Erfahrungen mit unserem Bimobil EX366 nach 75’000 km (Teil 3, die Aufbaukabine)

Der Aufbau von Bimobil und unsere Ergänzungen

Der Aufbau von Bimobil besteht aus einem Alu-Gitterrahmen, der mit einem Sandwich aus Alublech (aussen), ca. 40mm Hartschaum (=Isolation) und Sperrholz mit einer Dekorbeschichtung ummantelt ist. Dies gibt eine sehr stabile und gegenüber einem Kastenwagen auch viel besser isolierte Kabine. Man fühlt diese Isolation sobald man an einem kühlen Herbsttag innen sitzt und es auch ohne Heizung rasch wärmer wird und man deshalb die Fenster öffnen muss. Über dem Fahrerhaus ist zusätzlich ein Alkoven mit kleinem Stauraum angebracht.

Diese robuste Aufbaukonstruktion hat sehr viele Vorteile und hat uns bis jetzt fast immer sehr überzeugt. «Fast immer», weil in der kühleren Jahreszeit kämpfen wir an gewissen Stellen viel mit Feuchtigkeit. Diese tritt insbesondere in den oberen Ecken der Schränke auf, dort wo Seitenwand und Decke zusammenkommen. Hier liegt durch diese Gitterkonstruktion praktisch Alu auf Alu und ist damit die perfekte Kältebrücke, immer wieder ärgerlich. Hier hilft nur viel Lüften, was wir im ersten Winter zu wenig machten. Jetzt lüften wir meistens kurz nach dem Aufstehen ein erstes Mal und ein letztes Mal am Abend nach dem Kochen/Essen. Und während dem Lüften öffnen wir immer alle Schranktüren.

Noch schlimmer sieht es aber bezüglich Feuchtigkeit im Alkoven aus, denn dieser scheint überhaupt nicht isoliert zu sein. Hier ist es ab Herbst wirklich sehr feucht und man darf nichts feuchtigkeitsempfindliches lagern wie z.Bsp. Bücher, elektronische Geräte etc. Da es hier auch fast keinen Luftaustausch gibt, haben wir bei der Schranktüre-Deko, die aus einer Art Lochblech-Imitation besteht, diese imitierten Löcher an etwa 40% der Stellen durchgebohrt – mit einem Muster. Sieht schön aus, hilft aber noch nicht im gewünschten Masse, wir müssen auch hier im Winter regelmässig trocknen und die Klappe offen halten.

Die Oberschränke und Kästen sind an eingelegten Alublechen befestigt, sitzen bombenfest und haben bis jetzt jeden Rütteltest bestanden. Bei diversen Kastenwagen und Teilintegrierten war dies auf der Mittelasienreise nicht der Fall und bei überraschend vielen lockerten sich die oberen Schränke. Uns ist aufgefallen, dass wenn bei uns etwas während dem Fahren knarrte, es meistens die Schranktüren resp. dessen Scharniere waren, deshalb bekommen sie dann immer etwas Öl, dann schweigen sie wieder.

Die Aufbaukabine isoliert auch deshalb sehr gut, weil sie zum Fahrerhaus hin zu ist. Es geht dadurch keine Wärme über die Front- oder Seitenscheiben sowie via den Motorraum verloren wie bei einem Kastenwagen/Van. Auch für das Verschiffen nach Übersee soll dies ein Vorteil sein, wie wir an diversen Orten gelesen haben. Natürlich hat es eine Türe, durch die man zwischen den zwei Teilen hin- und hergehen kann. Wenn wir in der Kabine sind, schliessen wir diese aus isolationsgründen meistens zu, aber beim Fahren lassen wir sie offen. Die Erfahrung lehrte uns, dass «man» ab und zu etwas vergisst zu verstauen oder zu verschliessen und auf diese Art hören wir sofort, wenn hinten etwas herumfliegt. Leider klappert unser Schloss aber recht stark und stört beim Fahren, irgendwie hat es viel zu viel Spiel. Wir haben deshalb ein Plastikteil geschnitzt, das wir jeweils beim Fahren dort reinpressen, jetzt haben wir Ruhe.

damit das Schloss nicht klappert…

Eines der wenigen wirklichen Ärgernissen an unserem Bimobil ist die Aufbautür. Einerseits ist das ganze Schloss mit den beiden Verriegelungsstangen gegen oben und unten sehr massiv und damit wirklich einbruchsicher, viel mehr als bei den meisten normalen Wohnmobilen, sog. «Weissware». Andererseits ist der Einbau vom Schloss ein «Gelödel», d.h. die Stange zwischen der inneren und äusseren Türfalle hat keine stabile Führung, ist nicht wirklich gut gelagert und damit bewegen sich die Türfallen immer in alle Richtungen. Weiter ist das Dreh-Schloss durchgehend aus Metall und wieder eine Kältebrücke. Ab Herbst ist der innere Metalldrehknopf am Morgen immer nasskalt.

