Dawson-City – Dempster-Highway – Arktischer Ozean und Polarlichter

vom 10. – 21. August 2022

Am Morgen des 10. August kaufen wir in Dawson-City noch die letzten Lebensmittel für unsere rund 930 km lange Fahrt in den Norden an den arktischen Ozean ein. Wir wissen nicht, was man unterwegs genau einkaufen kann, deshalb haben wir Lebensmittel für über 10 Tage dabei, auch fast 30 Liter Trinkwasser und etwa 8 Liter Milch.

Neben Lebensmittel versorgen wir uns in Dawson-City auch mit Lesestoff. Wir haben dazu zwei Tolino und ein Kindle-Lesegerät. Bettina lädt von der Kornhausbibliothek Bern mit unserem Abo diverse Bücher auf den Tolino runter. Da hier in Dawson-City immer wieder die Rede vom amerikanischen Schriftsteller Jack London ist, der sich hier ab 1897 als Goldsucher versuchte, lade ich mir seine gesammelten Werke in deutscher Sprache runter, kostet bei Amazon für den Kindle nur 45 Rappen (0.45 Franken). Es sind seine berühmten Romane aber auch die meisten seiner Erzählungen dabei.
(wie immer: auf Bild klicken, damit es schärfer und grösser wird)

Da wir ziemlich selten Handy-Empfang haben werden, lade ich auch noch diverse interessante Artikel von Wikipedia und der NZZ auf mein Smartphone als Offline-Seiten runter, so dass ich sie jederzeit lesen kann.

Dempster Highway

Mit dem Bau des Dempster Highway wurde 1959 begonnen und nach verschiedenen Baustopps konnte die knapp 740 km lange Strecke nach Inuvik 1979 in Betrieb genommen werden. Um den Permafrost nicht zu beschädigen, liegt die Strasse auf einem meist über 1.5 m dicken Kiesbett. Von 2014 – 2017 wurde dann noch das 140 km lange Stück bis an den arktischen Ozean nach Tuktoyaktuk gebaut. Es ist die einzige öffentliche Strasse in Nordamerika, auf der man auf eigenen vier Rädern bis an den arktischen Ozean fahren kann und die einzige kanadische Strasse, die über den Polarkreis hinaus führt.
Auf dem amerikanische Dalton Highway in Alaska von Fairbanks nach Deadhorse kommt man zwar weiter nördlich, kann aber leider nicht mit dem eigenen Fahrzeug bis an den arktischen Ozean fahren, man muss für die letzten Kilometer dort einen Shuttle-Bus nehmen.

Beide Strassen wurden übrigens aus dem gleichen Grund gebaut: Die Erschliessung von Erdgas- und Erdöl-Feldern im hohen Norden.

Fahrt zum Tombstone Territorial Park

Am 10. August kurz vor 12 Uhr biegen wir bei trockenem und sonnigem Wetter mit unserem Bimobil EX366 auf den Dempster Highway ein, nachdem wir an der Kreuzung noch einmal günstig unseren Dieseltank gefüllt haben, d.h. CHF 1.62 pro Liter. Die nächste Tankstelle gibt es in 360 km, sollte kein Problem sein und auch wenn diese ausfallen würde, würde es weiter reichen. Mit unserem 100-Liter Tank kommen wir bei einem Verbrauch von 12 l/100 km über 800 km weit, meistens hatten wir jetzt einen Verbrauch von 11 – 11.5 l/100 km.

Die Strasse ist nicht asphaltiert, d.h. vor uns liegen mit Hin- und Rückfahrt rund 1’750 km Piste. Wir fahren am ersten Tag bis zum Tombstone Territorial Park, die Kiesstrasse ist in einem miserablen Zustand, Kasachstan lässt grüssen. Es wimmelt von Schlaglöchern und Waschbrett, erst als wir den Luftdruck auf vorne 3.3 und hinten 3.4 Bar absenken, wird das Gerüttel etwas weniger.

