Bruce-Halbinsel – Elliot-Lake – Steinbach – Winkler – Grassland N.P.

Vom 18. – 28. Juni 2022

Die grossen Seen

Nachdem die Temperaturen die letzten Tage bis zu 28°C stiegen, sinken sie heute am 18. Juni wieder auf unter 15°C. Mich erinnert das Wetter hier immer wieder an unsere dreimonatige Island-Reise von 2015, dort ging es auch dauernd rauf und runter, allerdings selten auf über 20°C. Immerhin, heute haben wir wieder strahlenden Sonnenschein, die Kälte kommt jeweils von einem kühlen aber trockenen Nordwind aus der Arktis. Der starke Wind hat aber den Vorteil, dass er die vielen Mücken und Fliegen vertreibt.

Wir befinden uns im Gebiet der grossen Seen von Nordamerika, d.h. den fünf Seen Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior, dabei gilt der letzte gemäss Wikipedia als flächenmässig grösster Süsswassersee der Erde. Er hat eine Grösse von über 82’400 km2 und ist damit fast doppelt so gross wie die Schweiz. Durch diese Grösse sind sogar die Gezeiten spürbar, allerdings nur im Zentimeterbereich und werden daher oft durch Wind und Welle überdeckt.
Im Winter gefriert übrigens ein grosser Teil des Wassers dieser Seen zu, 1979 war ein Rekordjahr und 95% war gefroren, 2014 waren es immerhin 88%.

Von der Bruce-Halbinsel nehmen wir «Das grosse Kanu» über den Lake Huron aufs Festland, das bedeutet nämlich der Fährenname «Chi-Cheemaun» ins Deutsche übersetzt. Das 110 Meter lange Schiff sieht hochseetauglich aus, hat Platz für über 600 Passagiere und 140 Fahrzeuge, die Überfahrt dauert rund zwei Stunden. Wir buchen unsere Tickets einen Tag zuvor via Internet, so dass wir sicher einen Platz haben, es ist nämlich Wochenende.
Beim Warten findet auf dem Parkplatz nebenan noch eine Oldtimer-Show statt mit einigen «lustigen» Mini-Pickups aus längst vergangenen Zeiten.
(wie immer: auf das Bild klicken, damit es schärfer und grösser wird)

Über 1’100 km kein grosses Einkaufszentrum

Auf der andern Seite kommen wir nach einigen Kilometern wieder einmal auf den Canada-Highway, allerdings wollen wir diesem wegen dem hektischen Verkehr nicht so lange folgen und wählen eine Alternativroute via Elliot Lake.
Wir stellen fest, dass es auf unserer gewählten Route über 1’100km dauert, bis wieder ein richtig grosses Einkaufszentrum mit Walmart und so kommt, das wäre dann in Thunder Bay. Haben wir eigentlich genügend Vorräte? Wir gehen noch in einen uns unbekannten Supermarkt namens Fresh + Co. und sind überwältigt vom Angebot. Günstig und frisch, da brauchen wir definitiv kein grosses Einkaufszentrum. Nur unsere Lieblingsmilch gibt es nicht, doch vis-à-vis gibt es ja noch einen Foodland. Doch als wir dort rein wollen heisst es: «Entschuldigung, wir schliessen gleich». Hmm? Wir sind auf dem Land, die Läden schliessen da bereits um 18 Uhr.

Wir suchen uns einen Übernachtungsplatz, was gar nicht so einfach ist, denn an sehr vielen Orten in Ontario gibt es Übernachtungsverbote für Camper, das Schild «No Overnight Parking» ist allgegenwärtig. Ob hier die Wohnmobilisten in der Vergangenheit solche Probleme bereiteten?

Elliot Lake

Am nächsten Tag wollen wir mal wieder etwas Naturstrasse fahren. Auf der Karte in LocusMap haben wir eine interessante weisse Route entdeckt, die wahrscheinlich zum Ausfahren von Holz benutzt wird, deshalb sollte sie auch genügend breit und hoch für Jupi sein. Die Länge dieser Forststrasse beträgt rund 66 km.