Kältebrücke Metallschliesser, im Herbst nasskalt, im Winter tropfend

Noch viel ärgerlicher ist der Gummi, mit dem die Türe abdichtet. Dieser Gummi hat die Form eines C. Zum Schliessen wird er leicht zusammengedrückt, was immer perfekt funktioniert und bestens dichtet. Doch beim Öffnen «klebt» er dann am Türrahmen fest und verdreht sich dann, das Aufstossen kostet viel Kraft.

Wenn wir diesen C-Gummi an der Türe nicht regelmässig fetten, kriegen wir die Türe kaum noch auf. Der C-Gummi und der Rahmenkunststoff scheinen auch eine sehr grosse Reibung gegeneinander zu haben. Durch die bei jedem Öffnen hohe Belastung ist der C-Gummi bei uns nach kaum drei Jahren bereits gerissen und musste ersetzt werden.

Wir haben schon mit dünnem Teflon experimentiert, das wir auf den Rahmen klebten, doch konnten wir dadurch die Reibung nicht wirklich verringern. Die einzige uns bekannte Lösung ist die Dichtung regelmässig einzuölen. Neben Waffenöl, das ca. eine Woche hält, hat sich bis jetzt Dr. Keddos Gummipfleger sehr gut bewährt, das hält für ca. zwei bis vier Wochen. Und ganz interessant: Immer wenn wir in sandigen Gegenden unterwegs waren, hatten wir nie Probleme mit der Dichtung…
Als Rückmeldung zu diesem Beitrag haben mir zwei Bimobil EX366 Besitzer berichtet, dass sie sehr gute Erfahrungen mit NIGRIN Silikonpaste gemacht haben, Tartaruga empfiehlt Vaseline.

Bei der Türe für die Heckgarage haben wir dieses Gummi-Problem nicht, dort ist eher die Montageform des Schlosses und der dazugehörigen Verriegelungsstangen ein Problem, denn wir müssen beim Stauen jeweils gut aufpassen, dass nichts das Schloss, den Türgriff innen und die Stangen blockiert, sonst kann man die Heckklappe von aussen nicht mehr öffnen, was uns schon mehrere Male passierte. Damit die Mechanik gut läuft, schmieren wir sie auch regelmässig mit WD-40.

Die Fenster sind von Seitz (= Dometic) und aus Kunststoff und haben in der Zwischenzeit einige Kratzer von Sträucher und Ästen, die uns aber nicht weiter stören. Interessant: Der Lack der Aussenkabine hat praktisch keine Kratzer. Natürlich wären Echtglasfenster super, würden noch besser isolieren und und und – aber sind viel zu schwer. Wie die Kunststofffenster sind auch die Rollos und Fliegengitter auf Leichtbau getrimmt und sehr filigran, wir sind entsprechend vorsichtig im Umgang damit. Die Fliegengitterrollos verdrecken mit der Zeit (u.a. mit toten resp. eingedrückten Fliegen und Mücken). Wir haben sie zum Reinigen schon ausgebaut, was überraschend gut funktionierte.

Das hintere grosse Dachfenster (Midi-Hecki 70x50cm) finden wir genial, weil wir von dort auf das Dach können. Auch finden wir die Kurbel zum Öffnen und Schliessen des Fensters sehr praktisch, geht auch bei geschlossenem Rollo oder Fliegengitter, ganz im Gegensatz zum Bügel bei den kleineren Dachfenstern, z.Bsp. im Bad. Leider musste unser Hecki bereits nach drei Jahren neu eingekittet werden, weil es undicht war.

nach drei Jahren fiel der Kitt um den Rahmen ab und bald danach war das Midi-Hecki undicht

Ich finde dies etwas früh. Tartaruga, unser Bimobil-Händler, gab als Grund an, wir würden unser Fahrzeug schon überdurchschnittlich intensiv nutzen und dies vor allem jahrein-jahraus. Die meisten Bimobil würden nur im Sommer genutzt und stünden dann im Winter irgendwo im Trockenen…
Als Feedback zu diesem Beitrag teilte mir Tartaruga mit, dass sie insbesondere Dachfugen als Verschleissmaterial wie Bremsen und Reifen betrachten, die bereits ab zwei Jahren Aufmerksamkeit benötigen.

