Colorado

vom 7. – 26. Juli 2023

Die Grenzen von Colorado wurden mit dem Lineal gezogen, heraus kam ein rechteckiger Bundesstaat mit einer Grösse von knapp 270’000 km2, das ist etwa 6.5 mal so gross wie die Schweiz, aber mit nur 6 Millionen Einwohnern. Als Teil der südlichen Rocky Mountains liegt die mittlere Höhe bei 2’000 müM, selbst der tiefste Ort ist über 1’000m hoch, wir sind also dauernd in einem «Höhentraining». Die Hauptstadt Denver liegt auf 1’600 müM.

Normale Landschaften

Nach den einmaligen und exotischen Landschaften von Utah, aber auch der für uns exotischen Flora und Fauna der übrigen südwestlichen USA, werden wir in Colorado wieder in die «Normalität» zurückgeworfen. Für mich ist es fast ein Schock und ich weiss oft gar nicht so recht, was ich hier fotografieren könnte.

Wir befinden uns südlich von Leadville bei den Twin-Lakes, mitten zwischen den höchsten Gipfeln der Rocky Mountains und unser Übernachtungsplatz liegt wieder einmal auf über 3’000 müM. Die Hügellandschaft der Rocky Mountains gleicht in unseren Augen einem Mix zwischen Jura (alles grün, viele Bäume) und den Voralpen. Aber es heisst doch Rocky Mountains, felsige Berge? Von Felsen sehen wir hier aber gar nichts. Selbst der höchste Berg der Rocky Mountains, der Mount Elbert, sieht trotz seinen 4’401m eher wie eine Jura-Erhebung aus.

Wir unternehmen eine Wanderung am Fuss dieses Berges und sehen mehrere Biber-Burgen in kleinen Weihern, das haben wir in den USA noch nicht gesehen.

Hohe Passstrasse

Wir fahren auf den 3’700m hohen Independence Pass. Hier kommen in der Ferne die ersten felsigen Berge zum Vorschein, aber immer noch mit sehr viel grün. Die Waldgrenze liegt bei ca. 3’600 müM, die Wiesen reichen wie erwähnt oft bis über 4’000 müM. Hier könnte man eine Wanderung zu einem 4’000er unternehmen, aber vorallem ich bin zu wenig fit und kämpfe ziemlich, huste viel, etwas das ich nicht kenne. Eigentlich hatte ich noch nie Probleme mit der Höhe, ob es sonst etwas ist?
In dieser lieblichen Landschaft schauen wir einem Fotoshooting zu, wahrscheinlich für ein Titelbild von einer Musikgruppe der Universität Aspen, so sind jedenfalls die Fahrzeuge beschriftet.

Auf der andern Seite des Passes geht es Richtung dem bekannten Skiort Aspen runter und hier kommen nun mehr und mehr felsige Berge – Rocky Mountains – zum Vorschein. Wie in St. Moritz in den Schweizer Bergen gibt es auch hier einen Gebirgsflugplatz und ein Privatjet nach dem andern landet auf der Piste, aber es gibt auch Linienflüge nach Denver und weiteren Orten, es ist einiges los hier.

Wanderung zu den Maroon Bells

Das Tal der Maroon Bells ist National Forest und kostet Eintritt, doch mit unserem Nationalparkpass ist auch das inbegriffen. Allerdings braucht man hier zusätzlich noch für den hintersten Parkplatz eine Bewilligung, aber natürlich ist keine solche mehr erhältlich, bis anfangs September ist alles ausgebucht. Doch es gibt davor noch einen Parkplatz, die Wanderung wird dadurch einfach etwa 10km länger. Wir schauen es als Training an und sind kurz nach 8 Uhr am Eingang. Nach einigen Erklärungen erhalten wir den gewünschten Tages-Pass für den East Maroon Parkplatz und können nach hinten fahren. Dort bereiten wir zuerst das Frühstück vor und um 10 Uhr starten wir zu unserer 18 km langen Wanderung.

