Picos de Europa – zu Fuss und mit Jupi über Stock und Stein

Die Picos de Europa sind ein Teil des kantabrischen Gebirges in Nordspanien, d.h. in der Grenzregion der Provinzen Kantabrien, Asturien und Kastilien-Léon. Das Gebiet liegt rund 20km von der Biskaya entfernt und hat gemäss Wikipedia über 200 Gipfel die höher als 2000m sind, der höchste misst 2648m. Die «Bergspitzen Europas», so die deutsche Übersetzung, entstanden durch den Zusammenstoss der iberischen Halbinsel mit der afrikanischen Platte.

Es gibt den Nationalpark Picos de Europa, der einen grossen Teil des Gebietes abdeckt und wo es viele Wandermöglichkeiten mit genialen Aussichtspunkten gibt. Das wilde Übernachten ist darin genau so verboten, wie das Fliegen mit der Drohne. In den letzten Tagen haben wir in diesem Nationalpark einige sehr schöne Wanderungen unternommen, die ich in diesem Beitrag zeigen möchte.

Cares-Schlucht

Die Anfahrt zur Schlucht führte uns an einem Berg vorbei, der dem Matterhorn überraschend ähnlich sieht, allerdings ohne Schnee, dafür mit grünen Wiesen auf dem Gipfel. Vielleicht sieht das Matterhorn ja in ferner Zukunft und bei fortgeschrittener Klimaerwärmung auch einmal so aus.

Matterhorn in Spanien? Handyaufnahme aus dem fahrenden Auto

An verschiedenen Stellen im Internet wird die Cares-Schlucht als die schönste Schlucht Spaniens bezeichnet. Spektakulär ist unserer Meinung nach vor allem der rund 13km lange Wanderweg für sich selbst, der an vielen Orten massiv in den Felsen hinein gehauen wurde und teils sogar durch Tunnels führt. Der Wanderweg folgt einem anfangs des 20. Jh. gebauten Wasserkanals, der ein Wasserkraftwerk versorgt. Dieser Kanal ist ebenfalls sehr eindrücklich, verläuft er doch zu vielen Teilen in Tunnels, wahrscheinlich alle von Hand gehauen, denn mit grossen Baufahrzeugen kam man ja nicht in diese Schlucht und Helikopter gab es damals auch nicht.

Wir übernachteten mehrere Kilometer weit weg vom Startpunkt im Nationalpark auf einem grossen Parkplatz und zum ersten Mal seit langem hatten wir dabei absolut keinen Handy-Empfang. Nun, wir wussten uns am Abend trotzdem zu unterhalten.

Am Morgen fuhren wir noch bei Dunkelheit los, um uns einen der wenigen Parkplätze am Startpunkt der Wanderung zu sichern, erst hier frühstückten wir. Als wir dann loswanderten, hatte es noch Nebel, trotzdem waren schon sehr viele Leute unterwegs. Nach rund zwei Kilometer und einigen Höhenmeter waren wir dann über dem Nebelmeer, der Ausblick gefiel uns und der Aufwand, mit welchem dieser Weg sowie der Wasserkanal vor über hundert Jahren gebaut wurde, erstaunte uns.
(wie immer: auf Bild klicken, damit es schärfer und grösser erscheint)

Man läuft in die Schlucht rein und dann den gleichen Weg wieder zurück, es ist also keine Rundwanderung. Bei Halbzeit stärkten wir uns und dabei entdeckte Bettina, dass meine Wanderschuhe immer schlimmer aussahen, d.h. die Sohle löste sich an mehreren Stellen, ja sogar der ganze untere Teil des Schuhes löste sich vom oberen ledernen Teil. Den Rückweg überlebte der Schuh noch, mit abgerissener Sohle wäre es schwierig geworden.

Verschwitzt kamen wir von unserer Wanderung zurück und nahmen noch auf unserem Parkplatz eine erfrischende Dusche im Jupi, schon praktisch, wenn man immer das ganze Haus dabei hat. Als wir danach zurück fuhren, entdeckten wir eine sicher 3km lange Kolonne von geparkten Autos entlang der Strasse, plus noch diverse Fahrzeuge auf mehreren Parkplätzen. Viele Spanier scheinen diese Woche noch Ferien zu haben, unser frühes Aufstehen hatte sich also gelohnt.