In der Mitte des Fahrzeugdachs ist ein Fantastic Vent von Dometic verbaut, also eine Dachluke mit eingebautem Lüfter. Im Sommer, wenn es tagsüber sehr warm war, benutzten wir den Lüfter manchmal am Abend, um die warme Luft rauszupumpen. In den übrigen Jahreszeiten ist er aber mehrheitlich nutzlos, manchmal benutzen wir ihn beim Kochen als Dampfabzug, aber meistens genügt es auch das Küchenfenster zu öffnen. Wenn es draussen kalt ist beschlagen sich ab Herbst die Metallfliegengitter und teilweise auch der Propeller mit Feuchtigkeit und es tropft, ein weiteres Feuchtigkeitsproblem… Wir haben deshalb die Milchglashaube, die leider nicht wie die übrigen Fenster eine Doppelverglasung hat, noch mit Armaflex isoliert. Jetzt haben wir viel weniger Feuchtigkeitsprobleme mit dem Lüfter, dafür kommt durch diese Haube nun gar kein Licht mehr rein. Ein weiteres Problem: Schon bei niedrigen Minusgraden durch die Nacht draussen friert die Luke am Dach fest, wir können Sie am Morgen nicht mehr öffnen. Zusammenfassung unserer Erfahrung mit der Fantastic Vent – Dachluke: Im Sommer hilfreich, im Winter unbrauchbar. Wir würden dieses Teil nicht mehr bestellen, sondern dort ein gutes durchsichtiges Dachfenster montieren.

Dank der 12V Leitung zum Vantastic Vent resp. dessen Lüfter konnten wir gleich daneben noch eine grosse LED-Leuchte montieren, die den ganzen Raum schön erhellt. Wenigstens ein Vorteil…

Die Anordnung mit hinten angeordnetem, ausziehbarem Querbett, Tisch mit Bänken an der Fahrerseitenwand und Küchenzeile auf der Beifahrerseitenwand bringt auf kleinem Raum und mit wenig Gewicht eigentlich alles, was wir brauchen. Natürlich wäre ein U-Sofa oder eine separate Dusche wunderbar, doch dies braucht alles mehr Platz und es müssen dann wieder andere Kompromisse bezüglich Stauraum, Grösse und Gewicht eingegangen werden.

Unser Tisch lässt sich absenken und als drittes Bett erweitern, was wir schon ein paar Mal ausnutzten. Allerdings müsste man dazu noch ein zusätzliches Polster mitnehmen, da die Rückenpolster zu kurz geschnitten sind, keine Ahnung warum das Bimobil so löste. Die Bänke sind sehr tief (Abstand Vorderkante zur Rückenlehne). Dies ist vom darunter liegenden Stauraum her natürlich topp und wir möchten sie nicht schmaler. Zum Sitzen sind die Bänke aber nicht ergonomisch, auch weil die Sitz- und Rückenpolster noch als Matratzen für das dritte Bett dienen müssen und damit nicht körpergerecht geformt sind. Hat man das Laptop auf dem Tisch und den Rücken am Polster ist man zu weit von der Tastatur entfernt um bequem schreiben zu können. Wir behelfen uns meist damit, dass wir noch unser Schlafkissen vor das Rückenpolster legen. Diesen Herbst haben wir uns ein neues Tischblatt, das 15cm breiter ist, gemacht. Wir haben uns bei Bau und Hobby aus Bambus ein entsprechendes Brett zusägen lassen und es dann noch entsprechend «verfeinert». Jetzt geht das Schreiben am Tisch noch etwas bequemer und es haben auch zwei Laptops gegenüber platz, ohne dass sich die Bildschirme oben berühren.

15cm breiterer Tisch aus Bambus, sehr tiefe Sitzbänke (Abstand Vorderkante bis Rückenpolster)

In der Ausgabe vom Explorer-Magazin 01-2021 wird von dieser Bimobil-Kabine praktisch als einziger Kritikpunkt das asymetrische Bett bemängelt, d.h. der feste Teil ist breiter als der ausziehbare. Wir haben damit überhaupt keine Probleme. Oft macht von uns jemand auf dem zusammengeschobenen Bett tagsüber mal ein kurzes Nickerchen. An dieser Kritik sieht man sehr gut, wie individuell die Ansichten und Vorlieben sind und dass es oft kein richtig und falsch gibt. Man sieht aber auch wie schwierig es für Tester ist, in wenigen Stunden oder Tagen einen Camper zu testen und zu beurteilen.

Das Herausziehen des Bettes funktioniert normalerweise problemlos, ohne zu klemmen. Unsere Erfahrung zeigte uns, dass es zwei Gründe gibt, wenn es doch einmal klemmt: Entweder ist der Vorhang eingeklemmt oder man hat das Bett beim Herausziehen fälschlicherweise etwas angehoben, in diesem Fall verkeilen sich die Froliteller ineinander.
Diese Froliteller sind übrigens eine Supersache, wir hatten sie schon in unserem letzten Camper. Einerseits liegt man dadurch viel bequemer, je nach Froli-Farbe kann man auch die Härte einstellen und andererseits gibt es eine gute Luftzirkualtion darunter, es entstehen keine Feuchtigkeitsprobleme. In vielen Wohnmobilen wird die Matratze einfach auf eine Holzplatte gelegt und kann so unten nie durchlüften, graut mit der Zeit. Bimobil verbaut standardmässig die blauen Froliteller, wir haben dann noch weichere hellblaue dazugekauft.