In der Ortschaft Elliot Lake steuern wir einen Supermarkt namens No Frill an, um unseren Milchvorrat zu ergänzen. Auch hier ist das Angebot sehr gut. Also das mit den 1’100km ohne Einkaufszentrum ist definitiv kein Problem, denn diese lokalen Supermärkte sind (in dieser Gegend jedenfalls) sehr gut. Nur der Diesel ist für kanadische Verhältnisse hier wieder sehr teuer, umgerechnet CHF 1.90. Das letzte Mal tankten wir für CHF 1.60, deshalb warten wir noch etwas mit dem Nachfüllen.

Wir fahren am Rande der Gemeinde zu einem Hügel hoch, wo es einen Beobachtungspunkt zur Feuerüberwachung gibt und sehen unter uns nur Wald, Wald und nochmals Wald sowie Seen. Wenn man das Gebiet auf der Karte anschaut so sieht man, dass es aus unzählig vielen kleinen Hügeln und in den Senken ebenso unzählig vielen Seen besteht, über 250’000 Seen solle es geben.

Am Rande von Elliot Lake gibt es noch einen Skihügel, der nach dem höchsten Berg der Schweiz benannt ist: Mount Dufour. In der Schweiz 4’634 Meter hoch, hier rund 10 mal kleiner. Es gibt zwei Sessellifte und mehrere Pisten.

Naturstrasse nördlich Elliot Lake

Nach der Ortschaft Elliot Lake fahren wir zuerst knapp 40 km nordwärts, bevor wir links auf die namenlose Kiesstrasse abbiegen können. Schon nach wenigen 100 Metern merken wir: Ziemlich Wellblech-Piste, deshalb reduzieren wir den Luftdruck auf 3.5 Bar. Sofort hält ein entgegenkommendes Fahrzeug an und fragt, ob wir ein Problem hätten, die Leute sind sehr hilfsbereit. Mit dem verminderten Luftdruck wird das Fahren angenehmer.

Die ersten 26 km ist die Strasse schön breit, führt durch den Wald, immer wieder gibt es kleine Seen, ab und zu durchfahren wir grössere Pfützen. Nur wenige Pickups und Quads kreuzen uns. Im iOverlander haben wir einen Übernachtungsplatz gefunden und wollen uns diesen ansehen gehen, marschieren die letzten 200 Meter zu Fuss und werden dabei von den Mücken fast aufgefressen. «Das nächste Mal müssen wir uns unbedingt einsprühen», meint Bettina. Es ist aber noch zu früh zum Übernachten, deshalb fahren wir weiter.

Bald müssen wir links abbiegen und ab da wird die Strasse merklich schmäler, der Kies weicht gröberen Steinen und die Strecke ist immer wieder etwas ausgewaschen, es gibt kurze steile Passagen. Sind wir da richtig oder hätten wir geradeaus müssen? Ein Blick auf die Karte zeigt uns aber, dass wir auf dem korrekten Weg sind. Wir schalten den Allrad ein.

Nach einigen weiteren Kilometern ist unser Weg plötzlich überflutet, viel mehr als nur eine grosse Pfütze. «Wie tief ist hier das Wasser, kommen wir überhaupt da noch durch?» fragen wir uns. Wir steigen aus und schauen uns die Lage an. «Da folgt ja noch ein grösseres überschwemmtes Gebiet», sage ich zu Bettina. Ich ziehe die Schuhe aus und wate hindurch um die Tiefe zu messen, das Wasser kommt mir nicht ganz bis unter die Knie, d.h. ca. 45cm hoch. Sollte also gehen, bis 60cm sind für Jupi kein Problem.
Während Bettina zurückläuft begebe ich mich in eine günstige Fotoposition und will die Furtung fotografieren. Wir haben uns natürlich wieder nicht eingesprüht und für die Mücken sind wir ein Festessen…

