Kasachstan

Kasachstan ist mit 2.7 Mil km2 flächenmässig der grösste Binnenstaat der Erde und absolut gesehen das neuntgrösste Land unseres Planeten. Darin leben 18.4 Mil. Einwohner, was eine Bevölkerungsdichte von 7 Einw./km2 ergibt (CH = 207 Einw./km2, D = 232 Einw. /km2, F = 103 Einw./km2). Die Hauptstadt hiess bis vor kurzem noch Astana, wurde aber zu Ehren des langjährigen (ehemaligen) Präsidenten Nursultan Nasarbajew in Nur-Sultan umbenannt. Die Stadt hat schon einige Namenswechsel hinter sich: Von Akmolinsk (Ak Mola) zu Gründerzeiten um 1830 nach Zelinograd (1961) nach Aqmola (1992) nach Astana (1998) und jetzt eben seit dem 23. März 2019 Nur-Sultan.

Bezüglich Verkehr wurden wir von unserer Tourbegleitung einerseits vor dem Strassenzustand und andererseits vor den sehr „aufmerksamen“ Verkehrspolizisten gewarnt, d.h. die Verkehrsregeln (Geschwindigkeitslimiten, Sicherheitslinien, Anhalten vor Eisenbahnübergängen etc.) sind penibel einzuhalten, sonst gibt es Bussen.
Die Strassenqualität erlebten wir relativ rasch nach der Grenze und erinnerten uns an die wunderbaren Pisten der Mongolei. Hier in Kasachstan trafen wir auf teilweise völlig ausgefahrene Asphaltstrassen, wahrscheinlich den heissen Sommern und schweren Lastwagen geschuldet.
Dann gab es natürlich auch immer wieder Schlaglöcher, die plötzlich nach einigen guten Strassenkilometern auftauchten, wenn man nicht mehr so aufmerksam war und dann hineinkrachte. Am fiesesten waren aber die fast unsichtbaren Querrillen: Durchfuhren wir diese, so ging es zuerst leicht auf und nieder, dann etwas stärker und irgend einmal hatte man das Gefühl abzuheben, wenn man nicht aprupt auf das Bremspedal drückte. Rein optisch waren diese fast nicht zu sehen – nur zu spüren.

Was für uns neu war, dass an den Strassenrändern resp. Rastplätzen immer wieder Rampen waren, wo man mit dem Fahrzeug rauffahren konnte um an den unteren Teil des Fahrzeuges zu kommen. Diese Chance liessen wir uns natürlich nicht entgehen und begutachteten unser Fahrzeug so mal ausführlich von unten.

Die Landschaft in diesem Riesenland hat einige Facetten, von flacher Steppe über liebliche Hügel bis zu Hochgebirge ist alles vorhanden. Am Anfang sahen wir vorallem die riesigen Steppen, für uns exotisch aber irgendwie auch langweilig, da so flach. Bei den bis über 40°C heissen Sommern kann das dürre Gras- und Buschwerk aber leicht in Brand geraten, wie wir mit eigenen Augen sehen und die Hitze auch spüren konnten.

Almaty, die Hauptstadt während der Zeit als Kasachstan ein Teil der Sowjetunion war (1936-1991), liegt am Rande der Berge, genauer des „Tian Shan“ genannten Gebirgszuges. Hier übernachtete die ganze Gruppe an der Talstation einer Wintersportanlage mit Eislaufstadium, Gondelbahn, Sesselliften etc. Wir fuhren mit der Gondelbahn bis auf 3’200müM und unternahmen dort eine Wanderung bis auf den 3’500müM liegenden Shymbolak-Gipfel. Von dort sieht man Gipfel, die bis zu 5’000 Meter hoch sind. Die Seilbahnen sind übrigens ein Kooperationswerk von schweizerischen und österreichischen Firmen.