Wir wussten aber bereits beim Kauf unseres EX366, dass die Matratzen für uns viel zu hart sein werden. Da der Preisnachlass pro Matratze aber nur winzige 100 Euro betragen hätte, nahmen wir sie trotzdem. Allerdings mussten wir dann unsere erste Reise in die Pyrenäen nach fünf Tagen abbrechen, weil ich auf diesen sehr dünnen und harten Matratze nicht schlafen konnte und jeden Tag mehr Rückenschmerzen bekam. Wir kauften dann bei Ott’s Traumwelt in der Nähe von Stuttgart für uns optimale Mehrkern-Matratzen und optimierten auch noch den Unterbau mit den Froli-Tellern, die zu weit auseinander montiert waren.

Jetzt schlafen wir so gut wie in unseren Betten im Hause. Übrigens haben wir uns dort gleich noch zweiteilige Kamelhaardecken gekauft, d.h. im Sommer hat man eine sehr dünne Decke, im Herbst und Frühling eine mittlere und im Winter kann man die beiden zusammenfügen und hat eine schön dicke Decke. Wunderbar.

Bei Fahrten in unwegsamem Gelände passierte es uns trotz Bettstatterhöhung mehrmals, dass die obere Matratze herunterfiel, deshalb binden wir sie in solchen Situationen jeweils an die untere fest. Was noch schneller herumfliegt ist die Leiter, um auf das Bett hochzukommen. Schon bei kleineren Schlaglöchern fliegt die weg. Eine Zeitlang haben wir sie auch festgebunden. Doch wir haben immer mehr das Gefühl, dass sie uns tagsüber nur im Weg steht, deshalb steht sie bei uns jetzt im Kleiderschrank (ausser in der Nacht). Perfekt wäre, wenn man gar keine solche Leiter benötigen würde, man Tritte irgendwo sonst rausklappen könnte.

festgezurrte Matratze und Leiter

Wir haben auf der Fahrerseite auf das entsprechende Fenster an der Seitenwand beim Bett verzichtet. Wir machten schon beim Kastenwagen die Erfahrung, dass wir die hinteren Fenster eigentlich nicht benötigen und auch jetzt vermissen wir es absolut nicht. Bezüglich weniger Licht kein Problem, da hätten wir lieber beim Fantastic Vent mehr Licht. Und im Winter eine Stelle weniger, wo es feucht wird. Dasjenige auf der Fahrerseite haben wir, im Sommer ist es nützlich zum Lüften. Vor allem bei grossgewachsenen Menschen besteht auch das Problem, dass man am Fensterrahmen resp. den Rollos ankommt. Aus diesem Grund haben wir übrigens auch das Gewürz-Regal nicht montiert, ich würde dort dauernd mit den Füssen ankommen.

Um weiter etwas Gewicht zu sparen und mehr Platz zum Duschen zu haben, verzichteten wir im Bad auf ein Waschbecken und das seitliche Fenster. Die Dusche brauchen wir sehr oft und haben uns deshalb einen 360° umlaufenden Duschvorhang mit entsprechenden Schienen selbst eingebaut. So werden die Wände des Bades kaum nass, auch die Toilette nicht. Bimobil verbaut übrigens eine Duschwanne mit zwei Abläufen, so ist ein Ablauf beim Duschen eigentlich immer auf der richtigen Seite.
Wenn wir nach Gebrauch der Dusche einen Pass runter fahren, dann läuft oft Rest-Wasser in die Duschwanne zurück , obwohl wird die zwei Abflüsse eigentlich mit den dazugehörenden Gummipfropfen verschlossen haben. Hier ist es wichtig, dass man die zur Dusche gehörende Abwasserpumpe genügend lange laufen lässt, auch nachdem alles getrocknet ist, diese noch einmal kurz starten. Da wir am Anfang über die Ursache nicht sicher waren, haben wir zusätzlich hinter der Abwasserpumpe noch ein Sperrventil eingebaut, das hilft etwas. Doch das Wasser, das zwischen Absperrventil und Ablauf in der Leitung liegt, kann natürlich immer noch raus fliessen.