Im Park unternehmen wir zwei kurze Wanderungen und haben eine schöne Fernsicht. In der Nacht oder am vorherigen Tag hat es wohl in der Höhe etwas geschneit, einige Gipfel sind auf jeden Fall weiss gepudert. Der Himmel hat fast keine Wolken mehr, die gute Wettervorhersage ist also eingetroffen, wir haben auch immer schön aufgegessen…

Wir übernachten die erste Nacht auf dem Campingplatz des Tombstone Park. Wie wir am nächsten Tagen erkennen werden, wäre dies gar nicht notwendig gewesen, es kann auch im Park frei übernachtet werden, in der Nacht hat es auch kaum Verkehr.
So grillieren wir am Abend wieder einmal und essen natürlich auch alles auf, damit das Wetter so bleibt.

Wanderung

Leider kann man auf dem ganzen Dempster Hwy nur im Tombstone Territorial Park längere Wanderungen unternehmen, es gäbe sogar eine mehrtägige Route, doch dafür sind wir nicht ausgerüstet.
Wir laufen an unserem zweiten Tag auf dem Dempster Hwy noch einmal einen Teil der ersten Wanderung ab, dem Goldensides Trail. Heute Morgen steht die Sonne besser für Fotos und es ist auch ein Einlaufen für die nächste Wanderung. Zuerst geht es dazu rund 16 km zurück Richtung Dawson City, damit wir zum Startpunkt des Grizzly Lake Trails kommen. Wir wollen davon allerdings nur die ersten 4.5 km machen um gut in die Berge zu sehen. Der Himmel ist zwar noch verhangen, als wir vor 11 Uhr starten, doch der Wetterbericht verspricht Besserung.

Auf rund 1’100 m befindet sich hier die Baumgrenze, darüber nur noch Büsche und Wiesen. Wir entdecken die ersten Blätter, die sich verfärben, Vorboten des Herbsts. Und in einem Busch entdecken wir auch ein Erdmännchen, das sich vor uns versteckt. Nach den 4.5 km kommen wir beim Aussichtspunkt an, wo wir bis zum (dunklen) See Grizzly-Lake und den dahinterliegenden Bergen sehen, wunderschön und wir sind ganz alleine. Auch hier sehen wir wieder ein Erdhörnchen, diesmal ein etwas frecheres, das vor uns hin und her rennt.

Wir essen in aller Ruhe unseren mitgebrachten Lunch und erst danach kommen weitere Wanderer.

Ein Ehepaar mit zwei Mädchen trifft ein und der Mann spricht mich sofort auf englisch an, er habe mich gestern schon auf dem Goldensides Trail gesehen, ich hätte dort fotografiert. Ich erinnere mich auch an ihn sowie seine Familie und antworte ihm auf französisch, was ihn verblüfft und erfreut, denn sie kommen natürlich aus Québec, wie wir gestern schon gehört haben. Es hat hier überhaupt sehr viele französischsprechende Leute unterwegs, wie uns auffällt.

Kurz nach 16 Uhr kommen wir wieder bei Jupi an und fahren nordwärts, überqueren den mit 1’300 müM höchsten Punkt des Dempster Highways. Wir fahren noch bis etwas ausserhalb des Parkes, wo wir ein schönes Plätzchen zum Übernachten am Wasser finden. Wir sehen viele kleine Felsen und grosse Steine aus dem Wasser ragen und lassen unsere Drohne wieder einmal steigen lassen, um die Szenerie von oben aufzunehmen.

Weiterfahrt mit Problemen

Am Tag darauf geht’s weiter, die Strasse hat immer noch viele Schlaglöcher, doch es scheinen uns etwas weniger zu sein als am ersten Tag bis zum Tombstone Park. Wir vermuten, dass viele Tagestouristen aus Dawson-City diesen Ort für eine Wanderung ansteuern und nicht weiter nördlich fahren.

Bettina fährt das erste Teilstück und nach dem Frühstücksstopp übernehme ich das Steuer. Ich will Jupi starten, doch er läuft nicht an. Komisch. Ich probiere es nochmals, jetzt klappt es. Als ich später nach einem Fotostopp den Motor wieder starten will, das gleiche Problem, zuerst dreht er leer und erst beim zweiten Mal springt er an. Irgendwann findet Bettina heraus, dass mit langem Vorglühen der Motor beim ersten Mal startet. Komisch. Ob wir schlechten Diesel getankt haben?