Wir fuhren ins Tal runter, dem nächsten Decathlon-Sportgeschäft entgegen, wo ich einen neuen, etwas leichteren Wanderschuh kaufte. Wobei, heute sagt man ja nicht mehr Wanderschuh sondern Trail- oder Trekkingschuh…

Fuente Dé

Die Ortschaft Fuente Dé liegt in einem Talkessel auf etwa 1000m Höhe und hat eine Seilbahn, die auf ein 1740m hohes Plateau führt. Unser Plan war, mit der Seilbahn hinauf zu fahren und dann rund 14km runter zu wandern, optimal um meine neuen Schuhe einzulaufen. Natürlich kam es anders, denn wir hatten den 12. Oktober, Kolumbus-Tag und spanischer Nationalfeiertag. Es wimmelte von Leuten und für die nur 15 Erwachsene fassende Gondel der Seilbahn hätten wir rund zwei Stunden anstehen müssen. So drehten wir die Route um und liefen die rund 14km den Berg hoch. Oben angekommen fanden wir, dass es auch ohne Gondel geht und wir den steilen Direttissima-Abstieg von rund 4km machen könnten. Wir hatten zwar etwas Mühe den korrekten Einstieg zu finden, auch waren die ersten paar hundert Meter wirklich sehr sehr steil, doch danach lief es gut. Schlussendlich hatten wir rund 21km zurückgelegt, etwas mehr als wir ursprünglich vor hatten. Aber meine neuen Schuhe bewährten sich auf ihrer ersten Wanderung bestens.

Am zweiten Tag wollten wir zum berühmtesten Berg der Picos de Europa wandern, zum 2518m hohen Naranjo de Bulnes, der wie ein Zuckerhut aussehen soll. Dieses Mal reservierten wir die Seilbahn schon am Vorabend via Internet, so dass wir nicht anstehen resp. zu Fuss hoch mussten. Doch als wir unsere Schuhe und Rucksäcke aus dem Heckstauraum holten entdeckte ich, dass eine Melone implodiert war, d.h. alle Flüssigkeit ausgelaufen. Zum guten Glück lag die Melone in der Getränkebox, so dass sich die Sauerei in Grenzen hielt und schnell alles wieder geputzt war.

Flüssigkeit einer Melone, eine ganz schöne Menge

Wir fuhren um 10:30 Uhr mit der Seilbahn hoch und machten uns auf den Weg. Den ersten Teil kannten wir schon vom Vortag, nach dem Abzweiger ging es dann unterhalb einer steilen Wand Richtung Norden. Der Weg wurde ab da sehr steinig und die Wanderung ziemlich unangenehm, wir liefen sozusagen dauernd durch ein Geröllfeld, es war extrem rutschig. Deshalb beschlossen wir nach etwa 5km wieder umzukehren. Den Naranjo de Bulnes sahen wir dann leider nicht – vielleicht ein anderes Mal von einem anderen Ort aus.

Jupi darf Offroad

Um zum nächsten Wandergebiet in der Nähe von Covadonga zu kommen, nahmen wir eine Abkürzung quer über die Berge, statt über 100km hatten wir so nur 70km zu fahren. In unserer App Wikiloc hatte ich entdeckt, dass es hier eine offizielle 4×4 – Piste gibt, quer durch den Nationalpark. Als dann Bettina noch ein Video auf YouTube von einem anderen Mercedes Sprinter fand, war die Entscheidung gefallen, endlich konnten wir mit unserem Bimobil EX366 wieder mal etwas Offroad-Piste fahren, da wollten wir rüber.

Der erste Teil führte durch einen Wald, den wir bereits bei unserer ersten Wanderung begangen und für genügend frei für unsere Höhe befunden hatten. Danach gab es eine sehr ausgewaschene Stelle, dessen Durchfahrt Bettina fotografierte und wo Jupi zu springen scheint, ein Rad in der Luft. Dies zeigt die im Gegensatz zu einem richtigen Geländefahrzeug, wie z.Bsp. einem Land Rover oder Unimog, die nur minimale Verschränkung des Mercedes-Sprinters. Doch dank automatischer Differenzialsperre wurde dieses Rad vor zu starkem Durchdrehen abgebremst und ausser einem Ruckeln merkte ich eigentlich nichts davon. Der Rest war kein Problem, es gab allerdings noch zwei sehr schmale Durchfahrten, wo wahrscheinlich ein grösseres Fahrzeug wie ein Unimog nicht mehr durchgepasst hätte. Auf der Passhöhe hielten wir an und bereiteten uns das Frühstück zu, einfach herrlich, wenn man immer alles dabei hat und praktisch überall alles machen kann.