Nach dem Leeren des Grauwassertanks stinkt es oft im Bad. Gemäss Tartaruga kommt das daher, dass Bimobil die Entlüftungsöffnung des Grauwassertanks gleich dort verbaut hat, unschön. Nach einigen Kilometer fahren, ist der Geruch aber meist wieder weg. Unangenehmer ist es, wenn man am Abend auf dem Stellplatz ankommt, dort entleert und dann nicht mehr weiterfährt, da hilft nur Lüften.

Wir hatten immer wieder das Problem, dass sich die Badtüre auf unebenen Strassen oder im Gelände automatisch öffnete. Der Grund war wahrscheinlich der schwere Metalltürgriff, der dort verbaut wurde und sich über Bodenunebenheiten dann so stark bewegte, dass er das Schloss öffnete. Wir haben uns nun mit Hilfe von Bettinas Bruder einen runden Griff aus Holz gedrechselt – sieht sehr schön aus und funktioniert super.

Türgriff, aus einem ehemaligen Gewehrgriff gedrechselt

Apropos Toilette: Kurz nach dem wir 2016 unser Bimobil EX366 bestellt hatten, lasen wir die ersten Berichte über Kompost-Trockentrenntoiletten. Während man in Westeuropa eine Kassettentoilette auf den vielen Stellplätzen problemlos leeren kann, ist dies bereits in Finnland nicht mehr so einfach möglich und ausserhalb von Europa gibt es dann fast gar keine Stellplätze mit Entsorgung in unserem Sinne mehr. Im 2018 haben wir deshalb unsere Thetford C403 Kassettentoilette aus- und eine Trockentrenntoilette (TTT) von Natures Head eingebaut, im Internet haben wir gute Anleitungen dazu gefunden.

Trocken-Trenn-Toilette (TTT) von Natures Head

Wir würden die TTT auf keinen Fall mehr hergeben. Im Moment (2020) gibt es unserer Meinung nach für Langzeitcamper auch nichts besseres auf dem Markt, als das Modell von Natures Head. Leider gibt es noch nichts besseres. Man könnte von einer Art Hassliebe zwischen uns und der TTT von Natures Head sprechen, allerdings mit mehr Liebe als Hass. Der grosse Vorteil ist wie der Name sagt die Trennung von Urin und Kot in zwei Behältnisse und dass man kein Wasser zur Spülung benötigt. Meistens muss man ja nur den Urin entsorgen und ist damit viel flexibler als mit einer Kassette, wo alles drin ist. Der Urintank ist mit 8,3 Liter recht kompakt, hat in einer grösseren Tasche platz und man kann ihn so problemlos zu einem öffentlichen WC tragen und den Inhalt dort entsorgen oder auch mal im Freien wo keine Leute durchgehen, es ist ja nur der Urin, ohne Chemie oder künstliche Zusätze.

Das Herausnehmen des Tanks war bei uns am Anfang etwas ein Gefummel, da es doch recht eng in unserem Bad ist. Doch nach ein paar Leerungen hatten wir es dann im Griff. Bei uns Zweien reicht der Urintank für etwa anderthalb bis maximal zwei Tage. Leider haben wir oft erst in der Nacht gemerkt (oder eben nicht gemerkt), dass er schon wieder voll oder sogar am überlaufen ist, denn es gibt keine Anzeige oder Warnung…

Der feste Teil, also der Kot, fällt in die Kokosfasern. Nach dem grossen Geschäft dreht man an einer Kurbel und mixt das Ganze. Ein immer laufender Ventilator entzieht dem Gemisch die Feuchtigkeit und so stinkt auch nichts, theoretisch. Theoretisch, weil innen, in der TTT stinkt wirklich absolut nichts und wenn doch, so ist es Zeit für eine Leerung. Draussen vor dem Camper beim Entlüftungsstutzen, da kann es aber schon riechen. Wir haben deshalb auf unserer Mittelasienreise noch einen Aktivkohlefilter eingebaut. Damit verschwanden zwar die unangenehmen Gerüche, allerdings trocknete es innen dann nicht mehr so gut und nach teilweise schon 17 – 20 Tagen mussten wir die Kokosfasern wieder wechseln. Ohne Aktivkohlefilter hält die Kokosfaser für 21 – 25 Tage. Einen Monat, wie in der Werbung angepriesen, hat sie bei uns noch nie gehalten, ausser wir gingen dazwischen auf andere Toiletten, so dass das Gemisch besser trocknen konnte. Hat eine Person oder sogar zwei Durchfall ist die TTT überfordert d.h. trocknet nicht mehr und man sollte auf einen Campingplatz mit Toilette oder an einer Ort mit öffentlicher Toilette oder vor ein Hotel fahren, wo man die Toilette benutzen darf. Auf unserer Mittelasienreise ist uns dies einmal passiert… Im Internet habe ich schon Artikel gelesen, wo der Ventilator gegen ein stärkeres Modell ausgetauscht wurde. Dies steht auch auf unserer To-Do Liste und wir hoffen damit, wieder ein paar Tage zu gewinnen.