Wir tanken wie geplant an der ersten Tankstelle nach rund 360 km in Eagle Plains, ich fotografiere das Fahrzeug nach dem Tanken und Bettina schaut noch unter Jupi, alles trocken – was auch das Foto belegt.

In der Nähe von Eagle Plains war in den 70er Jahren Öl entdeckt worden, auch deshalb führt der Dempster-Highway hier durch. Der Ort besteht nur aus einer Tankstelle mit Werkstatt, einem ganzjährig geöffneten Hotel sowie dem Camp des Strassenunterhaltdienstes. Es gibt keinen Handy-Empfang nur ein kostenpflichtiges Wifi im Hotel.

Unterwegs stoppen wir immer wieder, lassen unsere Drohne steigen oder fotografieren vom Auto oder Autodach aus. Wir fahren weiter, die Landschaft ist wunderschön. An mehreren Stellen ist der Dempster-Highway eine Flugpiste, mit Schildern wird man darauf hingewiesen, dass man aufpassen soll und nicht stoppen darf. Beim Parkplatz namens Elephant-Rock sehen wir tatsächlich in der Ferne einen Elefanten auf der Bergkette stehen, nicht schlecht. Wir fahren weiter und überqueren am späteren Nachmittag den Polarkreis. Es ist das erste Mal, dass wir ihn mit Jupi überqueren.

Dieselverlust

Am Abend finden wir wieder ein schönes Plätzchen etwas abseits des Highway. Ich mache noch einen Brotteig und gehe danach nach draussen und schaue wieder unters Auto. Es tropft und hat Diesel am Boden. Ganz schlecht. Ich öffne die Motorhaube und habe das Problem rasch entdeckt, unser Zusatzdieselfilter ist defekt. Bettina schaltet schnell die Zündung ein und ich sehe, dass ein Teil abgebrochen ist und dort jetzt Diesel rausläuft. Mit dieser ganzen Konstruktion haben wir nun schon zum vierten Mal Probleme: Zuerst in Russland im Juni 2019, dann in der Türkei im Herbst 2019 und noch einmal im Winter 2019/2020 in der Lenzerheide. Es gibt nur eine Lösung, der Filter muss raus und ich muss dazu die Dieselleitung vom Tank zum Filter entfernen resp. so umpolen, dass sie direkt in den Motor führt. Um an die Dieselleitungen zu kommen, muss ich die ganze Einheit über dem Motor mit dem Luftfilter entfernen, doch diesen wollte ich sowieso mal reinigen, dann kann ich das auch gleich machen. Den Luftfilter klopfe ich aus, er ist gar nicht so staubig wie ich befürchtete. Allerdings hat sich einiges an Insekten darin gesammelt. Ich entdecke dabei, dass ein Gummi-Puffer fehlt, an dem die Luftfilter-Einheit eingeschoben ist. Da muss ich bei einer Mercedes-Garage einen Ersatz beschaffen.

Nach rund anderthalb Stunden ist die Operation beendet. Bettina startet den Motor und er springt wieder sofort an. Wir lassen ihn noch etwas laufen, es scheint alles dicht zu sein, jupi.

Und das Brot ist in der Zwischenzeit schön aufgegangen und kommt jetzt in den Ofen, alles ist gut.

Northwest-Territory

Am nächsten Morgen überqueren wir die Grenze zum Northwest-Territory, nach dem Yukon unser zweites Territorium und die insgesamt neunte von elf Regionen in Kanada. Und hier müssen wir zum ersten Mal die Uhr wieder um eine Stunde vorstellen, d.h. nur noch -8 Stunden zur Schweiz. Aber man kann es für diese paar Tage ja auch auslassen, merkt ja niemand…

Das Nordwest-Territorium ist wieder so ein Riesengebiet mit nur wenig Einwohner. Es hat eine Grösse von 1.142 Mil. km2, also etwa so gross wie Portugal, Spanien und Frankreich zusammen, bei nur 41’000 Einwohner. Bei der Gründung 1870 war das Territorium etwa drei Mal so gross, musste dann aber im Laufe der Jahre immer wieder Gebiete an andere resp. neue Provinzen abtreten, ähnlich wie der Kanton Bern in der Schweiz resp. dem früheren Stadt-Staat Bern der alten Eidgenossen, zu dem im 17. Jh. noch Teile der heutigen Kantone Waadt, Wallis, Fribourg sowie Aargau und später noch Teile von Solothurn, Basel Landschaft und Jura gehörten.