Zuerst geht es zwischen jungen Bäume durch, ziemlich eng, danach Wiesen und Espen-Wälder, auch da ist es oft eng zwischen den weiss-grünen Bäumen. Der Name Aspen steht übrigens für den häufigsten Baum hier, die Espe und von denen hat es wirklich viele. Aber wir treffen auch immer wieder die wunderschöne, zweifarbige Rocky Mountain Akelei an, die uns beiden sehr gefällt. Von den Einheimischen wird sie einfach Columbine genannt, es ist die Staatsblume von Colorado.

Nach gut einer Stunde haben wir die 5 km bis zum bewilligungspflichtigen Parkplatz geschafft und sehen nun zum ersten Mal die Maroon Bells. Dies sind nun richtige Berge, so wie wir sie uns vorstellen, steil und felsig. Wir wandern dann nochmals rund 4 km weiter bis zum Crater-Lake, dort stehen wir schlussendlich am Fusse dieser 4’000er Berge, wir auf 3’080m.

Nach rund fünfeinhalb Stunden sind wir wieder zurück bei Jupi. Ich meistere die 18.3 km und 720 Höhenmeter zu meiner Überraschung sehr gut, der Rücken schmerzt nur wenig, husten muss ich kaum und auch sonst scheint die Fitness wieder langsam zu kommen. Wir nehmen eine ausgiebige Dusche in Jupi, kochen uns etwas feines und fahren danach zum reservierungspflichtigen Parkplatz, denn wir haben gesehen, dass man dort gut Frischwasser bunkern kann und am Nachmittag niemand mehr kontrolliert…

Ridgway – Treffen

Bettina arbeitete vor unserer Reiserei über 10 Jahre für ein amerikanisches Pharmaunternehmen im Kanton Neuenburg. Es gab eine Produktionsstätte in der Schweiz sowie eine in den USA und daher besuchte sie regelmässig die USA oder ihre amerikanischen Kolleginnen und Kollegen kamen in die Schweiz. Ihr amerikanisches Pendant, Kris, ging praktisch gleichzeitig in den Ruhestand wie wir und lebt jetzt in Colorado. Anfang Jahr verabredeten wir ein Treffen Mitte Juli und reservierten im Ridgway State Park einen Platz auf dem Campingareal.

Kris kommt mit ihrer Mutter Mary, die bereits 91 Jahre alt ist und vor wenigen Monaten ihren Mann verloren hat. Geistig ist sie noch absolut fit und sie erzählt uns, dass sie noch 3 – 4 Tage pro Woche arbeiten geht. Bettina: «Aha, dann bist du die einzige von uns, die noch arbeitet. Wir drei übrigen geniessen den Ruhestand.» Sie hilft im Sekretariat einer Kirche. Früher haben beide mit ihren Familien viele Campingferien gemacht, mit Wohnmobil oder Wohnwagen. Für dieses Treffen haben sie sich aber eine Wohnung über Airbnb gemietet.

Tour ins Minen-Tal

Da beide zu Fuss nicht so fit sind, hat Kris schon vor Monaten für uns eine Jeep-Tour gebucht. Mit andern Touristen fahren wir von Ouray aus eine steile Bergstrasse hoch. Der Fahrer stoppt immer wieder und erzählt über früher und heute, wird doch hier noch aktiv Silber gefördert und es werden immer wieder neue Technologien ausprobiert. Die Geschichten sind sehr spannend, arbeitete doch sein Vater hier. Um wirklich gute Bilder zu machen ist so eine Tour allerdings nicht unbedingt geeignet, aber das macht für einmal nichts.

Unser Fahrzeug ist übrigens ein handgeschaltetes Pickup vom Typ Dodge RAM. Unser Fahrer hat grosse Mühe mit dem Kuppeln und Schalten, immer wieder verschaltet er sich und / oder würgt den Motor ab. Warum die hier keinen Automaten einsetzen, denn handgeschaltete Fahrzeuge sieht man in den USA sonst kaum?

Am Morgen darauf backe ich in aller Früh einen Zopf und wir sitzen praktischen den ganzen Tag auf dem Campingplatz, geniessen den Brunch und sprechen über die Vergangenheit und Zukunft, sehr angenehm.

Colorado River

Nach dem Treffen fahren wir mehrheitlich über Nebenstrassen zum Rocky Mountain National Park. Immer wieder kommen wir dabei am Oberlauf des Colorado-Rivers vorbei, der hier seinen Ursprung hat. Der Bundesstaat Colorado hat seinen Namen übrigens vom Fluss erhalten, nicht umgekehrt.