Leider ist der Kübel, wo die Kokosfaser mit dem Kot drin liegt und den man nach jedem grossen Geschäft mit einer Kurbel durchmischt, nicht fertig durchdacht und es bleibt immer ein Teil der Kokosfaser unten in den Ecken liegen und wird nie gebraucht, ausser man macht sich die Mühe dies manuell mit einer kleinen Schaufel zu durchwühlen. So gewinnt man wieder ein paar Tage. Auch der Durchfluss des WCs zum Urintank ist nicht wirklich gut durchdacht: Einerseits bleibt nach dem kleinen Geschäft immer etwas Urin vor den zwei Abflusslöchern liegen und andererseits kommt man beim Reinigen gar nicht an alle Stellen des Durchfluss zum Tank ran, sehr schade. Dito mit dem Urintank selber, der halb transparent ist und wo sich nach einiger Zeit sichtbare Ablagerungen ansetzen, die man aber nur mit grosser Mühe entfernen kann, weil die Öffnung oben so klein ist. Wir schütten jetzt immer etwas Essig nach dem Leeren rein, was die Ablagerungsbildung reduziert.

Obwohl die TTT von Natures Head schon viele Jahre auf dem Markt ist, wurde sie bis jetzt leider nicht weiterentwickelt, sehr schade. Es gibt noch ein Konkurrenzprodukt von Airhead, das etwas kompakter ist, aber leider ist dort der Urintank mit 7 Liter einiges kleiner und das Handling ist ähnlich. Vielleicht gibt es in Zukunft aber mehr Anbieter mit ausgereifteren Lösungen oder man baut selber eine, im Wohnmobilforum gibt es einige interessante Berichte dazu. Für ein Mietfahrzeug würde ich eine aktuelle TTT nicht empfehlen, da das Handling nicht ganz so einfach ist. Für Langzeitreisende ist es aber aus meiner Sicht ein klarer Gewinn, auch wenn nicht alles perfekt ist.

Unser Fahrzeug hat sehr viel Stauraum, auch weil unsere Elektrik inkl. Aufbaubatterie noch im Schrankboden ganz vorne montiert wurde und nicht im hinteren Sitz, wie dies bei den aktuellen Modellen der Fall ist.

Das Fahrzeug ist mit einem 110 Liter grossen Kompressorkühlschrank CRX 110 von Dometic-Waeco ausgerüstet, der uns mit seinem Platzangebot immer wieder positiv überrascht. Leider sind aber bereits zwei Plastikteile daran kaputt gegangen: Einerseits ein Scharnier um den Griff der Türöffnung hochzuziehen und andererseits ein Plastikstift des Gefriertürchens. Beides konnte ich aber mit Uhu Max Repair Extreme wieder flicken. Leider ist bei unserem Bimobil die Lüftung des Kühlschrank-Kompressors noch nicht optimal und in Kasachstan sowie Usbekistan bei konstant 40°C und mehr kühlte er nicht mehr richtig. Möglicherweise aber auch, weil wir immer an der prallen Sonne parkierten, damit unsere schwächelnde AGM-Aufbaubatterie immer wieder mit genügend Solarstrom geladen werden konnte. Bei den neueren EX366 baut Bimobil zusätzliche Lüftungsöffnungen neben dem Eingang ein, etwas, das wir bei uns jetzt selber nachträglich vorgenommen haben.

Natürlich ist ein Kompressorkühlschrank lauter als ein mit Gas betriebener Absorberkühlschrank, dies merkt man vor allem in der Nacht wenn man nicht (mehr) einschlafen kann, aber dann stört sowieso jedes Geräusch. Im Normalfall ist das leise Brummen für uns kein Problem. In der oben erwähnten Hitze und bereits davor hatten übrigens alle Absorberkühlschränke noch viel grössere Probleme und kühlten nur noch unzureichend, während bei uns die Temperatur vom Kühlschrank bei 10Grad lag und das Gefrierfach immer noch im Minus-Bereich kühlte.