Interessant ist die Form der Autonummer: Als wohl eine der ganz wenigen Regionen der Erde ist diese nicht rechteckig, sondern hat die Form eines Bären – wäre doch auch etwas für den Kanton Bern…

Die Landschaft gefällt uns wie im Yukon sehr gut, kaum Bäume, immer etwas hügelig und sehr gute Fernsicht, natürlich auch dank dem schönen Wetter. Die Strassen scheinen uns auch etwas besser gewartet zu sein, d.h. es hat viel weniger Schlaglöcher und Waschbrett. Seit dem Tombstone Territorial Park hat es nur noch wenig Verkehr, hauptsächlich Freizeitverkehr, d.h. die Camper sind in der Mehrzahl, dazu vielleicht noch eine Handvoll Lastwagen pro Tag.

Fähre Peel River und Fort McPherson

Nach 540 km auf dem Dempster-Highway stehen wir am Ufer des Peel-River, kurz davor haben wir «seit langem» wieder einmal Handy-Empfang, genau genommen ist es das erste Mal auf dem Dempster-Highway überhaupt, dass wir wieder ins Internet können. Über diesen Fluss gibt es keine Brücke sondern eine kleine Kabelfähre. Im Winter, wenn der Fluss zugefroren ist, fährt man über das Eis, in der Übergangszeit gibt es hier kein Weiterkommen. Die Fähre ist gratis und fährt nach Bedarf, wir müssen kaum warten.

Die Ortschaft Fort McPherson am anderen Ufer sieht überhaupt nicht wie ein holzumzäuntes Fort aus, das sich gegen Indianer verteidigen muss, das Gegenteil ist der Fall. Die Mehrheit der Einwohner sind First Nations und es handelt sich um eine ganz normale Ortschaft. Die Hauptstrasse ist asphaltiert, die Nebenstrassen nicht, nur 700 Menschen leben gemäss Wikipedia hier. Hier ist auch die verschollene Patrouille der kanadischen Polizei begraben, die im Winter 1910/1911 mit ihren Hundeschlitten vom Weg abkam und den Weg zurück nicht mehr fand. Die Rettungspatrouille unter Korporal Dempster fand sie im März 1911 in der Nähe der Ortschaft, alle tot. Nach dem «Retter» wurde dann dieser Highway benannt.

Wir tanken hier Jupi nochmals voll und kaufen im dazugehörenden Laden noch ein paar Sachen ein. In diesem kleinen Laden sehen wir zum ersten Mal UHT-Milch in Kanada, die nicht gekühlt wird. Bis jetzt sahen wir immer nur Milch im Kühlschrank, nie UHT wie bei uns.
Wir fahren weiter Richtung der nächsten Flussüberquerung.

Probleme am Mackenzie-River

Nach rund 70 km erreichen wir das Ufer, wo die Flüsse Mackenzie River und Arctic Red River zusammenfliessen, in diesem Dreieck liegt auch die Ortschaft Tsiigehtchic und dank ihr gibt es erneut Handy-Empfang. Der Mackenzie River ist hier bereits ein breiter Strom, irgendwie habe ich ihn mir nicht so gross vorgestellt. «Die Fähre hat irgend ein Problem», sagt die vor uns wartende Amerikanerin zu uns. Ich steige aus, gehe näher ran (an die Fähre) und sehe, dass ein zu einem Wohnmobil umgebauter amerikanischer Schulbus bei der Ausfahrt steckengeblieben ist. Sein Anhänger kommt zu tief und steht auf…
Es dauert rund 30 Minuten bis eine Lösung gefunden wurde, die Fähre entladen werden kann und wir mit vielen weiteren Fahrzeugen drauf fahren können.