Der Colorado River ist gemäss Wikipedia 2’334 km lang, fast doppelt so lang wie der Rhein. Hier in Colorado regnet es sehr viel und der Fluss kriegt hier einen Grossteil seines gesamten Wassers. Im Rocky Mountain Nationalpark können wir fast bis zur Quelle des Flusses wandern, hier ist er wirklich nur ein kleines Bächlein, so wie der Rhein im Gebiet des Oberalppasses. Es gefällt uns extrem, hier neben diesem berühmten Fluss wandern zu können und das Wetter stimmt auch.

Wie lange es wohl dauert, bis dieses Wasser im Meer ankommt? oder wie gross ist überhaupt die Chance, dass das Wasser je im Meer ankommen wird? Denn nach dem regen- und schneereichen Bundesstaat Colorado fliesst er durch die trockenen Staaten Utah, Arizona, Nevada und Kalifornien sowie noch ein paar Kilometer durch Mexiko. Da erhält er nur wenig neues Wasser durch Zuflüsse oder Regen, dafür wird ihm sehr viel für die landwirtschaftliche Bewässerung und als Trinkwasser entnommen.
In Mexiko sahen wir ihn im April kurz bevor er ins Meer floss, ein eher tristes Bild.

Rocky Mountain Nationalpark

Gemäss Parkinformationen ist dies der viertmeist besuchte Nationalpark der USA, wohl vorallem weil Denver im Osten praktisch vor der Haustüre liegt. Aus diesem Grund wird der Besucherfluss reguliert und für die aktuelle Saison 2023 heisst dies für uns, dass ein Permit beantragt werden muss, wenn man zwischen 9 und 14 Uhr in den Park reinfahren will. Wir fahren deshalb vor 9 Uhr durch den Westeingang in den Park, kein Problem und wir sind fast die Einzigen.

Bis in die 70er Jahre wurde in diesem Gebiet noch Landwirtschaft betrieben, allerdings war schon damals der Tourismus wichtiger, einige Überreste können wir besuchen.

Elch

Halten plötzlich viele Autos, so kann man fast sicher sein, dass es ein Tier zu sehen gibt. Einige Kilometer nach dem Parkeingang treffen wir auf solch eine Kolonne und können in der Ferne einen Elch entdecken. Elche haben wir bis jetzt nur wenige gesehen, ein paar in Kanada, in den USA noch gar keine, aber ganz viele Warnschilder. Wir spotten immer, dass es mehr Elch-Warnschilder als Elche in Nordamerika gibt.
Wirklich «gescheite» Bilder gibt es aus meiner Sicht allerdings selten bei solchen Begegnungen am Strassenrand.

Bei unserer nachfolgenden Wanderung entlang der ersten Kilometern des Colorado Rivers haben wir allerdings grosses Glück resp. sind zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Bettina und ich entdecken eine Elch-Kuh, ganz allein in den mäandernden «Ã„rmchen» des noch ganz jungen Colorado Rivers. Unsere Anwesenheit scheint sie überhaupt nicht zu stören, sie frisst in aller Ruhe weiter, schaut ab und zu zu uns rüber oder spitzt die Ohren wenn ein unbekanntes Geräusch aus einer andern Richtung kommt. Wir verbringen über 40 Minuten mit der Elchkuh, nur Bettina und ich, ein wunderschönes Erlebnis.

Wapiti Hirsche

Um von der Westseite auf die Ostseite des Parks zu gelangen, geht es über einen 3’700m hohen Pass. Fast zuoberst gibt es das Alpine Visitor-Center und hier ist viel mehr los als im Westen, wo wir herkommen. Von hier aus führen auch einige kurze und längere Wanderwege nach weiter oben, die Luft ist allerdings ziemlich dünn und ich habe heute meine 12 km Wanderung entlang des Colorado-River Oberlaufs bereits gemacht, bin wieder einmal ziemlich am Husten…

In der Nähe der Passhöhe treffen wir auf mehrere Wapiti Hirschmännchen mit schönem Geweih. Sie fressen sich den Bauch voll mit frischem, saftigem Grass.