Die ursprüngliche 120 Ah AGM-Bleibatterie ging bei uns schon nach weniger als einem Jahr kaputt, die zweite hielt auch nicht viel länger, Bimobil verbaut deshalb nur noch die robusteren Gel-Bleibatterien. 120 Ah sind aber sehr wenig und bei Bleibatterien sollte man nur etwa die Hälfte der Leistung nutzen, also etwa 60 Ah bei nominell 120 Ah. Bimobil verbaut meist eine 200 Ah Gel-Batterie, die zwischen 55 und 60kg wiegt. Wir haben jetzt aber auf Lithium-Eisen gewechselt (LiFePo4). Der 200 Ah starke Akku von Liontron mit eingebautem BMS und Bluetooth-Übertragung aller aktuellen Batteriedaten passte perfekt in den vorhandenen Raum und ist mit 26kg sogar noch leichter als die ursprünglich verbaute 120 Ah AGM-Batterie. Wir können 80% der nominellen Leistung = 160 Ah nutzen und sie ist auch bei Minustemperaturen noch ladbar, was teilweise bei andern LiFePo4 noch nicht möglich ist. Einen Bericht zum Umbau gibt es hier. Jetzt können wir im Sommer auch für ein paar Tage im Schatten stehen, ohne Angst haben zu müssen, dass der Kühlschrank nicht mehr kühlt, denn dies ist mit Abstand unser grösste Stromverbraucher.

Zum Laden am Stellplatz helfen natürlich auch die auf dem Dach verbauten 2 x 145 Wp starken Solarpanels von Wattstunde (Black Line). Dank einer speziellen Glasoberfläche, die auch Streulicht gut einfängt und bündelt, liefern die Zellen auch bei etwas Bewölkung oder tief stehender Sonne noch genügend Strom, um unseren Tagesbedarf zu decken resp. nachzuladen. Sobald die Sonne allerdings hinter einem Objekt wie Haus oder Berg verschwindet, sinkt der Strom rapide ab, auch wenn es gefühlt noch sehr hell ist.

Die Panels sind mit einer Länge von etwa 1.5m eigentlich zu lang für ein «Offroad-Fahrzeug» wie den Jupi. Bei Fahrten über die schlechten Asphaltstrassen von Kasachstan viel uns immer stärker ein neues Geräusch auf. Irgend einmal kam ich auf die Idee, während dem Fahren aus dem Hecki zu schauen und entdeckte dann, wie die Panels bei jeder Unebenheit auf- und abschwangen. Danach bauten wir zusätzliche Winkel ein und das Schwingen verschwand.

Heute würden wir wahrscheinlich flexible, klebbare Panels verwenden, die wären auch einiges leichter und die heutigen Modelle sollen auch die Wärme viel besser ableiten können. Im 2017 gab es damit aber noch viele Probleme, gerade bei Fahrten in heisse Gegenden und der Wirkungsgrad war auch noch schlechter.

Apropos Strom: Mit den von Bimobil verbauten 12V Steckdosen haben wir teilweise Probleme, denn sie sind nicht mit allen 12V Steckern kompatibel. Während z.Bsp. der 12V-Stecker von unserem Dell-Laptop problemlos funktioniert, rutscht der 12V-Stecker vom Ladegerät unserer DJI-Drohne immer wieder raus, dito mit selbst anlötbaren 12V-Stecker, die ich für die Astrofotografie-Ausrüstung verwende. Wir haben bei «Der Freistaat» Caravaning in Sulzermoos 12V-Dosen gekauft, wo jetzt beide Stecker passen. Über die Positionierung der Dosen kann man natürlich immer diskutieren, trotzdem finden wir die Dosen unter dem Tisch unpraktisch. Wir haben von Bimobil deshalb schon bei der Bestellung von Jupi eine Dose über dem Tisch installieren lassen, d.h. unter dem entspr. Oberschrank, das ist sehr praktisch.

Dose mit guter Zugänglichkeit über dem Tisch

Heute würden wir wahrscheinlich kombinierte 12V – USB-Steckdosen einbauen lassen, denn immer mehr Geräte verwenden den USB-Steckertyp.

Das Fahrzeug ist mit einem fest installierten 20 Liter LPG-Gastank von Wynen-Gas ausgerüstet, dessen Inhalt wir nur zum Kochen resp. Backen benötigen, das reicht uns für rund 3 Monate. Während man in Island und Finnland leider kein LPG tanken kann, war dies auf unserer Reise nach Russland, in die Mongolei und Mittelasien überhaupt kein Problem. Wie schon erwähnt benutzen wir regelmässig unseren Backofen vom Typ Dometic OG 3000.

Für den normalen Backofenbetrieb hat es im Backraum unten hinten einen Brenner, der bis jetzt immer problemlos funktionierte. Zusätzlich besitzt das Gerät noch eine Grillfunktion mit einem Brenner oben. Dieser bracht scheinbar mehr Sauerstoff und erlöscht immer wieder, wenn wir die Ofentüre nicht etwas offen lassen. Etwas unschön, aber wir können damit leben.