Nach den Bergen um Almaty fuhren wir via Turgen-Schlucht, die uns etwas an unsere Alpen erinnerte, direkt zum wieder für uns sehr exotischen Sharyn Canyon (auch Charyn Canyon geschrieben). Im Internet lasen wir darüber und entschlossen uns spontan schon einen Tag vor der Gruppe dorthin zu reisen und die Turgen-Schlucht „links liegen zu lassen“. Wir fühlten uns plötzich in den Westen der USA versetzt, denn die Formationen dieses Canyons könnte man als Mix von Bryce Canyon (Farben und Formen) sowie dem Grand Canyon (Flusstal) bezeichnen. Insbesondere am Morgen früh fanden wir die Farben und Formen am eindrücklichsten, als wir bereits kurz nach fünf Uhr in die Schlucht runter stiegen. Und in der Nacht erlebten wir die Sterne so klar wie schon lange nicht mehr, leider störte aber das Licht einer im nordosten liegenden Mine den Eindruck etwas. Trotzdem, wo sieht man schon die Milchstrasse fast bis an den Horizont, wo sieht man die Sterne des kleinen Wagens so klar, auch wenn er eher tief am Horizont steht? Sehr viel schliefen wir die (leider nur) zwei Nächte nicht, die wir dort verbrachten…

Und dann ging es schon weiter nach Kirgistan, wo wir in einer absoluten Rekordzeit von knapp einer Stunde alle Grenzformalitäten erledigt hatten. Der Grund soll in der Eurasischen Zollunion liegen, zu der neben Russland auch Kasachstan, Kirgistan und weitere Länder gehören. Für Kirgistan mussten wir kein einziges Papier ausfüllen, es wurde nur der Pass eingescannt und das Fahrzeug kurz inspiziert. Von Vorteil erschien Bettina und mir auch, dass wenn man erst als etwa zehntes Fahrzeug unseres Konvois die Grenze passierte, dann die Zöllner schon etwas „gesättigt“ von ihren „Überprüfungsaufgaben“ sind. Das letzte Fahrzeug benötigte sogar nur noch 35 Minuten…

Auf der Etappe durch Kasachstan gab es nur kleinere Defekte oder Probleme: Beim Unimog lösten sich die Schrauben der Motorkühlerbefstigung, so dass er diese benahe verloren hätte. Bei einem Schlosser konnte das Malheur einfach behoben werden.
Der 2018er-Iveco mit dem Motorproblem (Notlauf seit Mongolei und damit ein eine Werkstatt ins 800km entfernte russische Novosibirsk fahren) holte uns wieder ein, nachdem er dort rund 10 Tage in einer Iveco-Garage stand. Die Ursache der Fehlermeldung und damit des Notlaufs konnte dank massiver Unterstützung aus Deutschland gefunden und behoben werden: Sie hatte nichts mit Euro 5 oder 6 zu tun, war auch kein Sensor- oder Softwareproblem sondern ein verstopfter dünner Schlauch des Turbosystems. Dieser wurde mit einem 2mm Bohrer wieder aufgebohrt und gelöst war das Problem. Die Ursache der Verstopfung ist allerdings unklar, denn es handelt sich um ein geschlossenes System, d.h. da gehen keine Abgase oder Frischluft durch, ev. ist es der Kunststoff des Schlauchs selbst.
Der Hymer-Vollintegrierte trat die Heimreise über Russland an, weil das Fahrzeug nicht mit den Pisten Zentralasiens „gequält“ werden solle.
Bei uns schwächelt die Aufbaubatterie (AGM/120Ah), d.h. am Morgen ist die Spannung oft so tief (weniger als 11.5 V), dass einerseits der Kühlschrank nicht mehr lange läuft und andererseits der Dieselboiler wegen Unterspannung nicht mehr starten kann, obwohl wir erst rund 35% der Strom-Kapazität verbraucht haben. Da wir sowieso meist immer erst ein Stück fahren, bevor wir frühstücken, ist dies nicht ein so grosses Problem, aber trotzdem störend. Die Original-AGM von Büttner ging uns bereits nach einem Jahr kaputt, danach haben wir eine billigere AGM als Ersatz gekauft, die nun auch ziemlich genau ein Jahr alt ist. Unser Kompressor-Kühlschrank ist klar unser grösster Stromverbraucher und bei den warmen Temperaturen, oft über 30°C, saugt er ziemlich Strom um die Temperatur von Kühl- und Gefrierfach tief halten zu können, wobei für uns die Regelung ziemlich undurchsichtig ist. Wir hoffen, dass die Batterie bis zum Schluss dieser Reise im Dezember durchhält, danach werden wir sie wohl durch einen Lithium-Akku (LiFePo4) mit 200Ah ersetzen. Der Markt und die Erfahrungen für den Wohnmobilbereich dafür werden immer grösser und die Preise immer tiefer. Weiter haben wir festgestellt, dass unsere langen Solarpanele auf diesen schlechten Strassen ins Schwingen kommen. Bei einem andern Fahrzeug haben wir bereits eine Lösung gesehen, wie wir sie mit einem Winkelblech in der Mitte fixieren können.

