund 2’300müM führt, quer über das Chiricahua-Gebirge Richtung Osten, bis an die Grenze von New Mexico.
Neben schönen Aussichten entdecken wir auch einige wildlebende Truthühner, Rehe und weitere fotogene Vögel.

Unser Ziel ist eine kleine Ortschaft am Ostrand des Chiricahua-Gebirges namens Portal. Bis zur nächsten Stadt sind es in alle Richtungen über 100 km, deshalb ist es hier nicht nur sehr dunkel gegen oben, es gibt auch am Horizont praktisch keine Lichtkegel von andern Siedlungen. Hier befindet sich das Arizona Sky Village, ein Quartier ausserhalb der Ortschaft, wo fast jedes Privathaus auch ein Observatorium hat (oder mehrere). Die Ortschaft hat keine Strassenlampen und ist sehr darauf erpicht, dass die Nächte hier absolut dunkel sind, d.h. kein Fremdlicht die Nacht stört.
Im Frühling und Herbst sollen zudem noch sehr viele Vögel in der Region rasten, d.h. neben Amateur-Astronomen zieht die Gegend auch Hobby-Ornithologen und Vögel-Fotografen an. Hier zu wohnen wäre ein Traum…

Wir entdecken, dass es auch in dieser Ortschaft BLM-Land gibt, auf dem wir frei campieren dürfen. Mit Hilfe vom Satellitenbild von Google-Maps finden wir eine Zufahrtsstrasse und bleiben an diesem dunkeln Ort eine Nacht. Nur eine Nacht, weil einerseits das Handy-Netz recht schwach ist und ich ja endlich diesen Bericht fertig schreiben möchte, aber auch, weil der Mond nun schon fast wieder halb ist und damit die halbe Nacht scheint, die Sterne kann man ab jetzt für zwei Wochen nicht mehr beim Aufgehen fotografieren.
Aber es klappte gerade noch, Orion geht erst spät auf und dabei entsteht ein neues Sternenbild, diesmal mit Jupi als Vordergrund:

Kraniche an der White Water Draw Wildlife Area

Unser nächster Stopp liegt an einem kleinen See in der Nähe der Ortschaft McNeil, nicht allzuweit von der mexikanischen Grenze entfernt. Hier überwintern von Oktober bis April tausende von Kanada-Kranichen, die den Sommer in Nordkanada, Alaska und sogar in Sibirien verbringen und dort ihre Jungen zur Welt bringen und gross ziehen.

Wir werden nicht enttäuscht und sehen insbesondere am Abend so viele Kraniche in der Luft, dass es wie eine sich schnell bewegende Wolke aussieht, unglaublich. Ich zähle in einer Ecke am Ufer des Sees hundert Stück, kann diese Fläche problemlos verzehnfachen und nochmals verzehnfachen, also bereits 10’000 Stück und auf der andern Seeseite hat es auch noch viele. Auch das Geschnatter der vielen Tiere am Boden und in der Luft ist enorm. So etwas haben wir noch nie gehört und gesehen. Ich komme mit dem Fotografieren kaum nach, so entstehen schnell hunderte von Bilder – aber Stopp, ich muss all die Bilder dann auch noch Sichten und Auswerten… Am zweiten Tag machen wir dann schon viel weniger Bilder…

Die Kanada-Kraniche sind sehr grazile Vögel und gleichen mit ihrer grauen Farbe etwas unseren Graureihern. Sie sind aber grösser, haben noch ein rotes Federkleid um die Augen und sind absolut keine Einzelgänger, wie wir hier erleben.

Daneben sehen wir noch einige schöne Singvögel. Einerseits den kleinen, rot leuchtenden Rubintyrann und dann die hier ebenfalls in riesigen Scharen anzutreffenden Gelbkopfstärlinge. Sie kommen zum Übernachten auf das Schilf hier im Wasser und bis alle ihren Platz gefunden haben, fliegen sie immer wieder alle gleichzeitig auf, was tönt als würde ein Zug vorbei fahren.

Unsere Route

Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».

Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/

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4 Antworten

  1. Maria sagt:

    Einfach wunderbar, diese tollen Tier- Natur- und Himmelsbilder!
    Tolle Erinnerungen werden bei mir wach und wir wünschen weiterhin viel Schönes, gute Temperaturen und sichere Fahrten/Wanderungen.
    Herzliche Grüsse, Maria und Matthias

    • bvision sagt:

      Hallo Maria und Matthias
      Es freut mich natürlich, dies zu lesen und wunderbar, wenn dies bei dir etwas auslöst.
      Euch auch eine schöne Zeit und alles Gute.

      Sonnige Grüsse aus Arizona
      Reto

  2. Ingeborg und Ralf sagt:

    Hallo ihr Weltenbummler,
    wir reisen auch 2023 mit euch und sind schon gespannt, was ihr so alles erlebt und wohin es im neuen Jahr geht.
    Wir wünschen euch viele beeindruckende Erlebnisse und nur gute Erfahrungen.
    Passt auf euch auf, genießt das Unterwegssein und bleibt gesund.
    Liebe Grüße aus Spanien

    • bvision sagt:

      Liebe Ingeborg, lieber Ralf
      Wir freuen uns über jeden Kommentar unserer Mitreisenden, deshalb merci vielmals für eure Wünsche und Grüsse aus Spanien. Sicher habt ihr es dort jetzt auch wunderschön, geniesst es.
      Bettina und ich wünschen euch für das 2023 nur das Beste, macht viel und entdeckt noch mehr, so bleibt ihr fit und gesund.

      Sonnige Grüsse aus Arizona
      Bettina und Reto

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