Die Heizung mit integriertem Boiler läuft mit Diesel (Truma Combi D 6), was die Autarkie gegenüber Gas erhöht, da wir so im Winter nicht dem Gas nachrennen müssen. Allerdings stinkt das Gerät beim Anlaufen und Abstellen viel stärker als eine Gasheizung, Russpartikelfilter gibt es hier leider noch nicht. Wir haben natürlich auch das überteuerte Höhenkit eingebaut, das eigentlich nur eine zweite Pumpe mit etwas weniger Förderleistung ist und bis jetzt aber gute Dienste leistete. Unser höchster Übernachtungspunkt lag einmal in der Türkei auf ca. 2700 müM.

In der beheizten Heckgarage ist der Wassertank verbaut, den man entweder mit 80 oder 160 Liter bestellen konnte. Wir haben nur den 80 Liter fassenden Tank genommen, damit wir genügend Platz für andere Sachen haben. Dazu haben wir noch je einen Faltkanister à 10 und 20 Liter, so dass wir zusammen mit den 10 Liter im Boiler auf total 120 Liter Wasser kommen, was für uns bis jetzt immer ausreichend war. Ausserhalb von Europa konnten wir übrigens meist nicht mehr mit dem Schlauch tanken, dann benutzten wir jeweils die Faltkanister. Der Abwassertank misst bei uns 80 Liter (auch wenn man 160 Liter Frischwasser hat). Leider ist das Abflussrohr irgendwo in der Mitte an den Tank montiert, so dass man ihn fast nicht leer kriegt, obwohl unser Abwassertank deswegen auf einer Seite extra etwas erhöht wurde, schade. Was wir aber gut finden ist, dass man den Abwassertank von innen öffnen und schliessen kann.

Es gibt Stellplätze, welche leider nur eine Entsorgungssäule für das Abwasser haben, wozu man einen Schlauch benötigt. Hier haben wir uns selbst ein Verlängerungsschlauch mit Adapterrohr gebastelt. Für die Befestigung muss man allerdings unter das Fahrzeug, was je nach Untergrund und Wetter etwas unangenehm sein kann.

Für die Unterbringung von Klapptisch und -Stühlen haben wir uns von Zurrfix aus Sursee/LU eine Plane mit Bändern schneidern lassen. Diese haben wir an Airline-Schienen unter dem Bett in der Heckgarage befestigt, können dort Tisch und Stühle reinlegen und dann hochziehen. So sind diese Möbel einerseits sauber verstaut und andererseits immer schnell zugänglich, zwei Fliegen auf einen Streich.

Auch wenn jetzt der eine oder andere negative Punkt zusammen gekommen ist, finden Bettina und ich unser Bimobil EX366 nach wie vor genial, es ist einfach sehr gemütlich da drin zu leben, das Holz-Ambiente gefällt uns sehr und die Grösse ist ein guter Kompromiss. Wir kochen beide viel lieber zusammen, als dass wir zusammen in ein Restaurant gehen, verbringen die Zeit viel lieber im Jupi, als dass wir in einem Hotel oder einer Ferienwohnung sind. Wir finden, dass bei Bimobil das Preis-Leistungsverhältnis stimmt und würden dieses Modell wie schon am Anfang beschrieben wieder nehmen, die Vorteile überwiegen für uns klar. Ein Camperkauf ist immer ein Kompromiss, denn unterwegs möchte man ein möglichst kleines, leichtes, wendiges und geländetaugliches Fahrzeug und am Abend am Stellplatz kann es fast nicht genügend gross sein. Für uns ist Jupi D E R Kompromiss.

Ich hoffe, dieser Bericht fällt auf Interesse und freue mich über Kommentare dazu.

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4 Antworten

  1. Hallo Reto
    Klar, informativ und spannend. Vielen Dank für den ungeschönten Bericht. Dennoch lautet das Fazit: sofort wieder – mit kleinen Anpassungen.

    Wir wünschen euch frohe Festtage und freuen uns über weitere Berichte .

    Grüße aus dem Aargau, Beat und Gaby

    • Reto Bolliger sagt:

      Hallo Beat und Gaby
      Genau so ist es, sofort wieder.
      Ich wünsche euch viel Spass und Erfolg bei eurer weiteren Evaluation.

      Liebe Grüsse
      Reto

  2. Manu und Frank sagt:

    Hallo ihr Beiden. Sehr guter Beitrag. Fahren selbst seit 2017 den EX366 und unser Fazit ist dasselbe: toller Camper. Wir sind damit bis jetzt ca. 50.000 km gefahren, es gab auch einiges zu kritisieren/reparieren, aber nichts dolles. Die TTT steht noch auf unserer Wunschliste-vielleicht könnt ihr uns ja noch ein paar mehr Infos zum Einbau etc. zusenden?
    LG von Manu und Frank

    • bvision sagt:

      Lieber Manu und Frank, besten Dank für euren Kommentar. Bezüglich TTT habe ich euch per E-Mail ein paar Bilder gesendet.
      Liebe Grüsse
      Reto

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