Bettina furtet mit unserem Bimobil EX366 problemlos durch das Überschwemmungsgebiet, erzählte dann aber, dass sie den Widerstand im tiefen Wasser gut spürte. Wir sehen auch, dass das Wasser Jupis Karrosserie kaum benetzte, wir also auf der sicheren Seite waren. Nach diesem Abenteuer biegen wir bald wieder in eine grössere Waldstrasse ein, sie wird wieder breiter und die Steine wieder feiner, doch dafür hängen immer mal wieder Bäume über die Fahrbahn. Obwohl es vielleicht auf den folgenden Bilder nicht immer so aussieht, kommen wir aber immer durch, müssen nicht zur Säge greifen.

Bevor wir wieder auf die asphaltierte Strasse einbiegen erhöhen wir den Luftdruck mit unserem im Motorraum eingebauten Kompressor wieder auf knapp 5 Bar, dann geht es weiter. Die Fahrt kommt uns jetzt ganz ruhig vor.
Von den heute über 360 zurückgelegten Kilometern haben wir über 200 km keinen Handy-Empfang gehabt, zum ersten Mal auf so einer lange Strecke.

Kurs West

Die nächsten Tage fahren wir meist Etmale von 400 – 550 km und kommen gut Richtung Westen voran, in vier Tagen über 2’000 km. Inzwischen haben wir seit Halifax 5’000 km zurückgelegt und Jupi feiert Jubiläum mit dem Kilometerstand 100’000.

Trotz den etwa 200 Warnschildern vor Elchen haben wir keinen einzigen gesehen. Oder doch? Ganz am Ende unserer Tagesetappe entdeckten wir einen Fuchs um eine grosse Blutlache auf dem Highway.
Generell sehen wir fast jeden Tag Tiere: An einem Übernachtungsplatz beobachten wir Pelikane, Schwalben und einen Weisskopfseeadler, an einer Pausenstelle ist gerade ein Streifenhörnchen am Blumen essen. Bettina sieht einmal eine Schildkröte über die Strasse «rennen», ich dann mehrere Pelikane in der Luft und dann doch noch eine Elchkuh am Rande der Strasse, natürlich wo wir zum Fotografieren nicht anhalten können.

Die Hügel nehmen ab, die Strassen sind immer länger ohne eine einzige Kurve. Trotzdem wird es uns überhaupt nicht langweilig, wir finden die Strecke nicht eintönig, denn jetzt nehmen auch die Bäume ab und wir sehen die grosse Weite, etwas, was wir in der Schweiz nicht haben. Das Wetter ist weiterhin wechselhaft, mal Sonne bei über 20°C, dann wieder bedeckt und nur noch 15°C, manchmal noch Regen und oft Wind dazu.

Manitoba

Wir treffen in der Provinz Manitoba ein, das tönt in meinen Ohren irgendwie nach Indianer, hier First Nation oder Aboriginal genannt. Gemäss Karte sind wir jetzt ziemlich genau in der Mitte von Kanada, zum Atlantik und Pazifik ist es etwa gleich weit. Wir müssen die Uhren wieder eine Stunde vorstellen, zur Schweiz haben wir nun -7 Stunden Zeitdifferenz.


Wir umfahren die Provinz-Hauptstadt Winnipeg und nehmen den Highway 75 Richtung Süden. Die Strasse ist in einem miserablen Zustand, Kasachstan lässt grüssen. In der Betonstrasse hat es alle paar Meter fussballgrosse Löcher und in den Nahtstellen zwischen den einzelnen Betonplatten fehlt ebenfalls viel Material. Es knallt und scheppert in Jupi, es tut uns weh. Wir fahren nur noch mit 60 – 70 km/h, um unsere Pneus zu schonen, doch der restliche Verkehr überholt uns gnadenlos mit den erlaubten 100 km/h, ohne Rücksicht auf Verluste…