Bear Lake, Nymph Lake, Emerald Lake

Auf der Ostseite werden die Wanderungen ab Bear Lake gerühmt und weil der Andrang so gross ist, sind da die Restriktionen noch grösser. Entweder man kauft ein Permit oder muss vor 5 Uhr in der Früh reinfahren. 40 Prozent der Bewilligungen werden am Vorabend ab 17 Uhr verkauft und wir versuchen unser Glück. Und tatsächlich schaffen wir es. Eigentlich wollten wir ein Permit ab 8 Uhr doch irgend etwas klappte nicht und wir erhalten ein Zeitfenster von 5 – 7 Uhr. Auch gut und am nächsten Morgen sind wir kurz nach 6 Uhr am Eingang und fahren zum Bärensee hoch. Kurz nach sieben Uhr ist der Parkplatz fast voll, vielleicht doch gut, dass wir das frühere Permit erwischt haben…

Die Wanderung zum acht Kilometer entfernten Emerald Lake ist ziemlich anstrengend (jedenfalls für mich), wir sind wieder einmal über 3’000m hoch. Wir kommen an verschiedenen kleinen Seen durch, leider liegt fast alles im Wald und wir sehen nicht viel von der Landschaft. Am besten gefällt uns der Nymph-Lake, denn dieser ist voller Seerosen und die Berge spiegeln sich im Wasser, wunderschön. Vom Emerald Lake sind wir eher etwas enttäuscht, haben uns ein farbigeres Gewässer vorgestellt, dafür hat es im Hintergrund ein paar richtige rockige Berge.

Ich kehre dann zurück zu Jupi und treffe unterwegs noch auf ein Streifenhörnchen, hier Chipmunk genannt, das irgendwelche Essensreste zu verspeisen versucht und dabei nicht ganz glücklich aussieht…

Bettina legt noch 3.4 Zusatzkilometer hinzu, allerdings meint sie nach der Rückkehr, dass ich nichts verpasst hätte…

Kühe an Tränke

Wir verlassen den Rocky Mountain Nationalpark und fahren weiter Richtung Osten, nach Fort Collins, wo wir wieder einmal ein Amazon Paket erwarten und dann noch unsere Kleider waschen wollen. Auf unserem Stellplatz östlich der Stadt steht ein altes Windrad, es dreht immer noch und fördert Wasser in ein Reservoir. Ab und zu kommt eine Kuhherde mit ganz vielen Kälbern vorbei und trinkt daraus, einzelne Tiere steigen sogar direkt in die Tränke ein um sich abzukühlen. Für diese Tiere muss dies hier ein Paradies sein, denn ihre Weide ist mehrere Quadratkilometer gross, wir befinden uns in einer riesigen Ebene, nur noch 1550m hoch.

Ich lasse die Drohne steigen und nehme die Szenerie von oben auf:

Wir sind jetzt zwar wieder etwas tiefer, doch dafür ist es auch wieder heisser, 34°C im Schatten. Kein Wunder haben praktisch alle amerikanischen Wohnmobile und Wohnwagen eine Klimaanlage, die allerdings nur mit Landstrom oder einem Generator funktioniert.
Wir können also wählen: Tiefere Region und Hitze oder hohe Region und dünne Luft.

Wir fahren weiter Richtung Norden nach Wyoming (wieder auf 2’000müM) und verlassen Colorado nach rund einem Monat. Wyoming hat übrigens sehr schöne Nummernschilder und eine ebenso schöne Flagge, doch dazu dann im nächsten Bericht mehr.

Wartung an Jupi – Rollos reinigen

Etwa einmal im Jahr müssen wir unsere Verdunkelungs- und Mücken-Rollos reinigen und neu schmieren, weil sie nicht mehr richtig rollen. Am schlimmsten ist jeweils dasjenige über dem Bett, das lässt sich im Moment kaum mehr einrollen, doch auch das Rollo am Herd macht immer mehr Mühe. Deshalb ist heute der Augenblick gekommen, den inneren Fensterrahmen abzumontieren, die Rollos zu reinigen und neu zu fetten. Zusätzlich haben wir bei Amazon noch einen Insektenschutz für Vorhänge gekauft, damit wollen wir die Mückenrolles noch einsprühen.

Unsere Route

Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».

Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/

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