Von Québec via Neu-Braunschweig nach Neu-Schottland

9. Mai – 13. Mai 2022

Am Montagmorgen bringt Valérie Bettina und mich zum Flughafen von Québec-City, wo wir ein Mietfahrzeug übernehmen. Dank einem interessanten Angebot von Hertz können wir das Auto für die 1’000km lange One-Way – Strecke von Québec nach Halifax fast ohne Aufpreis mieten. Wir holen Hannelore und unser Gepäck in Valéries Wohnung ab und fahren diesen Tag noch 955km weit, d.h. aus der Provinz Québec raus, durch die ganze Provinz New Brunswick (Neu-Braunschweig) durch und nach Nova Scotia (Neu-Schottland).

Wir fahren auf dem Trans-Canada Highway, der quer durch Kanada führt, also von Ost- nach Westkanada, grob gesagt von Halifax resp. sogar von der Insel Neufundland ganz im Osten bis nach Vancouver im Westen, total rund 8’000km. Gemäss Wikipedia ist es die siebtlängste Strasse der Welt.
Auf unserem Teilstück hat es pro Richtung meistens zwei Spuren, ausserhalb von Québec-City gibt es nur noch wenig Verkehr. Fast immer haben wir Handyempfang, so bucht Bettina von unterwegs via Handy zwei Motelzimmer für uns für diese eine Nacht.
(wie immer: auf das Bild klicken, damit es schärfer und grösser wird)

Am Dienstag fahren wir den Rest und übernehmen noch vor dem Mittag unseren Mietcamper bei Fraser RV in der Nähe von Halifax. Es handelt sich um einen Ford E-350, ziemlich mächtig. Der ca. 7.7m lange, 2.5m breite, 3.4m hohe und über 6 Tonnen schwere Camper wird von einem V8-Benzinmotor mit 6.2 Liter Hubraum angetrieben. Der Verbrauch ist entsprechend hoch und beim Anfahren geht die Verbrauchsanzeige an den Anschlag, d.h. 55 Liter/100km, dito wenn es eine längere Steigung hoch geht. Die ersten Tage haben wir einen Durchschnittsverbrauch von ca. 22 Liter pro 100km, rund doppelt so hoch wie Jupi. Der Treibstoffpreis ist aber etwas nicht nur halb so hoch wie bei uns: Das Benzin kostet umgerechnet ca. CHF 1.50 pro Liter, der Diesel etwa CHF 1.85 pro Liter. Eigentlich unglaublich, dass die Amerikaner trotz dieser Treibstoffpreise noch solche Gefährte produzieren…

Vorsaison

Viele Campingplätze sind noch geschlossen, das ist für uns aber kein Problem, denn wir sind autark. Dank der App iOverlander finden wir z.Bsp. eine Shell-Tankstelle, die eine Entsorgungsstelle hat, d.h. wo wir unser Grau- und Schwarzwasser entsorgen können und gratis frisches Wasser bunkern. Ebenfalls hier füllen wir unseren Benzintank zum ersten Mal.

Halifax – SR111

Viele Schweizer denken bei Halifax an den Absturz des Swissair-Flugzeuges auf dem Flug von New York nach Genf am 2. September 1998. Die Swissairmaschine vom Typ MD-11 versuchte in Halifax notzulanden, stürzte aber rund 12km vor der Küste mit über 500km/h ins Meer, weil das Flugzeug nicht mehr steuerbar war. Die Ursache dafür war ein Kabelbrand des Unterhaltungssystems, dessen Leitungen parallel zu den übrigen Steuerleitungen lagen; 228 Menschen kamen beim Unglück ums Leben.

Auf Wikipedia kann man die dramatische Geschichte inkl. des Funkverkehrs nachlesen, einen Link dazu habe ich am Schluss dieses Beitrages angefügt.

In Peggy’s Cove besuchten wir die Gedenkstätte zu diesem Unglück. Von dieser Ortschaft aus wurden auch die Bergungsaktionen geleitet.

Peggy’s Cove

Die Gemeinde Peggy’s Cove und vorallem deren Leuchtturm sind sehr fotogen und eines der meist fotografierten Sujets auf Nova-Scotia. Wir haben Glück, das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite.

An der Gedenkstätte und dann wieder hier beim Leuchtturm treffen wir auf ein Schweizer Ehepaar mit einem Mercedes Sprinter mit Nidwaldner Kennzeichen. Sie konnten ihr Fahrzeug heute von der Fähre holen (Dienstag 10. Mai), die Fähre kam gestern an. Total seien auf der Fähre 65 Camper gewesen. Wir werden einige davon die nächsten Tage noch sehen. Die Übernahme sei absolut problemlos vonstatten gegangen.
Wir übernachten beide auf dem Parkplatz des Visitor-Centers von Peggy’s Cove. Am nächsten Morgen hat das Wetter gedreht, es ist stark bewölkt sowie windig und wir beschliessen, Richtung Norden zu fahren, wo besseres Wetter versprochen wird.

Natur

Obwohl wir bald Mitte Mai haben, ist wie bereits in Québec auch hier noch sehr wenig vom Frühling zu sehen. Wir müssen genau hinschauen, damit wir das eine oder andere Zeichen dazu finden.

Inverness N.S.

Wir befinden uns ja in Neu-Schottland, deshalb durchfahren wir auch immer wieder Ortschaften mit schottischen Namen, wie Neu-Glasgow oder Inverness.

Akadien – Cape Breton Island

Da der Wetterbericht für den Norden von Nova-Scotia besseres Wetter vorhersagt, beschliessen wir zur Insel Cape Breton zu fahren. Hier gibt es einen Nationalpark mit noch mehr Natur und wir hoffen Elche zu sehen. Auf dem Weg dorthin übernachten wir wieder frei in der Nähe der Küste.

Immer wieder fallen uns Flaggen auf, die derjenigen von Frankreich gleichen, im blauen Teil aber noch einen gelben Stern haben. Dies ist die Flagge der Akadier, ursprünglich Siedler aus der Bretagne und Normandie, die im 17. Jahrhundert nach Ostkanada auswanderten. Allerdings wurden sie vorallem im 18. Jahrhundert von den Briten massiv unterdrückt, viele verliessen deshalb das Gebiet oder assimilierten sich. Vorallem um das Städtchen Chéticamp wird die französische Herkunft aber wieder aktiv gelebt.

Beim Besichtigen des Städtchen fallen uns einmal mehr die hohen Hausnummern auf: Während wir in der Schweiz maximal dreistelltige Nummern haben (jede Strasse beginnt mit 1), scheinen hier auf Nova Scotia alle Häuser durchnummeriert zu sein, jedenfalls gibt es hier in Chéticamp nur fünfstellige Nummern zu sehen, andere Länder – andere Sitten.

Karte unserer Route

Die in diesem Berichtszeitraum zurückgelegte Strecke. Es ist die Summe der Autofahrten und der Wanderungen/Spaziergänge.

Externer Link

Wikipedia-Artikel zum Absturz des Swissairfluges SR111 vor Halifax: https://de.wikipedia.org/wiki/Swissair-Flug_111

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