Wir fahren noch etwa 20 km weiter, bis wir einen schönen Übernachtungsplatz finden.

Zum arktischen Ozean nach Tuktoyaktuk

Am nächsten Morgen hat es Nebel, das sind wir uns gar nicht mehr gewöhnt. Bis Inuvik sind es noch etwa 100 km, unterwegs will das Wetter nicht so richtig aufklaren. Um uns wieder einmal etwas die Beine zu vertreten machen wir einen Stopp beim Campbell-Lake, lassen dort auch die Drohne starten. Aber das Wetter bleibt trüb.

Wir fahren weiter nach Inuvik, wo wir frisches Wasser bunkern, tanken und in einem Supermarkt noch einige frische Lebensmittel einkaufen. Was uns auffällt: In der Ortschaft hat es überall diese silbrigen Röhren, Utilidors genannt. Dies ist nicht etwa ein Fernheizungssystem sondern dadrin fliessen das Frisch- und Abwasser, isoliert natürlich. Die Röhren werden nicht wie bei uns unterirdisch gelegt, weil sonst der Permafrost auftauen würde, der Boden sich absenken würde und die darauf stehenden Gebäude kaputt gingen. Jedes Gebäude ist an diese Utilidors angeschlossen, auch der Wasserspender, wo wir Frischwasser tanken können.

Wir studieren in Inuvik den Wetterbericht und sehen auf all unseren Wetter-Apps, dass es heute Abend in Tuktoyaktuk am arktischen Ozean blauen Himmel geben sollte. Aus diesem Grund fahren wir gleich weiter und nehmen die letzten 140 km unter die Räder. Die Piste führt wieder zwischen vielen Seen durch, von oben muss es fantastisch aussehen, deshalb starten wir die Drohne.

Unterwegs flattern mehrmals Hühnervögel vor uns weg, bei der späteren Identifikation entdecke ich, dass es Schneehühner in ihrem Sommerkleid sind. Einmal entdecken wir sie rechtzeitig und können sie sehr gut fotografieren. Und dann sehen wir sogar noch drei Kraniche, so genial, auch wenn sie etwas weit weg sind.

Die Strasse wird immer schmieriger, ab und zu tröpfelt es jetzt auch etwas, wir scheinen den Regen einzuholen, der hier wohl vor kurzem noch stärker war. Da es immer schwieriger zu steuern wird, schalte ich den 4×4 dazu, so fährt es sich leichter. Kurz vor der Ortschaft Tuktoyaktuk hat es einen Stopp mit einer Informationstafel, wo wir anhalten. Jupi sieht wieder einmal total versaut aus, jedenfalls der hintere Teil hat die Einheitsfarbe Beige.

Ein First Nations aus Tuktoyaktuk, der mit seiner Frau auf einem Quad ankommt, spricht uns an: Woher wir kommen, wie lange wir bleiben werden. Er erzählt uns etwas von seinen Tätigkeiten als Jäger, bemerkt aber auch, dass sie hier nicht verstehen, warum wir Touristen diesen langen Weg nach Tuktoyaktuk auf uns nehmen, um dann nur so kurz, oft nur wenige Stunden zu bleiben. Es ergibt sich ein längeres und sehr interessantes Gespräch.

Am Ziel unserer Träume – Arktischer Ozean – Nordwest-Passage

Für mich ist dieser Ort ein weiteres Traumziel, ähnlich wie 2019 die Fahrt zum Elbrus im russischen Kaukasus. Diesmal ist es weniger der Ort selbst, sondern die Nordwest-Passage, von der ich lange träumte, sie einmal mit dem Segelschiff durchsegeln zu können. Die Nordwestpassage ist der Schiffsweg der von Südgrönland über Nordkanada bis nach Alaska und zur Beringstrasse führt. Diese Route ist nur im Sommer befahrbar, im Winter ist sie zugefroren. Wegen der Klimaerwärmung bleibt die Passage jedoch immer länger eisfrei.
Jetzt bin ich hier, zwar ohne Segelschiff aber mit Bettina und Jupi, das ist absolut genial.