Wir wählen dann eine Kiesstrasse um an unser Zwischen-Ziel in Steinbach zu kommen, so gelangen wir viel ruhiger und fahrzeugschonender ans Ziel.
Dort besichtigen wir das Mennonite Heritage Village, ein Freilichtmuseum über die Glaubensgemeinschaft der Mennoniten. Mennoniten sind sozusagen die Täufer aus Norddeutschland und den Benelux-Staaten. Sie bildeten sich nach der Reformation im 16. Jahrhundert, wollten ihre Pfarrer selber wählen, weigerten sich, irgendwelche Schwüre zu tätigen und wählten den Pazifismus. Sie wurden darauf nicht nur von den Katholiken sondern auch von Reformatoren wie Luther und Zwingli gnadenlos verfolgt und getötet. Sie emigrierten danach nach Polen, von da weiter ins russische Zarenreich, entweder an die Wolga (Wolga-Deutsche) oder in die Ukraine. Als sie auch dort immer stärker verfolgt wurden, fanden sie in Nordamerika ihre neue Heimat, ähnlich wie die Amisch-Leute aus Süddeutschland und der Schweiz. Die Mennoniten fallen aber in der Gesellschaft kaum auf, da die meisten alle modernen Errungenschaften mittragen und sich auch «normal» kleiden.

Winkler MB

Wir übernachten in der Ortschaft Winkler MB (MB = Manitoba), etwas südwestlich vom Mennonite Heritage Village. Dort hat die Firma IconDirect, die Plastikteile unter anderem für den Wohnmobilbereich herstellt, einen schönen Stellplatz für Wohnmobile erstellt, mit Strom, Wasser und Entsorgung, alles gratis. Wau.

Wir gehen am nächsten Morgen eine Runde joggen und können noch den Sondertransport einer grösseren Garage resp. Werkstatt beobachten. Wegen der Höhe des Gebäudes müssen viele Stromkabel gekappt werden, wahrscheinlich ist deswegen das ganze Quartier ohne Strom. Das Gebäude wird etwa 2km verschoben, es dauert mehrere Stunden, aber alles völlig locker. Ich kann mit dem Lastwagenchauffeur sprechen, aber auch mit den Elektrikern, die die Kabel kappen, keine Polizeibegleitung, alles privat organisiert.

Danach gehe ich mich noch an der Reception der Firma IconDirect für den Gratis-Stellplatz bedanken und habe ein längeres Gespräch mit einer Lady dort. Woher und wohin etc.
So gegen Mittag kommt ein Mann in ungefähr unserem Alter zu Jupi und auch mit ihm führen wir ein längeres Gespräch. Er erzählt uns, dass er mal Geschichtslehrer war und dass er mit seinem Sohn wie wir auch nach Tuktoyaktuk an den arktischen Ozean möchte, allerdings mit den Motorrädern. Ebenfalls erzählt er über die Geologie und das Klima. «Weisst du, wir wollen hier nicht zu viele Leute und schrecken sie mit dem Klima ab. Denn im Winter ist es normalerweise -20°C kalt und im Sommer hat es sehr viele Mücken», und lächelt dabei verschmitzt.
Wir erwähnen, dass wir uns etwas für die Mennoniten interessieren und er erzählt darauf, dass seine Vorfahren Mennoniten aus Belgien seien, die via Polen und dem Zarenreich nach Kanada kamen. Wirklich sehr interessant, was er alles weiss. Bald darauf verabschieden wir uns von ihm. Dann kommt er nochmals und gibt uns noch seine Visitenkarte: «Wenn ihr irgendwo in Kanada ein Problem habt, dürft ihr mich immer anrufen», und schüttelt uns zum Abschied die Hand. So freundlich und zuvorkommend, herzlichen Dank nochmals an IconDirect und dessen Mitarbeitende

Wir fahren zwischen Canada-Highway und der amerikanischen Grenze Richtung Westen, mal auf dem Red Coat Trail, mal auf dem Boundary Commission Trail. Peter und Brigitte haben uns diese Strassen empfohlen, mit ihnen zusammen haben wir ja Jupi in Halifax am Hafen abgeholt. Beide Trails sind sehr gute Strassen und wenig befahren, es geht kilometerweit gerade aus und wir kommen schnell vorwärts, gelangen nach Saskatchewan.