Die anschliessende Fahrt ins Tal runter nach Sotres führte auf dem Grat eines Dammes entlang, wahrscheinlich eine Gletschermoräne, interessant. Danach wurde die Strasse breiter aber recht steil und kiesig, immer wieder griff das ABS ein. Und uns kam noch ein Fahrzeug entgegen, auch ein Mercedes Sprinter 4×4.
Jupi meisterte alles problemlos.

Zum Mirador de Ordiales

Von Sotres fuhren wir weiter auf Normalstrasse nach Covadonga. Diese Region ist sozusagen das Rütli von Spanien, denn hier begann der erfolgreiche Kampf gegen die Mauren, die ab dem Jahre 711 einen grossen Teil der iberischen Halbinsel besetzt hielten. Im Jahr 722 fand hier die Schlacht von Covadonga statt, in welcher die christliche Streitmacht der Asturier siegreich gegen die muslimischen Truppen aus Nordafrika hervorgingen. Dieser Erfolg gilt als Beginn der sogenannten Reconquista (Rückeroberung), wo die Muselmanen langsam aber stetig zurück gedrängt wurden. Die Betonung liegt auf langsam, denn es dauerte noch über 700 Jahre bis 1492 mit der Einnahme von Granada die arabischen Herrscher wieder raus waren.

Doch uns interessierte weniger die Geschichte Spaniens sondern eine schöne Wanderung über grüne Wiesen und karstige Felslandschaften, rauf zum Mirador de Ordiales (Mirador = Aussichtspunkt). Auch diese Wanderung hatte wir mit der App Wikiloc ausgearbeitet, wirklich ein sehr hilfreiches Tool. Da hier die Einfahrt auf der Strasse des Nationalparks ab 8:30 Uhr nicht mehr möglich war, standen wir kurz nach 6:30 auf und fuhren bei völliger Dunkelheit zum Startpunkt auf rund 1040m hoch.

Hier frühstückten wir und begaben uns dann auf die rund 22km lange Wanderung. In der ersten Morgensonne leuchteten die Bäume in den Herbstfarben. Und weiter oben sahen hier zum ersten Mal spanische Gämsen, die viel brauner sind als unsere in den Alpen. Die einen waren scheu und rannten sofort weg, andere schauten uns neugierig zu, als wir sie zu fotografieren versuchten. Insgesamt sahen wir wohl zwischen 30 und 40 Tiere in mehreren Gruppen.
Auch rannten uns immer wieder ganz kleine Eidechsen mit einem blau leuchtenden Schwanz um die Füsse. Trotz intensiver Recherche im Internet fanden wir die korrekte Artenbezeichnung dazu nicht.

Es war eine wunderbare Wanderung und zu unserer Überraschung waren wir die Ersten, die am Mirador ankamen. Erst beim Abstieg kam uns eine Gruppe mit Jugendlichen entgegen, möglicherweise ein Schulausflug. Und ganz unten wurden wir dann von einer Wolkendecke verschluckt, wir kamen aber gerade noch rechtzeitig bei Jupi an. Während der Fahrt ins Tal runter sahen wir wegen den Wolken erneut nicht viel, wie schon am Morgen. Ob die Spanier hier etwas verstecken?

Da die Wettervorhersage für die nächsten paar Tage nicht ganz so gut ist, sind wir wieder Richtung Küste runter gefahren, bevor wir zu einer weiteren Wanderung zu den Picos de Europa aufbrechen wollen. So habe ich Zeit, die vielen gemachten Fotos zu sortieren und bearbeiten und dann diesen Beitrag zu verfassen. Und Bettina die Fleissige reinigt einmal mehr unseren Jupi von innen.

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