nach 13’200km das Traumziel erreicht

Wir haben den 14. August 2022, seit Halifax am 28. Mai haben wir mit Jupi 13’200 km in Kanada zurückgelegt. Das Wetter hält sich heute an die Wettervorhersage, es klart immer mehr auf. Tuktoyaktuk ist der nördlichste Ort, der ans kanadische Strassennetz angebunden ist. Mit 69° 29′ nördlicher Breite liegt er auf etwa der Höhe von Tromsö in Norwegen, dort geht es dann aber noch über 200 km (Luftweg) weiter nach Norden bis ans Nordkap, das auf 71° 10′ liegt.

Wir bleiben die Nacht hier und spazieren am nächsten Tag durch alle Strassen. Diese sind nicht asphaltiert sondern braun und teilweise schlammig, alles sieht in unseren Augen etwas trostlos und schmuddelig aus. Was auch nicht schön ist: Bei der Einfahrt in die Ortschaft sieht man als erstes die Müllhalde, wo aller Abfall deponiert wird.
Auf den Strassen sehen wir nicht viele Leute, viele Quads oder Pickups fahren vorüber und einige spielende Kinder. Dafür entdecke ich unterwegs einen vorwitzigen Marder, von dem ich zuerst dachte, es sei ein Hermelin. Gemäss Bestimmung ist es ein «Echter Marder» und sieht mit seinem braunweissen Fell sehr hübsch aus.
Und es hat praktisch keine Mücken hier.

Im Supermarkt ist es sehr aufgeräumt und absolut sauber. Wir sehen auch, dass man hier die dreckigen Schuhe ausziehen kann oder soll, dasselbe erleben wir auch, als wir auf die Gemeindeverwaltung gehen um eine Magnet von Tuktoyaktuk zu kaufen.

Pingo

Tuktoyaktuk ist berühmt für seine Pingos, das sind im Permafrost entstandene runde Hügel, die hier überall aus der Landschaft schauen. Ihr Inneres besteht aus einem Eiskern, aussen herum hat es Erde. Im Ort selber hat es zwei Stück, die allerdings nicht so typisch aussehen. Die schönen Pingos liegen ausserhalb und sind nur über den Wasserweg erreichbar – oder mit der Drohne. Allerdings gibt es um die schönsten ein Sperrgebiet, doch zusammen mit dem Teleobjektiv kriegt man ein gutes Bild von den Gebilden.

Inuvik zum Zweiten

Zurück in Inuvik bunkern wir erneut Wasser am Campingplatz und treffen dort einen Kanuten, den wir bereits vor rund zwei Monaten im Grassland NP getroffen haben. Er erzählte uns damals, dass er mit dem Kanu vom grossen Sklavensee bis nach Tuktoyaktuk paddeln wolle, über 1’800 km weit. Jetzt erzählt er uns, dass er hier die Tour beende, weil es einfach zu viel Wind habe und er am Schluss die rund 40 km über den arktischen Ozean fürchte. Er habe immer gedacht, es gäbe eine viel stärkere Strömung, doch meist hätten sie soviel Gegenwind oder Seitenwind gehabt, dass sie immer stark paddeln hätte müssen.

Wir besichtigen Inuvik ausführlich und es gefällt uns sehr. Praktisch alle Strassen sind hier asphaltiert, viele Häuser haben Blumen, alles sieht sauber und anmächelig aus. Wir finden bei der Iglu-Kirche einen Plan für einen «Stadt-Rundgang» und laufen diesen ab und kommen dabei unter anderem an einem zum Gewächshaus umgenutzten Eishockeystadion vorbei. Die Schule hier heisst Aurora-College, wer möchte da nicht in die Schule gehen…? Und wir finden mehrere Souvenir-Shops, wo wir ein paar Andenken an diese Reise kaufen.

Am Abend gehen wir zur Feier des Tages auswärts essen, bei Alestine’s gibt es ausgezeichneten Weissfisch mit knackigen Pommes-Frites und als Beilage einen Eskimo-Donut, eine Art Brotersatz, mmmhhhhh.