Saskatchewan

Beim Überqueren dieser Provinzgrenze müssen wir unsere Uhren um eine weitere Stunde zurückstellen, zur Schweiz sind es nun -8 Stunden. Saskatchewan ist wieder so ein kanadischer Provinzname, bei dem man nicht unbedingt an dieses nordamerikanische Land denkt, eher an Kasachstan oder Usbekistan. Und ähnlich wie dort sehen wir auch hier im Osten der Provinz (später auch im Westen) ganz viele Erdölpumpen, praktisch alle sind aktiv. An zwei Orten sehen wir auch mobile Bohrtürme, spannend.

Während in Manitoba die Landwirtschafts-Felder bereits grösser waren als in der Schweiz, so sind sie jetzt in Saskatchewan einfach riesig, kilometerlang. Dies ist sehr schwierig zu fotografieren, es ergibt meist nur einen schmalen Strich, wenn man nicht irgendwo erhöht stehen kann. Optimal wäre jetzt ein Luftbild mit der Drohne, da es aber immer so stark windet möchte ich unser Fluggerät nicht riskieren.
Auch die Silos der Farmen sind gross und zahlreich. Und die einzelnen Ortschaften liegen oft 40 – 80 km auseinander, da muss der Schulbus ganz schön weit fahren. Und jede noch so kleine Ortschaft ist auch auf unserer Kanada Papier-Karte im Massstab 1 : 4’000’000 verzeichnet, denn es hat einfach viel Platz. Seit West-Ontario sind unsere elektronischen Openstreet-Karten recht karg, sie haben fast keine Einfärbungen mehr, meistens ist der Kartenhintergrund nur weiss. Hier hat sich scheinbar noch niemand die Mühe gemacht, diesen Mangel zu beheben.

Grassland Nationalpark

Wir sind unserem Zeitplan mehrere Tage voraus und wollen die gewonnen Tage hier nutzen. Unser Ziel ist der Grassland Nationalpark im Süden der Provinz Saskatchewan, aus unserer Sicht ein Geheimtipp für Natur- und Tierliebhaber in einer Steppenlandschaft. Während sich im Westen Kanadas die Leute in den berühmten Nationalparks Banff und Jasper bereits jetzt im Juni auf den Füssen herumstehen und keinen Campingplatz finden ohne mehrmonatige Voraus-Reservation, herrscht hier noch die «grosse Einsamkeit». Wenn man etwas Geduld mitbringt und an einem Ort auch einmal eine Stunde oder länger wartet, sieht man interessente und manchmal auch lustige Motive.

Präriehunde und Erdhörnchen

Im Visitor-Informationszenter las ich, dass dieser Park der nördliche Teil eines Steppengürtels ist, der bis nach Mitteltexas reicht, ca. 2’500 – 3’000km lang, riesig. Der Park liegt auf rund 700 Meter über Meer und die Parkfläche beträgt ca. 900 km2, d.h. etwa so gross wie der Kanton Jura. Allerdings ist er etwas fragmentiert, d.h. nicht der ganze Park ist an einem Stück. Wir besuchen nur den tierreichen Westblock. Die Prärie-Hunde und Erdhörnchen sind wahrscheinlich die Lieblinge der meisten Besuchenden. Sie sehen putzig aus, wenn sie auf ihren Hinterbeinen stehen, es gibt hunderte wenn nicht sogar tausende davon. Es gibt die knapp hasengrossen Schwarzschwanz-Präriehunde, deren Schwanzende schwarz ist. Diese leben in mehreren Kolonien im Park. Daneben gibt es noch die eichhörnchengrossen Erdhörnchen, die man fast überall im und neben dem Park sieht, sei es auf den Strassen oder auch auf dem Campingplatz im Park. Oft stehen sie bockstill auf der Strasse und rennen erst im letzten Moment weg. Mir kommt es vor wie im Film mit James Dean, «Denn sie wissen nicht, was sie tun», wo es um eine Mutprobe geht und zwei Autos auf den Abgrund zurasen und dabei das Motto gilt: Wer zuerst aus dem Wagen springt hat verloren…