Übrigens: Ab sofort ist die Kommentarfunktion eingeschaltet. Bettina und ich freuen uns über jede Rückmeldung und auch allfällige Fragen. Wir bitten euch bezüglich unseren Antworten einfach um etwas Geduld, da wir sehr oft am Abend kein Netz haben.

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3 Antworten

  1. Hannelore Stucki sagt:

    Guten Abend meine Lieben, ich sitze in Papis Stuhl und freue mich an euren Abenteuern, und den wunderschönen Fotographien. Mit grossem Interesse habe ich die Berichte gelesen, aber einmal lesen reicht nicht aus, am Wochenende werde ich mich noch ein weiteres Mal daran erbauen und erfreuen. Heute war ich voraussichtlich für eine Weile das letzte Mal in der Zahnklinik, Es gibt jetzt eine Pause, Kanada-Ferien Pause. Bin froh! Ich habe aber noch einiges zu tun, bevor ich fort kann, aber es liegt ja auch noch eine Woche vor mir, ich werde es schon schaffen. Ich wünsche euch ein ereignisreiches Wochenende und sende euch tausend Grüsse ? ? ? Mami Hannelore

  2. Moin,
    ich bin über das Womo-Forum auf eure beneidenswerte Seite gestoßen. Meine Antwort dort (DigiMik/Mikesch) dürfte da wohl etwas daneben sein, ihr seid ja schon auf großer Tour, egal…
    Eine großartige Tour und toll zu lesen! Und als ambitionierter Knipser entfährt mir bei euren Bildern ein „Boahhh…“
    Eine Frage hätte ich: Habt ihr den Sprinter modifiziert? Ich meine DPF etc…
    Ich wünsche euch immer genug Luft unterm Diff und eine weitere stressfreie tolle Reise und ihr habt einen neuen Fan gewonnen!

    LG vom Mikesch

    • bvision sagt:

      Hallo Mikesch
      Es freut mich sehr, dass du auf meine Webseite gestossen bist und sie dir gefällt. Auch du hast ja eine wunderbare Seite, habe ich doch deine Berichte über eure Nordamerika-Tour auf deiner Webseite immer mit sehr grossem Interesse gelesen! Sie waren eine grossen Inspiration für meine Frau und mich.

      Zu deiner Frage: Wir haben bei Markus Gruse (Schaknat-Elektronik) für diese Reise eine Kennfeldoptimierung durchführen lassen. Markus hat bei der Programmierung der Motorsteuerung der Mercedesmotoren mitgearbeite und kennt deren 400 Parameter aus dem FF. Bei unserer Kennfeldoptimierung wurde die Leistung um ein paar PS gesteigert, der Verbrauch um ein paar Deziliter gesenkt, eine Optimierung für Höhen bis 4’000müM durchgeführt und die Abgasrückführung abgeschaltet. Die AdBlue-Steuerung wurde soweit modifiziert, dass wir sie jederzeit abschalten könnten, was bis jetzt aber nicht notwendig war, da bis jetzt immer erhältlich. Der DPF ist nach wie vor drin, gemäss Markus haben die Mercedes DPF der Euro-6 Motoren eine grössere „Maschendichte“ als diejenigen von Euro-5 Motoren, d.h. der Motor verträgt, zusammen mit der abgeschalteten Abgasrückführung, schlechteren Diesel besser. Er empfiehlt den Ausbau des DPF erst für Südamerika.

      Beste Grüsse aus Usbekistan
      Reto

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