Um den Boat-Lake am Rande der Ortschaft gibt es einen schönen Wanderweg, den wir für unsere Joggingrunde benutzen, um unsere Glieder wieder etwas zu bewegen. Ebenfalls gibt es hier einen Übernachtungsplatz, allerdings beginnt hier der Verkehr früh.

Rückweg nach Dawson-City – erste Herbstfarben

Auf dem Rückweg erscheint uns die Strasse in einem besseren Zustand als auf dem Hinweg, vielleicht ist sie wegen dem Regen etwas weicher geworden oder wegen den tiefen Temperaturen ist unser Pneu-Luftdruck etwas geringer. Auf jeden Fall kommen wir gut vorwärts und suchen nach Herbstboten. Wir finden einige Wiesen und Bäume, die tatsächlich farbiger geworden sind.
Und dann sehen wir doch noch drei Grizzly-Bären, allerdings nur weil dort schon andere Leute angehalten haben. Ich benutze Jupi wieder einmal als Kameraplattform, sind die Bären doch recht weit weg.

Polarlichter in Dawson-City

Wir kommen nach neun Tagen wieder in der Goldgräberstadt Dawson-City an und als erstes erhält Jupi eine grosse Wäsche. Unter dem Fahrzeug hängen mehrere Kilo Dreck, alles ist dick damit bedeckt, d.h. Tank, Unterfahrschutze, Federung, Auspuff etc., ich staune.

Schon mehrmals sind wir auf dieser Reise in der Nacht aufgestanden um zu sehen, ob wir Polarlichter sehen können. Doch bis jetzt war es immer zu wenig dunkel und meistens auch stark bewölkt.
Doch heute, am Tag unserer Rückkehr in Dawson-City geben die diversen Aurora-Seiten einen hohen Kp-Index von 6 oder noch höher an, d.h. sehr grosse Wahrscheinlichkeit von starkem Polarlicht und wir sind ja wieder im «Süden», es sollte etwas dunkler werden, allerdings immer noch nicht richtig Nacht. Tagsüber ist es bedeckt, doch für die Nacht sieht der Wetterbericht in Dawson-City sehr gut aus, es soll ab 23 Uhr aufklaren. Wir fahren auf den Hausberg, dem Midnight Dom. Dort hat es einigen Betrieb zum Sonnenuntergang.

Wir kommen mit einem Deutschen ins Gespräch, der erzählt, dass gemäss seiner Erfahrung die Polarlichter so gegen 23:30 Uhr kommen. Wir haben einmal mehr Wetterglück und kurz vor Mitternacht beginnt das Spektakel. Einmalig vorallem, weil am Horizont teilweise immer noch das Abendrot sichtbar ist. Etwa «unangenehm» sind die doch sehr vielen Leute hier, die einem immer wieder vor die Kamera laufen. Aber logisch, dass auch sie die einmalige Show voll geniessen wollen.

Die letzte Aufnahme habe ich tatsächlich mit meinem Smartphone Samsung Galaxy S21 gemacht, einfach so zum Ausprobieren. Alle übrigen mit meiner Nikon Z6ii, Objektive 15mm/F2 und 50mm/F1.8, Belichtungszeiten der hier gezeigten Aufnahmen 0.25 – 0.6 Sekunden, ISO 6400.

Erfahrungen Dempster-Highway

Strassenzustand

Jede und jeder erzählt etwas anderes bezüglich Strassenzustand. Der Grund liegt daran, dass an der Kiessstrasse dauernd gearbeitet wird, es sind verschiedene Strassenunterhalts-Equipen mit schwerem Gerät wie Wassersprenger, Grader, Walzen etc. unterwegs um die Strasse wieder auszuebnen. Je nach dem wo sie gerade waren, ist halt dieses oder jenes Stück besonders gut etc. Bei uns war auf der Hinfahrt das Teilstück zum Tombstone Territorial Park sehr schlecht, auf dem Rückweg war ein grosser Teil davon überarbeitet. Generell waren bei uns die Strassen im Nordwest-Territorium in einem viel besseren Zustand, als im Yukon-Territorium.