Antilopen, Deers und Kojoten

Auch relativ häufig sehen wir die Paarhufer. Die Antilopen sind in unseren Augen die schönsten, diese sehen wir auch sehr oft ausserhalb des Parks. Weiter sehen wir aber auch viele Deers (Hirschart). Und jeden Abend hören wir im Park zum Sonnenuntergang die Kojoten heulen, können zwei sogar mehrmals in einiger Entfernung sehen und fotografieren, was bei der einbrechenden Dunkelheit gar nicht so einfach ist. Beim zweiten Mal nehmen wir deshalb das Stativ mit, da die Belichtungszeiten sonst bei 600mm Brennweite für aus der Hand zu lange sind (1/131/20 Sekunde).

Bison

Die Attraktion des Parks sind die rund 300 Bisons, die in einem Gehege von etwa 18 x 10 km leben (die übrigen Tiere wie Antilopen, Deers oder Kojoten können die sehr «grobmaschige» Umzäunung aber jederzeit durchlaufen, man sieht sie auch beiden Seiten davon).
Man kann gewisse Strecken im Park mit dem eigenen Fahrzeug befahren, aber es gibt auch diverse Wanderwege, kurze von nur 750 m und lange bis über 20 km. Um die Bisons besser zu sehen unternehmen wir am zweiten Tag unseres Besuches eine 15 km lange Wanderung. Die ganz grosse Herde sichten wir aber nicht, sehen zwar drei grosse Herden in der Ferne, vermuten aber, dass es schwarze Rinder ausserhalb des Parks waren.
Interessant ist, als wir drei Bisons am Rande einer Kolonie mit Prärie-Hunden entdecken, ein ganz spezieller Tier-Kontrast resp. Gross-Klein-Kontrast, aber nicht ganz einfach zum Fotografieren.

Es ist einfach genial hier, wir fühlen uns wie auf Safari mit all diesen Tieren.

Campieren und Treffen

Auf dem Campingplatz gibt es 20 Plätze mit Strom, die scheinen aber alle ausgebucht zu sein. Doch es gibt einen riesigen Overflow-Bereich mit rund 100 Plätzen, dort hat es erst zwei Fahrzeuge und für uns reicht die Infrastruktur völlig aus, brauchen wir doch keinen Strom, wir sind autark, und diese Plätze sind auch günstiger.
Ganz speziell: Hier fernab von der nächsten Ortschaft und sichtbaren Handy-Antenne gibt es trotzdem Handy-Empfang, dank eines bis hierhin geführten Datenkabels und einer kleinen Sendeantenne. Und so kann ich an diesem Beitrag weiter arbeiten.

Wir treffen hier ein belgisches Ehepaar mit einem Mercedes Sprinter Kastenwagen, ausgebaut von CS-Reisemobile. Mit Luzia und Jan, so ihr Name, kommen wir rasch ins Gespräch. Sie erzählen, dass sie auch an einem Bimobil EX366 interessiert gewesen seien, doch Bimobil konnte das geforderte COC-Zertifikat für eine einfache Einfuhr nach Belgien nicht liefern…
Sie erzählen weiter, dass sie mit ihrem Sprinter 2019-2020 bereits in Australien und Neuseeland waren und dort ein Schweizer Ehepaar mit dem gleichen Fahrzeug wie wir getroffen hätten. Ich frage, ob dieses blau gewesen sei und sie bejahen. Unglaublich, wir haben gemeinsame Bekannte, nämlich Ruth und Freddy, die mit ihrem Bimobil EX366 schon fast überall waren und die wir kurz vor unserer Abfahrt zur Verschiffung nach Hamburg noch im Berner Oberland trafen.
Wir haben genug Gesprächsstoff für viele Stunden und tauschen natürlich unsere Kontaktdaten aus…