Wichtig ist in jedem Fall, dass man stabile Pneus hat, möglichst AT-Pneus (All-Terrain), wir benutzen seit 2017 den BF-Goodrich T/A K02 der gem. Hersteller für 50% On-Road (Asphalt) und 50% Off-Road konzipiert ist. Wir haben seit unserer Ankunft in Kanada einen Offroad-Anteil von etwa 20%. Wir verringern auf Pisten fast immer unseren Luftdruck, so werden Bodenunebenheiten besser geschluckt und das Fahrzeug (sowie Fahrerin und Fahrer) etwas geschont.
In Inuvik viel uns auf, dass auch PWs den BF-Goodrich T/A fahren, auch die meisten Fiat Ducatos Kastenwagen fuhren hier diesen Reifentyp.

Versorgung

Dawson-City schien dieses Jahr vom Ansturm der vielen Touristen etwas überfordert zu sein, insbesondere der grössere General Store war dauernd am Nachfüllen der Regale, viele Artikel wie Orangensaft, Apfelsaft, Cola/Pepsi aber auch Eisbergsalat waren teilweise nicht mehr vorhanden. Im General Store viel uns zudem auf, dass sehr viele Lebensmittel abgelaufen war und viele Früchte und Gemüse schlecht waren, man muss da sehr aufpassen, was man kauft. Dafür gab es hier gute Melonen und sehr gute Kirschen. Das Angebot in Inuvik war umfassender, so war es dort kein Problem laktosefreie Milch, Pepsi oder Eisbergsalat zu erhalten. Aber die Preise sind noch etwas höher, als sie bereits in Dawson-City sind, so kostete ein Liter laktosefreie Milch gegen fünf Franken.
Auf dem Hinweg tankten wir bei jeder Tankstelle Diesel, auf dem Rückweg liessen wir diejenige von Eagle Plains aus. Man sollte aber sicher sein, dass man jederzeit eine Tankstelle überspringen kann, wenn diese nicht funktioniert oder bedient ist. Einige Tankstellen hatten keine Automaten und waren nur zu Bürozeiten bedient, man konnte also nicht in der Nacht tanken. So war z.Bsp. die günstige Tankstelle am Anfang des Dempster Highways auf der Rückfahrt wegen Stromausfall nicht in Betrieb gewesen. Das Bezahlen mit Kreditkarte war aber immer möglich.

Handy-Empfang

Auf der Yukon-Seite gab es nirgends auf dem Dempster-Highway Handy-Empfang. Im Nordwest-Territorium hatten wir vor der Ortschaft Fort McPherson bei der Kabelfähre über den Peel-River, nach ca. 520 km den ersten Empfang, das war bei uns nach drei Tagen. Danach auch bei der zweiten Fähre über den Mackenzie River in Tsiigehtchic und natürlich in und um Inuvik und am arktischen Ozean in Tuktoyaktuk.

Man merkt erst ohne Handy-Empfang, wie viel man von diesem dauernden Nachrichten lesen abgelenkt wird. Durch den seltenen Empfang haben wir unsere Reiseführer viel intensiver gelesen. Auch die Unterlagen aus dem Visitor-Center von Dawson-City haben wir regelmässig konsultiert, erhielten wir dort doch ein kleines Büchlein, in dem alle interessanten Punkte mit Kilometerangabe vermerkt sind. Es gibt das hilfreiche Büchlein auch als PDF-Download, der Titel lautet «Dempster Highway Travelogue». Am besten danach Googlen, denn die Links dazu wechseln immer mal wieder.

Unsere Route

Im folgenden unsere Route auf der Karte, die wir mit Jupi während dieses Bericht-Zeitraums gefahren sind. Jupi sendet alle 15 Minuten seine Position via Spot Satelliten-Tracker an uns, deshalb folgt die Route nicht genau der Strasse, sondern macht etwas «Abkürzungen».

Die aktuelle Position von Jupi, wie auch die gesamte Route unserer Nordamerika-Reise seit dem 26. Mai 2022, ist auf dieser Seite zu finden: https://www.jupi.bvision.ch/jupispot/

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