Blumen

Wir schreiben den 27. Juni, die Temperaturen liegen seit Tagen über 20°C, wir haben voll Frühling, alles ist jetzt grün und viele Blumen blühen. Auf unserer 15km-Wanderung zu den Bisons entdecken wir sogar einige blühende Kakteen, wunderschön. Und es flattern auch viele Vögel herum, da es hier aber keine Bäume gibt, sind dies alles Bodenbrüter, d.h. sie brüten ihre Eier am Boden aus. Entsprechend «melden» sich die Vögel auch immer wieder, wenn wir auf unseren Wanderungen ihren für uns unsichtbaren Nestern und Eiern zu nahe kommen.
Und am Abend gibt es einen weiteren schönen Sonnenuntergang.

Back Country Loop

Am letzten Tag fahren wir noch den knapp 60 km langen Back Country Loop ab. Hier sehen wir zwar ausser Erdhörnchen und einer Kolonie mit Prärie-Hunden keine der obgenannten Tiere, dafür eine gewaltige Steppenlandschaft. Die Strasse ist auf der Karte als Dirt-Road (Dreckstrasse) eingezeichnet und kann bei nassem Wetter nicht befahren werden. Sie hat zwei stärkere Steigungen, wo wir den Allrad einschalten. Jupi schafft es problemlos. Wir treffen unterwegs im Park nur ein Fahrzeug der Ranger.

Sommer-Milchstrasse

Der Grassland Nationalpark ist auch ein Dark Sky Preserve, d.h. ein Ort, an dem die Dunkelheit der Nacht aktiv geschützt wird. Es handelt sich hier um das dunkelste Licht-Schutzgebiet Kanadas. Die Dunkelheit wird auf der Bortel-Skala, die von 1 – 9 reicht, mit 1 angegeben, dunkler geht nicht. Man sieht die Sterne praktisch bis an den Horizont runter und in der Nacht sehen wir die Milchstrasse so klar wie bisher erst in der Wüste von Marokko. Auf dem Campingplatz gibt es aussen auch keine weissen Lampen, nur rote, nur minimale Lichtverschmutzung.

In der dritten Nacht konnten wir uns aufraffen und sind nach Mitternacht für etwa eine Stunde aufgestanden, um untenstehendes Foto der Sommermilchstrasse zu erzeugen. Dabei hören wir auch immer wieder Kojoten heulen. Das untenstehende Bild besteht aus acht Einzelaufnahmen mit einer Belichtungszeit von je 13 Sekunden bei Blende 2 (Bild unbedingt anklicken, damit es scharf wird):

Wir waren nun vier Tage und drei Nächte im Park, wir sind begeistert. Doch als nächstes brauchen wir unbedingt eine Tankstelle, haben wir doch durch unsere vielen Ausflüge unseren Dieseltank ziemlich geleert. Doch davon dann mehr im nächsten Beitrag.

Unsere Route

Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».

Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/

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2 Antworten

  1. Ruth Seematter sagt:

    Hallo ihr Beiden
    Schön dass ihr Jan und Luzia getroffen habt. Da habt ihr sicher viel über unsere gemeinsame Zeit erfahren.
    Gute Weiterfahrt und liebe Grüße Ruth und Fredy
    Wir sind am Packen für Island!

    • bvision sagt:

      Liebe Ruth, lieber Fredy
      Das war schon sehr aussergewöhnlich, wie wir eure Gemeinsamkeit entdeckten, aber so viele Bimobil EX366 mit Schweizer Ehepaaren sind wahrscheinlich noch nicht in Australien gewesen, ich weiss noch von einem weiteren Schweizer… Über Australien haben wir allerdings nur am Rande gesprochen, Kanada ist halt im Moment viel aktueller. Aber der fünfte Kontinent ist nach wie vor im Hinterkopf, da möchten wir mit Jupi auch einmal hin.
      Jetzt wünschen wir euch schon Mal einen guten Start Richtung Island und dort viel Schönes.

      Sonnige Grüsse
      Bettina und Reto

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